munkhbayar dorjsuren
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Sportschiessen / Bronze-Medaille bei Olympia 2008

Munkhbayar ist am 9.7.1969 in der Mongolei geboren. Seit 2000 tritt sie in Wettkämpfen für Deutschland an. Sie schießt mit der Luft- bzw. der Sportpistole. Im Jahr 2008 gewann sie als erste Deutsche eine Medaille in ihrer Disziplin. Heute lebt die gebürtige Mongolin in München.

"Die Bundeswehr hat mich sehr unterstützt."

: "Die Bundeswehr hat mich sehr unterstützt."

Munkbayar Dorjsuren ist die erste Olympia-Medaillen-Gewinnerin, die für den Deutschen Kader mit der Sportpistole gewonnen hat. Die gebürtige Mongolin hat eine lange Reise hinter sich, bis sie in Deutschland endlich eine neue Heimat gefunden hat. Im Interview mit den netzathleten spricht sie über den Schützensport, ihrer Ex-Heimat und über ihren Beruf als Sportsoldatin.

Netzathleten: Munkhbayar, Du bist seit 1990 als Sportschützin erfolgreich. Was ist das Geheimnis Deines Erfolges?
Munkhbayar: Um im Sport erfolgreich zu sein, braucht man Zielstrebigkeit, Ausdauer und vor allem Motivation.

"Konzentration ist das A und O."

Netzathleten: Als Schütze muss man auf den Punkt hochkonzentriert sein. Was machst Du vor den Wettkämpfen für Deine Konzentration?
Munkhbayar: Konzentration ist im Schießsport in der Tat wichtig. Ich suche mir meist einen ruhigen Platz und versuche meine Gedanken zu sammeln.

Netzathleten: Wie können wir uns das vorstellen? Meditierst Du, hast Du eine besondere Atemtechnik oder machst Du autogenes Training?
Munkhbayar: Ich glaube, man kann das als meditieren bezeichnen. Man darf es aber nicht so verstehen, dass ich mir die Zielscheibe vorstelle oder Ähnliches. Ich versuche einfach nur zur Ruhe zu kommen.

Netzathleten: Was ist Dein erster Gedanke, bevor Du Deinen ersten Schuss im Wettkampf abgibst?
Munkhbayar: Ich sage mir immer wieder, dass ich das schaffe, denn ich habe gut trainiert und bin fit.

"Möglichst wenig Fehler machen.
"

Netzathleten: Sagst Du Dir das auch im Falle, dass Du nicht fit bist? Wie motivierst Du Dich dann?
Munkhbayar: Oh nein, dann natürlich nicht. In dem Fall ist das Einzige, worauf man sich verlassen kann, die Technik. Ich versuche von Anfang an eine saubere Schießtechnik zu haben und möglichst wenige Fehler zu machen.

Netzathleten: Was wären denn mögliche Ursachen dafür, dass Du mal nichts triffst?
Munkhbayar: Es kann an der Technik, der Ausrüstung oder auch an taktischen Fehlern im Wettkampf liegen. Wenn ich mental nicht gut drauf bin, hat das natürlich auch Folgen für die Leistung.

Netzathleten: Du kommst ursprünglich aus der Mongolei und bist im Jahre 2002 deutsche Staatsbürgerin geworden. Wie kam es dazu? Gibt es einen Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney?
Munkhbayar: Zwischen der Staatsbürgerschaft und den Olympischen Spielen 2000 gibt es eigentlich keinen Zusammenhang. Nach Sydney entschied ich mich, für Deutschland anzutreten. Da es in Deutschland zu diesem Zeitpunkt keine bessere Pistolenschützin gab, war man an mir interessiert. Und da ich schon seit 1995 in Deutschland lebe, hatte ich ebenfalls Interesse daran, für Deutschland zu starten.

"Ich wollte Deutschland nicht enttäuschen."

Netzathleten: Du warst also schon 5 Jahre in Deutschland und bist in Sydney trotzdem für die Mongolei an den Start gegangen. Ist man da nicht gefühlsmäßig ein bisschen hin und her gerissen?
Munkhbayar: Der Wechsel der Nationalität war für mich als solches kein Thema und sollte mich als Sportlerin auch nicht beeinflussen. Sobald ich an den Schießstand trete, versuche mich nur auf meine Leistung zu konzentrieren und andere Dinge auszuschalten. Aber immer gelang mir das auch nicht. In Sydney bin ich mit den falschen Gedanken an den Start gegangen. Obwohl ich damals schon ganz sicher wusste, dass Deutschland mich nehmen würde, gleich welche Leistung ich erbringen würde, war ich geistig nicht ganz bei der Sache. Ich wollte mir und auch Deutschland beweisen, dass ich sie nicht enttäuschen würde. Aber ich hatte zu hohe Erwartungen und manchmal auch eine irreelle Vorstellung, wodurch ich auch sehr verkrampft an den Start ging.

Netzathleten: Du erhieltst in diesem Jahr den Mongolischen Verdienstorden der Arbeit vom mongolischen Präsidenten persönlich. Hat Dich diese Auszeichnung überrascht und ist dies eine besondere Anerkennung für Deine Leistungen?
Munkhbayar: Natürlich war ich überrascht und auch stolz darauf, eine Mongolin zu sein. Ich fühle mich sehr geehrt.

Netzathleten: Verdienstorden der Arbeit, für welche Leistungen genau hast Du denn den Orden erhalten?

Munkhbayar: Ich erhielt ihn für eine besondere sportliche Leistung, denn ich bin die einzige Mongolin, die zwei olympische Medaillen erworben hat. Das wurde mir in der Mongolei sehr hoch angerechnet.

"Ich würde niemals in die Politik gehen."

Netzathleten: Mittlerweile befindest Du Dich in einer Position, in der Du Dich zum Beispiel diplomatisch für die Mongolei einsetzen könntest. Ist man deswegen schon an Dich herangetreten oder engagierst Du Dich für politische, diplomatische oder karitative Zwecke?
Munkhbayar: Also politisches Wirken können wir gleich mal abhaken. Ich bin von der Politik im Allgemeinen nicht gerade überzeugt und würde mich da niemals einmischen wollen. Was mir aber sehr am Herzen liegt, ist der Nachwuchs im Sport. In der Mongolei sind Trainings- und Teilnahmebedingungen an Wettkämpfen nicht optimal. Bisher habe ich mich aufgrund meiner Karriere nicht viel für dieses Thema engagieren können. Aber jetzt möchte ich das sehr gerne intensivieren.

Netzathleten: Schwebt Dir schon etwas Besonderes vor?

Munkhbayar: Noch nicht so richtig. Ich bin erst bei den ersten Schritten. Natürlich habe ich schon Gespräche mit der Mongolei geführt. Aber dort ist mit der Entscheidungsfindung etwas schwierig. Es waren vor kurzem noch Wahlen dort und es ist jetzt ein neuer Präsident im Amt. Es wird also eine Zeit dauern, bis ich konkret weiß, wie ich weiter vorgehen kann. Ich würde je nachdem einer Hilfsorganisation beitreten oder vielleicht auch selbst eine Stiftung gründen.

"Meisterin auf zwei Kontinenten, mal sehen!"

Netzathleten: Du warst bereits Asienmeisterin. Wenn Du bei der anstehenden EM gewinnst, würdest Du als einzige Sportlerin einen Europameister- und einen Asienmeistertitel besitzen. Ist Dir das überhaupt bewusst?
Munkhbayar: Ja, klar hab ich auch schon diesen Gedanken gehabt. Das wäre etwas, was nicht gerade alltäglich wäre. Mal sehen, ob ich die Goldmedaille bei der kommenden EM holen kann.

Netzathleten: Du hast bei den Olympischen Spielen 2008 die Bronzemedaille mit der Sportpistole geholt. Was für ein Gefühl ist das, als erste Pistolenschützin eine Olympia-Medaille für Deutschland zu holen?
Munkhbayar: Es war eine große Erleichterung, die Erwartungen von mir und anderen erfüllt zu haben.

Netzathleten: Wer waren denn die „anderen“, und wie groß war für Dich der Druck?

Munkhbayar: Mit den anderen meine ich vor allem die vielen Funktionäre, die mir die Teilnahme ermöglicht hatten. Ich habe die Situation auch nicht als Druck empfunden. Mir war es vielmehr wichtig, mein Bestes zu geben und diesen ganzen Menschen für all ihre Mühen eine Gegenleistung zu erbringen und so meine Dankbarkeit auszudrücken.

Netzathleten: Wenn Du Deine Sportkarriere noch mal von ganz vorne beginnen dürftest, was würdest Du ändern? Würdest Du wieder den Schützensport wählen?
Munkbayar: Ich würde nicht wieder von vorne anfangen wollen. Ich bin zufrieden mit mir und meinen Leistungen.

"Ich bin wunschlos glücklich."

Netzathleten: Klingt wie eine sehr zufriedene Munkhbayar. Hast Du wirklich keinen einzigen Wunsch?
Munkhbayar: Wirklich keinen Wunsch! Ich bin ein Mensch, der immer nach vorne sieht. Ich mache mir keinen Kopf um Vergangenes.

Netzathleten: Was wünschst Du Dir für die Zukunft?
Munkhbayar: Gesundheit. Wenn man gesund ist, kommt alles andere von selbst.

Netzathleten: Du bist Bundeswehrsoldatin und wurdest kürzlich auch von Verteidigungsminister Jung und vom Bundespräsident Köhler geehrt. Wie kamst Du zu dieser Berufung?
Munkbayar: Um bei den Olympischen Spielen in Peking erfolgreich zu sein, hat mir die Bundeswehr ermöglicht, meinen Sport auszuüben. Dabei hat mich der Deutsche Schützenbund unterstützt.

"Ich wollte nicht immer Soldatin werden."

Netzathleten: War es dann also ein Deal mit der Bundeswehr oder bist Du aus Überzeugung der Bundeswehr beigetreten?
Munkhbayar: Also es war nicht so, dass ich schon immer Soldatin werden wollte und aus diesem Grund der Bundeswehr beigetreten bin. In Deutschland kann ein Sportler, sofern er durch Sponsoren ausreichend unterstützt wird, als Zivilist seinen Sport ausüben. Man kann aber auch die Unterstützung der Bundeswehr suchen. Dann ist es hier in Deutschland erforderlich, dass man der Form halber einige Militärlehrgänge absolviert. Man darf sich aber den Sportsoldaten nicht als Militärsoldaten vorstellen. Er ist ein Zwischending zwischen einem zivilen Sportler und einem richtigen Bundeswehrsoldaten mit einer militärischen Ausbildung.

Netzathleten: Du bist neben Deiner Schützenkarriere und Deinem Job als Soldatin auch noch Sportlehrerin und Fitnesskauffrau – was ist denn Dein Hauptberuf?
Munkhbayar: Momentan bin ich Soldatin.

 

Netzathleten: Viele Sportler lassen sich von der Bundeswehr unterstützen und werden auch Sportsoldat. Kann man sich dann noch beispielsweise für den Frieden einsetzen? Ist da nicht ein Widerspruch?
Munkhbayar: Nein, den Widerspruch sehe ich nicht, weil es hier in Deutschland keine andere Möglichkeit der staatlichen Unterstützung gibt. In der Mongolei beispielsweise gibt es ein Sportkomitee. Der Staat stellt ihm ein bestimmtes Budget zu Verfügung, und dann werden die Sportlergehälter aus diesen Mitteln bezahlt. Die Sportler können sich dadurch entscheiden, ob sie zivil bleiben oder zum Militär gehen möchten. Wenn sie sich fürs Militär entscheiden, erhalten sie je nach erbrachten Leistungen einen bestimmten Rang, nach dem sie bezahlt werden. Aber auch als Sportsoldat in der Mongolei ist man nicht verpflichtet, militärische Lehrgänge zu absolvieren.

Netzathleten: Was sind Deine nächsten Schritte auf der Karriereleiter?
Munkhbayar: Ich möchte gern als Sport- und Fitnesskauffrau arbeiten und bei den Olympischen Spielen 2012 in London erfolgreich abschließen.

Netzathleten: Was wäre denn ein erfolgreicher Abschluss? Was hast du dir zum Ziel gesetzt?
Munkhbayar: Also mit einer Goldmedaille wäre ich auf jeden Fall auf den Höhepunkt meiner Karriere angekommen!

Netzathleten: Wir wünschen Dir auf Deinem weiteren Weg alles Gute. Wir hoffen, dass Dein Traum von Gold in Erfüllung geht!
Munkhbayar: Ich danke auch Euch. Ich habe gern Eure Fragen beantwortet und werde dies natürlich auch in Zukunft immer wieder gerne tun. Ich möchte Euch an dieser Stelle auch loben. Die netzathleten sind eine tolle Community, um sich mit anderen Sportlern zu unterhalten und sich auch über verschiedene Sportarten zu informieren.
Die Goldmedaille geht an die Netzathleten!
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Es gibt 5 Kommentare

Albrecht A. schrieb am 04.05.09 um 16:01
Albrecht A.
wirklich 10?? dann wurde diese Möglichkeit in den letzten jahren aber nicht gerade voll ausgeschöpft, sind doch derzeit auch nicht 10 Sportsoldaten bei den Kanuten, wenn ich da richtig informiert bin..

und kann man sich da einfach bewerben oder gibt es richtige auflagen, eignungstests etc. die man erfüllen muss bzw. kannst du mir sagen, wo man sich darüber informieren kann?
Stefan P. schrieb am 27.04.09 um 09:48
Stefan P.
es gibt glaube ich pro Jahr 10 Plätze für die Slalom-Kanuten, manchmal sind das zu viele (aus sicht der Trainer) und manchmal zu wenig.
Albrecht A. schrieb am 26.04.09 um 21:30
Albrecht A.
Frage an Stefan: Wie hoch stehen eigentlich die Chancen bei den Kanuten einen Platz in der Sportfördergruppe zu ergattern? Wie viele Plätze stehen denn überhaupt jährlich zur Verfügung oder unterliegt das ganze Schwankungen?
Stefan P. schrieb am 23.04.09 um 20:12
Stefan P.
die Bundeswehr Sportfördergruppe ist auch bei den Kanuten ein großer Unterstüzter... habe es immerhin auch bis zum... glaube ich... Oberstabsgefreiten geschafft ;)
Roland K. schrieb am 23.04.09 um 12:31
Roland K.
Vielen Dank an "netzathleten" für dieses Interview!

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