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BMI ist zur Risikobewertung ungeeignet

  • geschrieben von  Marco Heibel
Rund 70 Prozent der deutschen Männer und über 50 Prozent der deutschen Frauen seien übergewichtig, heißt es in offiziellen Statistiken. Grundlage für diese Statistiken ist der Body-Mass-Index (BMI). Jetzt fordern Münchner Wissenschaftler die Abkehr vom alten Raster.

Der BMI spiele für das Schlaganfall-, Herzinfarkt- oder Todesrisiko eines Menschen keine Rolle und tauge somit nicht zur Risikobewertung. Das ist jedoch keine Entwarnung für dicke Menschen die gerne viel essen und sich wenig bewegen, denn die Wissenschaftler halten lediglich das Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße als ungeeignet zur Risikoeinschätzung. Entscheidend sei nämlich nicht das Gewicht eines Menschen oder die Menge an Fett die er mit sich herumschleppt, sondern an welchen Körperstellen es bevorzugt sitzt.

So errechnet Ihr Euren Body Mass Index

BMI: Männer sind im Nachteil


Besonders schädlich ist demzufolge das ungeliebte Hüftgold. Der Speckgürtel an Bauch und Taille kann schädliche Fettsäuren und diverse Botenstoffe in den Körper abgeben, die Entzündungen fördern. Besonders betroffen sind die Gefäße. Die Folge ist Arteriosklerose.



Fettdepots an Hüfte, Oberschenkeln und Gesäß sind hingegen weniger schädlich. Im Gegenteil, nach jüngsten Erkenntnissen könnten sie sogar schützend wirken. Aufgrund der genetisch festgelegten Problemzonen sind damit Männer deutlich im Nachteil.

Darum kritisieren Experten den BMI


Wichtigster Kritikpunkt: Der BMI berücksichtigt nur das Gewicht, aber nicht die Muskelmasse eines Menschen. Bodybuilder wie Arnold Schwarzenegger kommen wegen ihrer Muskelmasse leicht auf einen BMI von über 30, was deutlich übergewichtig wäre. Gesundheitsschädlich sind Muskeln aber nicht.

Auf Fettverteilung kommt es an


Für die persönliche Risikobewertung schlagen die Münchner Wissenschaftler deshalb vor, Taillenumfang und Körpergröße in Relation zu bringen. Die so genannte „Waist-to-Height-Ratio“ (WHtR) sei sogar noch aussagekräftiger als die bisher verwendete „Waist-to-Hip-Ratio“ (WHR – Relation von Taillen- und Hüftumfang), die ebenfalls zur Bewertung des Herz-Kreislauf-Risikos im Gespräch ist. Die Wissenschaftler vermaßen für ihre Studie knapp 11.000 Probanden und verfolgten deren gesundheitliche Entwicklung drei bis acht Jahre lang.

So kannst Du Deine WHTR berechnen:


Du brauchst dafür ein Maßband und einen Taschenrechner. Deine Waist-to-Height-Ratio kannst Du mit folgender Formel berechnen:

Taillenumfang in cm geteilt durch Ihre Körpergröße in cm = WHTR

Bei einem Wert von 0,5 liegst Du im optimalen Bereich; bei älteren Menschen ist ein Wert bis zu 0,6 noch in Ordnung. Kritisch wird es über 0,6, dann solltest Du unbedingt etwas gegen Dein Übergewicht unternehmen, ansonsten musst Du mit einem höheren Krankheitsrisiko leben.

Wichtig: Der Taillenumfang sollte knapp über dem Bauchnabel gemessen werden. Atme beim Messen leicht ein und ziehe den Bauch nicht ein. Das Maßband sollte parallel zum Boden verlaufen.

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