Michael Kalivoda
Michael Kalivoda

Michael Kalivoda

Radsport / Weltmeister 2007 und 2009 24-StundenMountainbike-Rennen

Michael Kalivoda stammt aus Selb, 30 Kilometer südlich von Hof, wohnt aber mittlerweile in Garmisch-Partenkirchen und arbeitet in München. Seine Disziplin sind extreme Mountainbike-Rennen über 12 oder 24 Stunden. Im Jahr 1998 fuhr er seine erste komplette Saison Mountainbike Marathons. 2007 wurde er dann Weltmeister in der 24 Stunden Kategorie und legte dabei fast 600 Kilometer auf dem Rad zurück. 2009 wurde er erneut Weltmeister.

"Nie wieder mache ich so einen Schmarrn"

"Nie wieder mache ich so einen Schmarrn"

Michael Kalivoda betreibt einen extremen Sport und ist dabei extrem erfolgreich. Er fährt Mountainbike-Rennen. Und zwar die wohl härtesten, die man sich vorstellen kann, von Marathondistanzen (4-6 Stunden), 12 Stunden-Rennen, bis hin zu 24-Stunden Mammut-Rennen. Im Star-Interview schildert er uns, worauf es in seinem Sport ankommt.

2007 war er 24-Stunden-Weltmeister. Michael Kalivoda. Die Distanzen, die er in 24 Stunden zurücklegt, gehen an die 600 Kilometer-Marke. Wir haben uns für Euch mit Michael getroffen und ihn zu seinem Extremsport befragt.


netzathleten: 24 Stunden Mountainbike-Rennen, das klingt ja zunächst mal ein bisschen verrückt. Wie kommt man auf die Idee sich so etwas anzutun?
Eigentlich komme ich vom Klettern und Ski-Touring. Da ist man natürlich auf Berge angewiesen. Ich habe dann irgendetwas gesucht, was man auch bei uns auf dem flacheren Land machen kann. Auf einer meiner Touren am Gardasee war ich dann zufällig Zuschauer eines Mountainbike-Marathons. Das hat mir gefallen – und zwar so gut, dass ich in ein Jahr später bei eben diesem Rennen erstmals an den Start ging. Damals kam ich allerdings erst nach dem Zeitlimit an.


netzathleten: In anderen Sportarten hat man ein geregeltes Trainingspensum, Fußballer absolvieren ihre Einheiten, haben den Rest des Tages frei. Wie kann man Deinen Sport trainieren? Du wirst ja nur im Rennen mit solch einer Extremsituation konfrontiert?
Natürlich fahre ich im Training keine 24 Stunden am Stück. Die Grundlagen für die Rennen schaffe ich im Winter. Da mache ich immer noch ausgedehnte Ski-Touren. Dabei werden zwar andere Muskelgruppen beansprucht, für die Grundlagenausdauer ist das aber hervorragend. Davon zehre ich dann den Sommer über. Das „Sitzfleisch“, das man für die langen Rennen braucht, muss man sich nach dem Winter antrainieren. Das kommt aber automatisch, da ich es mag, ausgiebige Touren mit dem Bike zu unternehmen.

Fotostrecke

Kalivoda


netzathleten: Bei den bedingungslosen Rennen über 12 oder 24 Stunden fährst Du regelmäßig Siege ein. Bei den kürzeren Marathons sind Deine Ergebnisse auch nicht gerade schlecht, ein Siegfahrer bist Du dort allerdings nicht. Wie erklärst Du Dir das?
Das kommt daher, dass ich prinzipiell einen schlechten Hämatokrit-Wert habe, das heißt, dass ich nicht so viele rote Blutkörperchen habe, die Sauerstoff transportieren können. Das bedeutet letztlich, dass ich das hohe Tempo bei den kürzeren Rennen nicht so gut mitgehen kann. Bei den langen Rennen ist die Geschwindigkeit dosierter, man kann sich das Tempo besser einteilen. Das kommt mir dann wiederum zugute.


netzathleten: Was passiert in den letzten Tagen vor solch einem Rennen? Wie sieht Dein persönlicher Countdown aus?
Selbstverständlich versuche ich viel zu schlafen vor den Rennen. Wichtig ist aber auch, Gewicht aufzubauen. Zwei bis drei Kilo muss ich vor der extremen Beanspruchung zunehmen. Bei einem 24 Stunden Rennen fährt man Distanzen um die 600 Kilometer, da ist eine gute Substanz unabdingbar. Lockere Touren mit Rad mache ich bis zwei Tage vor dem Rennen, in den letzten beiden Tagen fahre ich gar nicht mehr. Dann muss ich auch noch mein Material auf Vordermann bringen, die Verpflegung besorgen und das Lager vor Ort aufbauen. Insgesamt gibt es viel zu tun. Durch die ganzen Vorbereitungen steigt natürlich auch das Renn-Fieber und dadurch ist die letzte Nacht vorm Rennen auch immer etwas unruhig.

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Es gibt 4 Kommentare

Michael K. schrieb am 20.07.09 um 14:47
Michael K.
Hallo Florian,
eigentlich kann ich mit Kritik umgehen, aber in diesem Fall muss wohl dann doch ein paar Punkte richtigstellen:
Ich denke, dass ich in den vergagenen 15 Jahren im Marathonbereich sehr viele gute Ergebnisse (Siege, Podestplätze,Top Ten-Platzierungen) erzielt habe und dies nicht unbedingt als "nichts drauf" abgestempelt werden kann. Meine Blutwerte sind nun mal genetisch bedingt niedrig und da fehlen mir ein paar Prozent um von einer optimalen Sauerstoffaufnahme zu sprechen. Da könnte man zwar nachhelfen, stehe aber für einen sauberen Sport. Ich merkte halt bei Marathon's, dass je länger sie sind umso mehr Konkurrenz konnte ich vor dem Ziel noch einholen. Warum sollte man sich diesen Vorteil nicht zunütze machen und auf Ultradistanzen gehen ????
Jedes Rennen ist ein offizieller Wettkampf, nur dass es im Falle der 24 Stunden Weltmeisterschaft nicht dem Reglement der UCI unterliegt. Trotzdem ist der Sieger diese Rennens Weltmeister, da ja rein theoretisch jeder Mensch dieser Welt mitfahren könnte. Das Regenbogentrikot ist nicht an die UCI gebunden, allerdings das Logo der UCI ist geschützt. Jedem Sieger einer Weltmeisterschaft steht es somit zu, ein Jahr lang das Regenbogentrikot zu tragen, in diesem Fall allerdings ohne das UCI-Logo. Das wirst Du auch nirgends auf meinen Trikots finden.
Falls Du tatsächlich schon mal ein 24 Stunden Rennen über die gesamte Tagesdistanz durchgefahren sein solltest, dann würdest Du sicherlich diese Sportart nicht als "peinlich" ansehen. Finde das ist dann doch eine Beleidigung für diese Sportart, die wohl wie keine Zweite an das körperliche Limit geht.

PS: Es wäre wünschenswert, wenn Du Deinem Profil bei den Netzathleten etwas mehr Aussagekraft geben würdest, vielleicht würde ich dann Deinen "Frust" sogar verstehen und wir könnten evtl. sogar Sportfreunde werden.....an mir soll es nicht scheitern !!!!

LG
Michi
Florian L. schrieb am 18.07.09 um 12:45
Florian L.
Das Interview ist ja ganz nett und als ehemaliger 12h und 24h Fahrer weiß ich von was er spricht. Nur die Erklärung warum er auf kurzen Distanzen nichts drauf hat ist lächerlich. Dazu sollte man festhalten dass es keine offizielle 24H WM gibt/gab und damit auch keine Titelträger. Finde es ehrlich gesagt peinlich wenn die möchtegern Weltmeister im Regenbogentrikot umherfahren.
Christian S. schrieb am 16.07.09 um 19:51
Christian S.
Super Interview!

Wir freuen uns auf dich in Bad Griesbach beim 24h-Rennen (www.24h-badgriesbach.de).

Christian
acs-event GmbH
Ander S. schrieb am 16.07.09 um 19:04
Ander S.
Sauber Michi-mach weiter so!

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