David Möller
David Möller

David Möller

Rennrodeln / Rodel-Weltmeister Einzel 2004, 2007; Rodel-Weltmeister Team 2004, 2007

David Möller (*13. Januar 1982 in Sonneberg) ist schon jetzt einer der erfolgreichsten deutschen Rennrodler aller Zeiten. Neben dem Rodelsport, ist David Polizeibeamter in der Sportfördergruppe der Bundespolizei. Außerdem studiert er im Fernstudium Medienmanagement an der FH Erding.

Rodelweltmeister David Möller im Interview

Rodelweltmeister David Möller im Interview

Der zweifache Rodelweltmeister David Möller spricht im netzathleten-Interview über die Faszination Rennrodeln und erklärt, wie man als Wintersportler über den Sommer kommt. Außerdem blickt er schon einmal voraus auf den kommenden Winter mit dem Höhepunkt der Olympischen Spiele in Vancouver.

netzathleten: Du kommst ja aus dem thüringischen Sonneberg, einer Wintersporthochburg. Hat man da eigentlich als Jugendlicher eine andere Wahl als Wintersportler zu werden?
David Möller: Die hat man schon, ich habe schließlich auch lange Fußball gespielt. Aber bereits zu meiner Grundschulzeit, noch vor der Wende, sind die verschiedenen Vereine aus der Gegend in die Schulen gekommen und haben für ihren jeweiligen Sport geworben. Ich habe dann an einigen Sichtungen teilgenommen, hatte Spaß am Rodeln und scheinbar auch genug Talent, um schließlich von der Sportschule Oberhof aufgenommen zu werden.

netzathleten: Was macht für Dich die Faszination des Rennrodelns aus?
David Möller: Zum einen die enorme Geschwindigkeit – und zwar ohne Lenkrad oder Bremsen. Auf der Olympiabahn von Vancouver erreichen wir zum Beispiel um die 150 km/h. Zum zweiten die knappen Zeitabstände: Bei uns geht es immer sehr eng zu, jedes Detail zählt. Ein kleiner Fehler, und Du bist plötzlich ein paar Plätze weiter hinten. Und zum dritten die Tüftelei: Dass du die Möglichkeit hast, an deinem Material selber zu feilen.

netzathleten: Apropos Tüftelei. Muss man ein guter Tüftler sein, um im Rodelsport vorne zu landen?
David Möller: Zunächst einmal stellt mein Schlittenhersteller FES (Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten, d. Red.) mir natürlich einen Mechaniker zur Verfügung. Wenn es aber an das Feintuning geht, ist es schon ein enormer Vorteil, wenn du selber ein Tüftler bist. Schließlich bist du als Fahrer der einzige, der wirklich weiß, wo noch was an der Einstellung verändert werden muss. Das setzt natürlich ein gewisses technisches Verständnis und ein gutes Fahrgefühl voraus. Aber wer in den letzten Jahrzehnten im Rodelsport ganz vorne landen wollte, musste fast zwangsläufig ein Tüftler sein.

netzathleten: Die Wettkampfsaison – mit dem Höhepunkt Olympische Spiele in Vancouver – beginnt erst Ende November. Wie sieht Dein Training im Moment aus? Wie viel Zeit verbringst Du im Kraftraum?
David Möller: In den Sommermonaten macht das Kraft- und Fitnesstraining schon einen großen Teil aus. Vor allem ein schneller Start ist im Rodeln enorm wichtig. Um die Kraft und die Technik dann auch aufs Eis zu bringen, wurde jetzt gerade in Oberhof die Startrampe vereist. Ab Oktober wird dann auf komplett vereisten Bahnen trainiert. Ansonsten trainieren wir im Sommer auch mit Inlineskaterollen statt Kufen auf den eisfreien Bahnen. Das Gefühl ist zwar nicht ganz dasselbe, aber eine bessere Alternative gibt es bislang nicht.

netzathleten: Und wie sehen Deine Saisonziele aus? Im Gesamtweltcup warst Du zuletzt viermal in Folge Zweiter, andererseits stehen die Olympischen Spiele vor der Tür. Was wiegt für Dich mehr: Einmal Olympiasieger zu sein, oder über eine ganze Saison der Konstanteste zu sein?

David Möller: Ganz klar: Olympiasieger. Einen Gesamt-Weltcup zu gewinnen ist natürlich auch etwas Tolles, aber Olympische Spiele sind eben nur alle vier Jahre. Daher wäre mein Ranking: Olympiasieg, WM-Titel, Gesamtweltcupsieg.

netzathleten: In der vergangenen Saison hast Du die Olympia-Generalprobe auf der neuen Bahn in Whistler für Dich entschieden. Was erhoffst Du Dir jetzt für die Spiele?

David Möller: Dass ich die Generalprobe gewonnen habe, ist sicher kein Nachteil. Man könnte das auch als gutes Omen nehmen, schließlich hat Armin Zöggeler 2005 auch die Olympia-Generalprobe in Cesana gewonnen und dann ein Jahr später Gold geholt… Dass ich der erste und bisher einzige Sieger in Whistler bin, empfinde ich jedenfalls nicht als bedrückend. Es ist eher eine Zusatzmotivation für die Spiele. Allerdings bin ich mir sicher, dass das Eis bei Olympia noch einmal schneller sein wird als beim letzten Mal. Das heißt, dass man sich erst wieder neu an die Strecke gewöhnen muss. Aber ich denke, dass ich dafür gewappnet bin. Schließlich habe ich immer verschiedene Kufen dabei.



netzathleten: Vor den Spielen steht aber noch die Qualifikation an. Wie gehst Du angesichts der nationalen und internationalen Leistungsdichte mit der Konkurrenz um?
David Möller: Zu Armin Zöggeler (italienischer Olympiasieger von 2006, d. Red.) zum Beispiel habe ich bei aller Konkurrenz ein absolut entspanntes Verhältnis. Er hat sich mir gegenüber nie negativ verhalten, und wir trinken nach Wettkämpfen auch schon mal ein Bier zusammen. Bei meinen deutschen Kollegen ist das nicht anders. Allerdings ist es nicht ganz so einfach, wenn man den ganzen Sommer über zusammen trainiert und im Winter dann gegeneinander um die drei Qualifikationsplätze für den Saisonhöhepunkt fährt. Immerhin muss ich mich gegen vier, fünf Topleute aus den eigenen Reihen beweisen. Andererseits pusht einen diese enorme Leistungsdichte natürlich auch zu Höchstleistungen. Und bei den deutschen Frauen ist die Konkurrenzsituation ja noch extremer. Insofern ist die Qualifikation für Olympia schon ein echter Prüfstein.

netzathleten: Neben der Karriere machst Du ein Fernstudium im Bereich Medienmanagement. Ist damit Dein Weg nach der aktiven Karriere schon vorgezeichnet?
David Möller: Nein, ich habe immer versucht, mehrgleisig zu planen. Ich habe Trainerlehrgänge besucht und bin in der Sportfördergruppe der Bundespolizei. Die Entscheidung, zusätzlich noch Medienmanagement zu studieren, habe ich absolut bewusst getroffen. Im Verlauf meiner Karriere hatte ich viel mit Medienvertretern zu tun, und das Studium bietet mir die Möglichkeit, einen Einblick in diesen Bereich zu gewinnen. Ich schaue einfach gern über den Tellerrand.

Das Interview führte Marco Heibel

Mehr zu David Möller gibt es unter www.rennrodeln.com

oder www.meet-success.de

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