Rückblick auf die Bundesligasaison 2009/10 - Teil1
Von den noch ausstehenden Relegationsspielen einmal abgesehen, ist die Bundesliga-Saison 2009/10 mittlerweile Geschichte. Die netzathleten blicken auf ein turbulentes Jahr zurück und bewerten das Abschneiden der Clubs. Den Anfang machen die Vereine auf den Plätzen 7 bis 18.
Hamburger SV: Platz 7, 52 Punkte, 56:41 Tore
Der Hamburger SV und Bayer Leverkusen unterhalten KEINE Fanfreundschaft. Vielleicht sollten beide Seiten das noch einmal überdenken. Denn was das Gefühlsleben angeht, machen ihre Fangruppen seit Jahren Ähnliches durch: Zuverlässig erspielt man sich eine gute Ausgangsposition in allen Wettbewerben, doch genauso zuverlässig weiß man sein gutes Blatt nicht auszuspielen. Dass dies allein am gemeinsamen Ex-Trainer Bruno Labbadia festzumachen ist, wäre wohl zu einfach. Dafür wiederholt sich dieses Szenario einfach schon zu lange.
Auch in der abgelaufenen Saison ist sich der HSV in dieser Hinsicht treu geblieben. Elf Hinrundenspieltage lang standen die Hanseaten auf einem der ersten drei Plätze. Dann verstärke man sich im Winter mit dem (gealterten) Weltstar Ruud van Nistelrooy, hatte das Europa League-Finale im eigenen Stadion vor Augen – und steht am Ende mit völlig leeren Händen da. Platz sieben in der Liga, Halbfinal-Aus in der Europa League. Trotz enormer Möglichkeiten wartet der HSV nun schon seit 1987 auf einen Titel (damals gewannen die „Rothosen“ den DFB-Pokal). Damals gab es noch zwei Deutschlands, Helmut Kohl war Bundeskanzler und Deutscher Meister war… na wer schon?
VfL Wolfsburg: Platz 8, 50 Punkte, 64:58 Tore
Als Armin Veh im vergangenen Sommer den Überraschungsmeister von Felix Magath übernommen hatte, waren die Ziele klar: Der VfL will und muss sich in der Spitzengruppe der Bundesliga etablieren. Um diesem Vorhaben gerecht zu werden, hatte Veh nicht nur einen exzellent besetzten Kader geerbt (Edin Dzeko, Grafite oder Zvjezdan Misimovic), sondern auch einen völlig aufgeblähten; Magath hat seinem Nachfolger die Hypothek hinterlassen, fast 40 Spieler trainieren zu müssen.
Veh ist es letztlich zwar gelungen, den Kader entscheidend zu verkleinern, ebenso wie er die Offensiv-Maschine weitgehend am Laufen hielt. Doch die VfL-Abwehr um Weltmeister Andrea Barzagli war so löchrig, dass Manager Dieter Hoeneß bereits zu Beginn der Rückrunde die Reißleine zog: Veh wurde entlassen, Amateur-Coach Lorenz Günther Köstner als Lösung bis zum Saisonende installiert. Der brachte die Mannschaft zwar wieder halbwegs auf Kurs, kam jedoch auch nicht über Platz acht hinaus. Dafür will man im nächsten Jahr mit neuem Trainer aber vermutlich ohne Superstar Dzeko wieder angreifen.
FSV Mainz 05: Platz 9, 47 Punkte, 36:42 Tore
16 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, 47 Punkte insgesamt, Platz neun am Saisonende; das ist die beeindruckende und durchaus überraschende Bilanz des Aufsteigers aus Mainz. Viele – der Autor dieses Artikels eingeschlossen – hatten die 05er nach dem Abgang von Trainer Jürgen Klopp im Sommer 2008 schon als ewigen Zweitligisten gesehen. Und nun spielte der Club um Jung-Trainer Thomas Tuchel (36), der noch vor dem ersten Spieltag Aufstiegscoach Jörn Andersen beerbte, die beste Saison der Vereinsgeschichte.
Diese Bilanz – u.a. fünftbeste Heimmannschaft, nur zwei Niederlagen am Bruchweg – in der kommenden Saison zu wiederholen, wird schwer. Doch es wäre nicht das erste Mal, dass Mainz positiv überrascht.
Eintracht Frankfurt: Platz 10, 46 Punkte, 47:54 Tore
Hätte man als Eintracht-Fan im vergangenen Jahr kein einziges Mal auf die Tabelle geschaut und sein Wissen über die Frankfurter nur aus Interviews von Trainer Michael Skibbe und Vorstand Heribert Bruchhagen bezogen, hätte man glauben können, dass die Eintracht bereits im Winter abgestiegen ist. Zu häufig kritisierte Skibbe die Einkaufspolitik und bemängelte die Qualität seines Kaders.
Doch am Ende stand mit 46 Punkten die beste Ausbeute seit dem Wiederaufstieg 2005 zu Buche. Nicht auszudenken, was drin gewesen wäre, wenn die einstige „Diva von Main“ in den letzten fünf Saisonspielen nicht schon einen Gang rausgenommen hätte.
TSG 1899 Hoffenheim: Platz 11, 42 Punkte, 44:42 Tore
Nicht wenige Experten haben die TSG vor der Saison für einen ernsthaften Europapokal-Anwärter gehalten. Das Team, das in der Hinrunde der Saison 2008/09 die Liga in Grund und Boden gespielt hatte, sollte sich nach der ernüchternden Rückrunde gefangen haben, so die verbreitete Meinung. Außerdem wurde das Team auf einigen Positionen verstärkt, u.a. durch den erfahrenen Innenverteidiger Joe Simunic.
Doch am Ende des zweiten Bundesliga-Jahres stand bei den Kraichgauern bloß die pure Ernüchterung: Kein Spieler konnte an seine Leistung aus dem ersten Bundesligahalbjahr anknüpfen, die Mannschaft gilt als inhomogen, und auch das Verhältnis von Trainer Ralf Rangnick und Manager (mittlerweile Ex-Manager) Jan Schindelmeiser soll am Ende alles andere als gut gewesen sein.
In den Geschichtsbüchern der Bundesliga wird nun für immer zu lesen sein: 42 Punkte, 11 Siege, 14 Niederlagen, Platz 11. Willkommen im Mittelmaß.
Borussia Mönchengladbach: Platz 12, 39 Punkte, 43:60 Tore
Borussia Mönchengladbach ist zwar gemeinsam mit Tabellennachbar Hoffenheim in die erste Liga aufgestiegen; doch im Gegensatz zu den Kraichgauern stellt der erreichte Mittelfeldplatz alles andere als eine Enttäuschung dar. Im Gegenteil: Nachdem sich die Elf vom Niederrhein vor Jahresfrist erst in letzter Minute retten konnte, bestand in dieser Saison zu keiner Zeit akute Abstiegsgefahr. Die Borussia ist – vor allem dank ihrer Heimstärke – auf dem Weg, sich wieder in der Bundesliga zu etablieren.
1.FC Köln: Platz 13, 38 Punkte, 33:42 Tore
Kaum ein Verein hat einen so großen Unterhaltungswert wie der 1. FC Köln – sofern man darauf verzichtet, sich seine Spiele anzuschauen: Daum-Abgangshysterie, Poldi-Willkommenshysterie, Novakovic-Dauerknatsch, Stinkefinger-Maniche und die stets schwankenden Leistungen sind nur ein paar Belege dafür, dass rund um das Geißbockheim immer etwas los war.
Dabei hätte diese Spielzeit den Kölnern beinahe sogar noch etwas "Zählbares" beschert: Hätte der Nürnberger Andreas Ottl in der 88. Minute des letzten Bundesligaspieltages nicht gegen den FC zum 1:0 getroffen, hätten die Kölner mit acht 0:0-Spielen einen neuen Bundesliga-Rekord aufgestellt.
Paradox: Dieser Verein, dessen Anhängerschaft nur zwei Stimmungslagen kennt (Europapokal oder Zweitklassigkeit), hat am Ende ein Ergebnis erzielt, das irgendwo dazwischen liegt, und das nach Kölner Sichtweise und Mundart "weder Fich noch Fleich" sein kann: 38 Punkte, 33:42 Tore, Platz 13.
Damit wurden einige Saisonziele (40 Punkte plus x, besserer Fußball, positive Heimbilanz, in der Tabelle vor Mönchengladbach) zwar verfehlt, das eigentliche Saisonziel wurde jedoch erreicht: Bayer Leverkusen ist NICHT Deutscher Meister geworden. Immerhin.
SC Freiburg: Platz 14, 35 Punkte, 35:59 Tore
Der Zweitligameister der vergangenen Saison hat lange Zeit agiert, wie man es von ihm gewohnt ist: Freiburg spielt gefällig nach vorne, erspielt sich relativ viele Torchancen, nutzt aber kaum welche. Dementsprechend haben es sich die Freiburger seit Mitte der Hinrunde im unteren Tabellendrittel gemütlich gemacht. Gegen Ende der Saison sahen sie dann fast schon wie ein sicherer Absteiger aus.
Doch ein Lauf von 10 Punkten aus den letzten vier Spielen bescherte den Breisgauern eine weitere Saison in der höchsten Spielklasse. Fast schon traditionell wird die No Name-Truppe von Trainer Robin Dutt schon jetzt wieder als Abstiegsanwärter für die kommende Saison gehandelt. Es gibt durchaus unangenehmere Positionen als die des unterschätzten Underdogs.
Hannover 96: Platz 15, 33 Punkte, 43:67 Tore
Ohne zu viel Pathos in die folgenden Sätze hineinlegen zu wollen, so lässt sich die Saison von Hannover 96 doch kurz und knapp zweiteilen: in die Zeit vor und die Zeit nach dem Tod von Robert Enke. Der Selbstmord des depressionskranken Kapitäns und Nationaltorhüters hat die gesamte Mannschaft ab dem Spätherbst gelähmt – und ihr möglicherweise an den letzten Spieltagen doch die Kraft gegeben, sich noch einmal aus der Abstiegszone zu befreien.
Spielen wie dem 1:4 zu Hause gegen Köln oder dem 0:7 bei Bayern München, nach denen der Gang in die zweite Liga schon besiegelt schien, stehen Willensleistungen gegenüber wie das 4:2 gegen Schalke, das 6:1 gegen Mönchengladbach oder das 3:0 in Bochum an den letzten Spieltagen. Nach dem Ende dieser wechselhaftesten Saison der Vereinsgeschichte wird es sicherlich einiges neu zu sortieren geben.
- Stichwörter:
- 2009/2010,
- Bundesliga,
- Fußball,
- Rückblick,
- Saison
Es gibt 5 Kommentare
| Guilherme schrieb am 27.02.12 um 02:09 |
| scjxmzhhv schrieb am 24.01.12 um 10:35 |
| cymmoefljmw schrieb am 22.01.12 um 13:37 |
| zexevjzzrj schrieb am 22.01.12 um 10:05 |
| Eddi schrieb am 21.01.12 um 09:14 |













