Hinter den Kulissen – So funktioniert die Pistenpräparierung

Hinter den Kulissen – So funktioniert die Pistenpräparierung

Mit sehr viel Aufwand werden in Skigebieten jede Nacht die Pisten wieder fahrbereit gemacht. Wie viel Arbeit, Organisation und kosten dahinter stecken, weiß aber kaum jemand. Netzathleten.de hat nachgefragt.

Es gibt nichts Schöneres, als über eine schöne, griffige, flache Piste zu fahren. Leider gibt es viel zu viele Wintersportler auf der Piste, sodass später am Tag die Piste gar nicht mehr so flach ist. Je später es wird, desto mehr muss man zwischen Eisplatten und Schneehügeln Slalom fahren, was gerade für Anfänger schwierig ist. Zum Glück gibt es die fleißigen Helfer der Liftbetriebe, die in jeder Nacht die Pisten wieder auf Fordermann bringen.

Alleine im Skigebiet Serfaus sind 28 Fahrer in der Saison damit beschäftigt, die Pisten wieder auf den Tagesbetrieb vorzubereiten. Noch einmal drei kümmern sich in der Werkstatt ausschließlich um die Einsatzfahrzeuge. Die gleiche Anzahl an Angestellten kommt noch einmal in den Partnergebieten Fiss und Ladis dazu. Und jeder Fahrer hat seinen eigenen Pistenbulli, in Serfaus sind es insgesamt 36.

Hier kommen auf die Skigebietbetreiber auch hohe Kosten zu. Neben den normalen Pistenraupen, die pro Stück rund 300.000 Euro kosten, braucht man auch noch Pistenbullis mit eingebauter Winde, mit denen die steilen Pistenabschnitte planiert werden. „Ein normaler Pistenbulli schafft Steigungen bis zu 55 Prozent“, erklärt Alfred Stadelwieser, der Pistenchef von Serfaus. „Bei uns im Skigebiet gibt es aber Abfahrten, die über 70 Prozent Gefälle haben. Um diese ebenfalls zu präparieren, benötigen wir Pistenbullis mit Winde, mit der sie sich am Fels fixieren können und nicht abrutschen.“ In Serfaus gibt es davon drei Stück, die pro Stück rund 380.000 Euro kosten. Das Seil der Winde ist neu dabei rund 1.400m lang. Allerdings muss es in regelmäßigen Abständen gekürzt werden, da sich das Seil abnutzen kann.

Eine halbe Million Liter Benzin


Pro Tag legt jeder Bulli dabei eine Strecke bis zu 70km zurück. Bei einer Schneesicherheit zwischen Dezember und April kommt da eine ganz schöne Strecke und damit auch ein ganz schön hoher Benzinverbrauch zusammen. So benötigt das Skigebiet Serfaus pro Saison laut Pistenchef Stadelwieser rund 600.000 Liter Diesel.

Knochenjob


Auch wenn für den Job eines Pistenbulli-Fahrers keine besondere Ausbildung notwendig ist (ein normaler Auto-Führerschein reicht), ist der Job nicht einfach. Denn es gehört eine Menge Gefühl dazu, das rund 460PS starke aber sehr sensibel zu steuernde Fahrzeug zu kontrollieren und gleichzeitig mit der zweiten Hand an einem separaten Hebel noch Fräse und Schaufel zu bedienen. „Am Anfang setzt man sich direkt hinters Steuer und nach rund drei Tagen Übung geht es auf die Piste“ erklärt Bullifahrer Florian, der seit drei Jahren in Serfaus die Pisten planiert. „Allerdings dauert es rund ein Jahr, bis man den Schnee lesen kann und weiß, wo man etwas Schnee wegnehmen kann, wo Löcher sind oder wie die Oberflächenbeschaffenheit ist.“



Die Fahrer arbeiten 4 Tage am Stück und haben dann 2 Tage frei. Der Arbeitstag beginnt in der Regel um 15 Uhr. Bis die Pisten geschlossen werden, werden die Fahrzeuge gewartet. Um 16 Uhr beginnt dann der Einsatz auf der Piste. Welcher Pistenabschnitt besonders aufmerksam bearbeitet werden muss, erfahren die Fahrer in der Einsatzbesprechung. In Serfaus ist der Pistenchef und einige Helfer ständig unterwegs, um den Zustand der Piste zu kontrollieren. Die gesammelten Informationen werden dem Fahrerchef weitergegeben, der dann kurz vor dem Einsatz die Planung an die Fahrer weitergibt. „Bis alle Pisten fertig sind, dauert es bis ca. 2-3 Uhr morgens mit einer Stunde Essenspause“, erklärt Stadelwieser.

Der Feierabend kann aber abrupt beendet werden, wenn es nachts anfängt zu schneien. „Die Touristen möchten ja nicht alle morgens durch den Tiefschnee fahren“, sagt Stadelwieser. „Für uns heißt das, dass wir gegen 3-4 Uhr morgens wieder anfangen müssen, die wichtigsten Pisten frei zu räumen. Schließlich haben wir im gesamten Skigebiet rund 204km Piste, die komplett präpariert werden muss.“

       Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen  Digg Button    


Kommentar schreiben

  • (erforderlich)
  • (erforderlich)
  • Captcha Image
  • Infos über neue Kommentare per E-Mail erhalten

 

Mehr aus Lifestyle

Für viele sind Ski oder Snowboard die eigentlichen Bretter, die weiterlesen
München hat viel zu bieten: Fußballhallen, Kletterhallen, die weiterlesen
Jeder zweite Deutsche fasst gute Vorsätze fürs neue Jahr. Dabei weiterlesen
Beim Snowboardfahren oder beim Surfen hat man entweder das rechte weiterlesen
„Man müsste mal was machen!“ Dieser Satz – so oder so ähnlich weiterlesen