Marcel Heinig
Marcel Heinig

Marcel Heinig

Triathlon / Weltmeister Deca-Triathlon (10-fache Ironman-Distanz) 2008, Finisher bei über 200 Marathons und Ultradistanzläufen

Marcel Heinig (*16.11.1981) gehört zu den härtesten Athleten der Welt. Bereits mit 24 Jahren hat er seinen 100. Marathon gefinisht; mittlerweile sind es über 200 Marathons und Ultradistanzläufe. 2008 wurde Heinig mit einer Zeit von 206h 29min und 04sec Weltmeister beim Decatriathlon (38 Kilometer Schwimmen, 1.800 Kilometer Radfahren, 422 Kilometer Laufen – das entspricht der 10-fachen Ironman Hawaii Distanz).

Interview mit Extrem-Sportler Marcel Heinig

Interview mit Extrem-Sportler Marcel Heinig

Zehn Tage lang jeden Tag fünf olympische Triathlons: Ab dem 9. November stellt sich der Extrem-Sportler Marcel der größten Herausforderung in der Geschichte des Triathlon-Sports. Im netzathleten-Interview erzählt er, wie er auf die Idee kam und wie er die Hölle von Monterrey überleben will.

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netzathleten: Hallo Marcel, Du planst im November im mexikanischen Monterrey einen Weltrekordversuch im Triathlon. 50 Triathlons über die Olympische Distanz in 10 Tagen, also insgesamt 7,5 Kilometer Schwimmen, 200 Kilometer Radfahren und 50 Kilometer Laufen pro Tag. Wie bist Du auf diese Idee gekommen?
Marcel Heinig: Die Idee des 10-Tage-Triathlon stammt aus dem Jahr 2006. In einem Rekordversuch stellten wir uns der Herausforderung, zehn Ironmans an zehn aufeinander folgenden Tagen zu absolvieren. Neun von 19 gestarteten Athleten erreichten das Ziel, ich als Sechster der Gesamtwertung. Danach war ich überglücklich, der „Hölle von Monterrey“ entkommen zu sein und wollte niemals mehr zurück.

Im Sommer fragte der Veranstalter, ob ich nicht wieder Interesse hätte. Ich winkte sofort ab. Ich hatte es mir schon 2006 bewiesen, dass ich 10 Ironmans in 10 Tagen schaffen kann. Keine Chance, aber dann fand er meine Schwachstelle: Eine neue Herausforderung! Und er köderte mich, indem er mir gestattete, meine eigenen Ideen zu verwirklichen. In der gleichen Zeit kam ich auf die Idee mit den 50 Olympischen Triathlons. Der Gedanke ließ mich nicht mehr los, und wir machten Nägel mit Köpfen. Ich muss also wieder zurück in die Hölle von Monterrey. Ob ich ihr noch mal entkommen kann, werdet Ihr hier sehen. Es werden zehn lange und vor allem sehr harte Tage. Es kann viel passieren. Eine richtige Erkältung würde mich wohl aus dem Rennen werfen und der Traum wäre geplatzt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es klappt, schätze ich auf 50 Prozent.

netzathleten: Startest Du alleine oder sind noch andere Triathleten mit von der Partie?
Marcel Heinig: Die 50 olympischen Distanzen mache ich allein. Nebenbei findet aber wieder, wie 2006, der 10-Tage-Triathlon mit 10 Ironmandistanzen statt, da starten circa 25 Teilnehmer.

netzathleten: Andere Triathleten träumen von Hawaii. War das für Dich nie ein Ziel?
Marcel Heinig: Hawaii ist ein Mythos. Natürlich ist das ein Traum. Die Quali-Zeiten sind in den letzten Jahren aber so gut geworden, dass man wirklich Talent benötigt und einen Sportanfang im Kindesalter bei einer der drei Disziplinen. Ich müsste mich ein, zwei Jahre nur auf „kurze Distanzen“ konzentrieren. Die langen Kanten machen zwar ausdauernd, aber auch langsam. Wenn ich nur noch auf Schnelligkeit trainiere, dann würde ich es geradeso unter 10 Stunden schaffen. Für die Quali reicht das lange nicht. Ich hätte also den gleichen Aufwand und würde nur von meinen Zielen träumen. So kann ich auch an der Weltspitze mitmischen, aber nicht im Traum, sondern in der Realität.

netzathleten: Wie bereitet man sich auf eine solche Belastung vor?
Marcel Heinig: Ich kann mich nicht klassisch vorbereiten. Den Event kann man im Vorfeld nicht simulieren. Wichtig ist, dass ich mental zu 100 Prozent fit bin. Die körperliche Fitness ist zwar sehr wichtig, aber nicht entscheidend. So versuche ich gerade in den Wochen davor in pure Ausgeglichenheit zu kommen. Lieber mal eine Trainingseinheit weniger als sich davor mental unnötig auszulaugen. So ein Event ist kein klassischer Wettkampf, sondern eine Schlacht. Jede Körperzelle muss für diese Schlacht bereit sein. Nach zwei bis drei Tagen siehst du kaum das Ziel vor Kilometern und nach sechs, sieben Tagen erlebst du eine unglaubliche Müdigkeit. Das zu managen, verlangt dir mental alle Ressourcen ab.

netzathleten: Wie hoch ist Dein wöchentliches Trainingspensum?
Marcel Heinig: Das ist sehr individuell und hängt von dem Wettkampf und den Distanzen ab. Für den 4.500 Kilometer langen Europalauf musste ich extra langsames Laufen lernen. Hätte ich das nicht, dann wäre ich die ersten Tage zu schnell gelaufen und hätte mich somit kaputt gelaufen. Denn auch langsames Laufen muss gelernt sein. Am Anfang kostet es mehr Kraft als schneller zu laufen. Und als Vorbereitung auf den Triathlon war der Europalauf eine enorme Ausdauergrundlage. Davon kann ich jetzt zehren und konnte mich in den letzten Wochen mehr aufs Radfahren und Schwimmen konzentrieren. Im Schnitt sind es circa 20 bis 25 Stunden pro Woche.

netzathleten: Wie verträgt sich das mit Deinem Privatleben, und wie schaffst Du es, das in den Alltag zu integrieren?
Marcel Heinig: Nicht nur das Training kostet Zeit, sondern auch die Organisation der Wettkämpfe und das Management. In der Summe kommt da locker eine 40 Stunden-Woche zusammen. Die Zeit wird dadurch sehr knapp, aber wenn du es gerne machst und Spaß hast, dann bist du auch bereit viel zu leisten. Man lernt auch, sich zu organisieren und zu entscheiden, was wichtig ist und was nicht. Ich weiß beispielsweise nicht, wann ich das letzte Mal ferngesehen habe. Anderseits bin ich auf den Partys meist immer der letzte der kommt und der erste der geht. Das war nicht immer so und ist auch schon eine bedeutende Kehrseite. Ich bin mir aber sicher, dass die Zeit kommt, wo ich wieder Spaß daran habe, nächtelang durchzufeiern.

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