„Sicheres Stadionerlebnis“ von DFL verabschiedet – Wie geht es weiter?

„Sicheres Stadionerlebnis“ von DFL verabschiedet – Wie geht es weiter?

Die Vollversammlung der deutschen Fußball Liga (DFL) hat das Sicherheitskonzept „Sicheres Stadionerlebnis“ gestern in Frankfurt am Main verabschiedet. Die 36 Erst- und Zweitligavereine einigten sich auf das umstrittene Paket. Die Fan-Initiative „12:12 – Ohne Stimme keine Stimmung“ ist damit gescheitert.

Mit großer Zuversicht, so heißt es, sei das Paket von den Lizenzvereinen aufgenommen worden. „Dass die deutliche Mehrheit für das Sicherheitskonzept gestimmt hat, ist ein wichtiges Zeichen für den gesamten Fußball und die überwältigende Mehrheit der friedlichen Fans in Deutschland“, erklärte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.



Das 16-Punkte umfassende Konzept wird nun dem DFB zur nächsten Sitzung am 25. Januar 2013 vorgelegt. Sollten es dann abgesegnet werden, treten die neuen Sicherheitsrechtlinien wie geplant zur Saison 2013/2014 in Kraft. Ligapräsident Reinhard Rauball war zufrieden mit dem Ergebnis: „Ich glaube, dass unter dem Strich der professionelle Fußball als Gewinner aus der Veranstaltung hervorgeht.“

Politik und Polizei haben ebenfalls erleichtert auf das deutliche Ergebnis reagiert. Zuletzt hatten einzelne Politiker von gänzlichen Stehplatzverboten und regelmäßigen Geisterspielen gesprochen, sollte das Konzept an der Abstimmung scheitern. Außerdem sollten die Vereine für den finanziellen Aufwand der Sicherheitskräfte aufkommen.

Was machen die Fans?

Neben der Erleichterung der DFL-Funktionäre bleibt jedoch weiterhin ungewiss, wie die Fanszenen auf die Entscheidung reagieren werden. An den vergangenen drei Spieltagen wurde in allen deutschen Erst- und Zweitliga-Stadien mit einem Stimmungsboykott gegen die Inhalte des Konzeptes demonstriert. In Anlehnung an das Abstimmungs-Datum schwiegen die Fans die ersten zwölf Minuten und zwölf Sekunden.

Nachdem zu Beginn selbst die Vereine einige Formulierungen des Konzeptes kritisiert hatten – die schriftlichen Ausführungen ließen zu viel Platz zur Auslegung und Interpretation, weshalb vor allem die Fans einen kompletten Ausschluss aus den Stadien fürchteten- stimmten sie gestern dann einem an entsprechenden Stellen entschärften Papier zu.

„Wichtig ist nun, dass alle Vereine die beschlossenen Maßnahmen konsequent und im Dialog mit ihren Fans umsetzten“, betonte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock. Aus den Reihen der Vereine hieß es nach der Sitzung, dass in der Vergangenheit Fehler bei der Kommunikation mit den Fans gemacht wurden. Das habe zu beidseitigen Missverständnissen geführt.

„Wir können allen Fans versichern, dass die Fankultur nicht gefährdet wird“, betonte Rainer Rauball deshalb. Die Fanvertreter fühlen sich indes bei den Diskussionen umgangen und kündigten weitere Proteste an.

Wie die Reaktion der Fans auf die Verabschiedung des Konzepts genau aussehen wird, bleibt bis zum anstehenden Spieltag am Wochenende ungewiss. Genau, wie Einzelheiten der Einigung, der genaue Inhalt des Konzeptes und die letztendlichen Konsequenzen für den deutschen Fußball. 


 

Weitere Stimmen aus den beiden Lagern:

Fancultur.com: „Die Maya haben den Weltuntergang auf den 21.12.2012 definiert. Offenbar lagen sie ein wenig falsch in dem, was da untergehen wird. Auch einen kleinen Zahlendreher hatten sie drin. Denn am 12.12.2012 geht ein großes Kapitel der deutschen Fußballkultur unter.“

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München: „Wir haben uns von den Fans nicht entfernt, es scheint nur in der Kommunikation etwas schiefgelaufen zu sein.“

Philipp Markhardt, Sprecher der Organisation „Pro Fans“ und der Aktion „12:12 – Ohne Stimme keine Stimmung“: „Das Ergebnis ist sehr unschön. Ich gehe davon aus, dass es neue Proteste geben wird. Neue Stimmungsboykotte oder andere Aktionen könnten sich bis in den März hineinziehen. Auch der Boykott eines kompletten Spieltags ist eine Option. Entweder sucht man den Dialog von Anfang an, oder man lässt es gleich bleiben. Allerdings werden wir uns nicht von Herrn Rauball ein Sicherheitspapier vor die Nase setzen lassen, dass wir dann auch noch umsetzen sollen."

Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft: "Es war höchste Zeit, dass der zunehmenden Gewalt in und um deutsche Fußball-Stadien mit konkreten Maßnahmen begegnet wird. Strengere Einlasskontrollen, verstärkte Videoüberwachung und Sanktionsmöglichkeiten können dafür sorgen, Gewalt gar nicht erst aufkommen zu lassen. Es hängt nun vom Verhalten der Fans ab, ob es tatsächlich zu schärferen Sicherheitsmaßnahmen kommt."

Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund: "Es gibt keine Sieger und Verlierer. Mit diesem Kompromiss können sich die meisten arrangieren. Nur diejenigen, die auf Gewalt und Pyrotechnik aus sind, werden damit nicht zufrieden sein."

Alex Schulz, Fanvereinigung "Pro Fans": "Die Frustration ist bei vielen Fans groß. Die Gefahr ist groß, dass jetzt Probleme auftreten, die es vorher nicht gab. Wir können unsere Gruppen nur aufrufen, weiter am Dialog zu arbeiten."

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