Christian Schwarzer
Christian Schwarzer

Christian Schwarzer

Handball / Weltmeister 2007, Silber Olympische Spiele 2004, Champions League Sieger 2000

Christian 'Blacky' Schwarzer wurde am 23.10.1969 in Braunschweig geboren. Der Handballer spielte in seiner erfolgreichen Karriere u.a. für den FC Barcelona und den TBV Lemgo. Von 1989 bis 2008 spielte er in der deutschen Handball Nationalmannschaft und war maßgeblich am Gewinn der Weltmeisterschaft 2007 beteiligt. 2009 beendete der Handballer des Jahres von 2001 seine aktive Laufbahn. Nun ist er in der Jugendarbeit des DHB tätig.

Interview mit Christian Schwarzer – Gibt es die Zugabe auf ein ordentliches Turnier?

Interview mit Christian Schwarzer – Gibt es die Zugabe auf ein ordentliches Turnier?

Handball-Weltmeister und netzathleten-Experte Christian Schwarzer im Interview. Sein Fazit zu den bisherigen WM-Auftritten der Deutschen Mannschaft und der Ausblick auf das Viertelfinale gegen Gastgeber Spanien.

netzathleten: Hallo Blacky, die Viertelfinals bei der Handball WM in Spanien stehen an. Wie fällt Dein bisheriges Turnierfazit aus?
Christian Schwarzer: Der Eindruck, den ich vor Ort in Barcelona und Granollers gewonnen habe, ist in Ordnung. Die Organisation läuft soweit. Dazu legt unsere Mannschaft bisher eine gute WM hin. Sie verteidigen engagiert, Torwart Heinevetter bringt gute Leistungen und sie schaffen es, die Tempogegenstöße erfolgreich abzuschließen. Solche leichten Tore helfen natürlich immer. Aber auch im Angriff hat sich die Auswahl von Spiel zu Spiel gesteigert, wurde vor allem im Spiel ohne Ball variabler.

netzathleten: Macht sich der neue Modus bei der WM bezahlt, ohne Hauptrunde auszukommen?
Christian Schwarzer: Es gibt auf jeden Fall kein taktieren mehr, das ist gut so. Früher gab es immer mal wieder Konstellationen in der Hauptrunde, in denen man sich überlegte, ob man ein Spiel unbedingt gewinnen will, um später eine bessere Ausgangsposition zu haben. Solche Überlegungen gibt es jetzt nicht mehr und deshalb gefällt mir der Modus auch.

netzathleten: Wie sehr hat Dich die deutsche Mannschaft mit ihrem bisherigen Auftreten überrascht?
Christian Schwarzer: Ich hatte im Vorfeld schon gesagt, dass alles drin ist, wenn man gut ins Turnier kommt und sich als Mannschaft findet. Das mag sich etwas komisch anhören, aber vielleicht ist es ganz gut, dass kein Glandorf, kein Kaufmann und kein Gensheimer dabei sind. So konnten sich neue Hierarchien und Strukturen in der Mannschaft bilden, die bis zum jetzigen Zeitpunkt offenbar funktionieren.

netzathleten: Hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung von Martin Heuberger etwas geändert, ist er inzwischen in seiner Rolle als Bundestrainer angekommen?
Christian Schwarzer: Ich denke, dass er auch vorher schon angekommen war. Nur macht sich seine Arbeit nun bezahlt. Vor allem die Arbeit mit den jüngeren Spielern, die er ja selbst über Jahre hinweg ausgebildet hat.

netzathleten: Dich als Jugendkoordinator beim DHB dürfte es freuen, dass dadurch einige jüngere Spieler beispielsweise aus Wetzlar bei der WM zum Einsatz kommen…
Christian Schwarzer: Das sind jetzt keine Jungs, die ich schon ausgebildet habe, insofern habe ich da keinen Anteil daran. Allerdings ist es in der Tat der Weg, den wir gehen müssen. Wir haben Talente, allerdings brauchen die auch die nötigen Einsatzzeiten im Verein. Da nimmt man als Bundestrainer eben einfach mal drei Spieler aus Wetzlar mit, weil die in der Bundesliga 60 Minuten auf dem Feld stehen. Zwar fehlt ihnen internationale Erfahrung, in der Bundesliga aber bringen sie die nötige Leistung.

netzathleten: Wie schnell kann so ein Lernprozess auf internationaler Ebene von Statten gehen? Macht er sich während eines Turnieres schon von Spiel zu Spiel bemerkbar?
Christian Schwarzer: Auf jeden Fall und das sieht man ja auch. Die Jungs, egal ob Kevin Schmidt oder Steffen Väth, rufen derzeit ihre beste Leistung ab und bringen sich optimal ein. Das wird von Spiel zu Spiel besser.

netzathleten: Der Sieg gegen Titelverteidiger Frankreich war bislang natürlich das herausragende Spiel der DHB-Auswahl. Wie ist dieser Sieg im Hinblick auf das gesamte Turnier zu bewerten, sind die Franzosen satt?
Christian Schwarzer: Ich finde diesen Sieg sollte man nicht überbewerten, auch wenn die Franzosen ganz sicher nicht verlieren wollten. Im Endeffekt ging es in diesem Spiel aber um nichts mehr, beide hatten das Achtelfinale bereits erreicht. Dennoch sollten die Deutschen das Selbstbewusstsein mitnehmen, das sie in diesem Spiel eingefahren haben. Das erste K.O.-Spiel gegen Mazedonien hat in mir den Eindruck geweckt, dass das auch gelungen ist.

netzathleten: Wagen wir einen Ausblick auf das anstehende Viertelfinale: Mit dem gewonnen Selbstbewusstsein, was ist jetzt gegen Spanien möglich? Und was kann der Schlüssel zum Sieg sein?
Christian Schwarzer: Der Viertelfinaleinzug ist nach den Ergebnissen der vergangenen Turniere und der verpassten Olympiaqualifikation schon eine ordentliche Leistung. Jetzt in einer ausverkauften Halle gegen den Gastgeber um das Halbfinale zu spielen, etwas Besseres kann einem doch eigentlich nicht passieren. Entscheidend wird sein, wer besser verteidigt. Da müssen wir die Spanier gewissermaßen mit ihren eigenen Waffen schlagen, dürfen sie nicht ihr Spiel aufziehen lassen. Wenn Heinevetter dann noch einen guten Tag hat und die Variabilität im Angriff weiterhin gegeben ist, ist alles drin. Wir haben ja auch nichts zu verlieren, die Spanier dagegen stehen in diesem Spiel unter Druck. Ich bin sogar geneigt zu sagen, dass man auf Seiten des DHB-Teams alle Trümpfe in der Hand hat. Alleine die Erfahrung, die das junge Team in diesem Spiel sammeln kann, ist unbezahlbar. Warten wir ab, wie die Mannschaft damit umgeht, aber alles was jetzt noch kommt, ist eine schöne Zugabe, für die bisherigen guten Leistungen der Mannschaft.

       Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen  Digg Button    


Kommentar schreiben

  • (erforderlich)
  • (erforderlich)
  • Captcha Image
  • Infos über neue Kommentare per E-Mail erhalten

 

Mehr aus Star Interviews

Viele kennen Glen Plakes Frisur besser als seine Fähigkeiten weiterlesen
Nach dem finanziellen Aus der Cologne 99ers im Jahr 2009 startet weiterlesen
Lukas Podolski ist nicht nur Fußball Weltmeister, sondern auch weiterlesen
Nach der WM ist vor der Liga. Im Interview mit den netzathleten weiterlesen
Einigen Sportlern ist ein normales Rennen nicht mehr genug. Daher weiterlesen