Wer hat’s erfunden? Nordic Walking

Wer hat’s erfunden? Nordic Walking

Rund 3 Millionen Nordic Walker gibt es in Deutschland. Die wenigsten wissen jedoch, wer diese Trendsportart der 2000er Jahre „erfunden“ hat. Die netzathleten gehen dieser Frage nach.

Die Entstehung einzelner Sportarten im Nachhinein zu rekonstruieren, gestaltet sich häufig als schwierig. Nehmen wir den Fußball: Mittlerweile weiß man, dass bereits vor über 3.000 Jahren in China ein Spiel gespielt wurde, das man mit etwas Wohlwollen als Vorläufer des Fußballs bezeichnen könnte. Doch wer kann schon mit Sicherheit sagen, dass nicht möglicherweise in einer anderen Kultur viel früher gegen runde Gegenstände getreten wurde?

Beim Nordic Walking lässt sich das Ganze zum Glück etwas leichter datieren – was nichts daran ändert, dass die Entstehung dieser Sportart ein wenig kurios ist.

1996: Geburt des Nordic Walking


Wie so oft, stand der Zufall Pate bei einem simplen und zugleich genialen Einfall. Im Jahr 1996 begab sich der finnische Sportstudent Marko Kantaneva auf die Suche nach einem Thema für seine Diplomarbeit. Aus einer Langlaufnation stammend, kam er schließlich auf die Idee, das Sommertraining der Skilangläufer etwas massenkompatibler zu gestalten. Diese hatten – bevor sich das Training auf Rollerblades für die schneefreie Zeit etablieren konnte – häufig Waldläufe mit ihren Skistöcken gemacht. Auf diese Weise wurden nicht nur die Beinmuskeln, sondern auch die beim Skilanglauf so wichtigen Oberarm- und Schultermuskeln mittrainiert.

Student trifft Skistockhersteller


Kantaneva ließ sich nun alternative Bewegungsformen mit den Skistöcken einfallen. Diese provozierten zuerst das Kopfschütteln seiner Nachbarn, erregten aber schließlich auch das Interesse des finnischen Freizeitverbandes. Für ein Honorar von umgerechnet 170 Euro fasste der Sportstudent seine Ideen für die Verbandszeitung in einem Artikel zusammen. Um den Beitrag komplett zu machen, fehlte nur noch ein Foto. Der finnische Skistockhersteller Exel erklärte sich schließlich bereit, zwei seiner Stöcke für das Shooting zur Verfügung zu stellen.



Nach dem Termin plauderten Kantaneva und der Exel-Firmenvertreter Taisto Manninen noch ein wenig. Manninen beklagte den geringen Umsatz seiner Firma zwischen April und Oktober. So kamen beide im Verlauf des Gesprächs schließlich auf die Idee, die Winterstöcke einfach ein wenig zu modifizieren (stumpfere Spitze, kleinerer Stockteller, an die Körpergröße angepasste Länge). Nur an einem griffigen Namen mangelte es lange, ehe man sich schließlich, kurz vor der Präsentation auf einer Fachmesse im Jahre 1997 auf „Nordic Walking“ einigen konnte.

Der Rest ist schnell erzählt: Die Stöcke – und damit die neue Sportart – gewannen den Messepreis, erhielten auf eine Schlag jede Menge Medienpräsenz, wurden professionell vermarktet und auf diese Weise zu einem Verkaufsschlager. Von Finnland aus eroberte Nordic Walking in den Folgejahren den Kontinent. Kantaneva arbeitete nach seinem Studium mehrere Jahre für Exel, gründete jedoch 2004 die Stockfirma Poleabout. Und mittlerweile wird niemand mehr komisch angeschaut, wenn er im Sommer mit zwei Stöcken unterwegs ist.

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Es gibt 3 Kommentare

M. Stülpnagel schrieb am 19.08.14 um 21:36
...ich war schon in Norwegen, Schweden, Finnland und Island, aber nicht einen "Nordic Walker" habe ich dort gesehen...
Ludwig A. schrieb am 19.10.12 um 11:07
Ludwig A.
Die Technik darum herum ist allerdings zwei Jahrzehnte älter: das amerikanische Pole-Walking haben wir seit den 1980ern mit Teleskop-Trekkingstöcken gemacht, und da war auch schon der kleinere Stockteller dran. Wir haben uns immer erzählt, daß dieser Sport schon in den 1950ern von Finland nach Nordamerika gekommen war. Zur Jahrtausendwende habe ich diesen Deppensteckensport an den Nagel gehängt, weil ich in kleine Bodenunebenheiten plumpsend immer Stiche in der LWS gespürt habe und als chronischer Schaden Kniegelenks- und Ellenbogenschmerzen zu beklagen waren. Ich hatte mich auf hügeligen Trails wirklich auf die Stöcke verlassen, und das ist halt ein großer Fehler, wie mir immer wieder auch Nordic Walking Instruktoren bestätigten: nur als Zierde für Menschen ohne eigenem Rhythmusgefühl ist dieses faschistische Spielchen gedacht. Die finnischen Nordischen Skifahrer, die das in den 1950ern mit ihrem Sommertraining unter die Leute brachten, waren ja die Kinder der wahren Erfinder, der finnischen Faschisten im Krieg.
Sven Bretschneider schrieb am 25.02.10 um 22:14
Sven Bretschneider
Sorry,aber schmunzeln muß ich trotzdem drüber

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