Doping, Burnout und Manipulation – Umfrage unter deutschen Spitzensportlern

Doping, Burnout und Manipulation – Umfrage unter deutschen Spitzensportlern

Die Studie „Dysfunktionen des Spitzensports: Doping, Match-Fixing und Gesundheitsgefährdungen aus Sicht von Bevölkerung und Athleten“, die von der Deutschen Sporthochschule Köln im Auftrag der deutschen Sporthilfe durchgeführt wurde, hat teilweise erstaunliche Zahlen ans Licht gebracht.

An der anonymen Befragung nahmen 1.154 Spitzensportler teil, die von der Deutschen Sporthilfe gefördert werden. Auffallend hoch waren die Zahlen der Studie bezüglich der Verbreitung von Doping, psychischen Problemen und Manipulationsversuchen im deutschen Spitzensport. 11,4 Prozent der Sportler gaben an, unter Burn-Out zu leiden. Weniger als die Hälfte beantworteten die Frage, ob sie an der Krankheit leiden würden, mit „Ehrlich nein“.

6 Prozent der deutschen Spitzensportler geben die regelmäßige Einnahme von Dopingmitteln und 11 Prozent die Einnahme von Schmerzmitteln ehrlich zu. 40 Prozent nehmen nach eigener Aussage bewusst gesundheitliche Risiken in Kauf. 10 Prozent der deutschen Spitzensportler sagen, dass sie an Absprachen über den Spiel- bzw. Wettkampfausgang beteiligt waren. Allerdings gibt es eine erhebliche Anzahl von Athleten, die bei Fragen nach der Einnahme leistungssteigernder Substanzen, nach Wettkampfabsprachen oder Gesundheitsproblemen keine Antwort gegeben haben. Welche Gründe dafür verantwortlich sind, steht nicht fest. Deutliche Tendenzen, warum Sportler sich nicht korrekt verhalten, sind jedoch zu erkennen.


Sehr verbreitet scheint unter Athleten Existenzangst zu sein. 57,7 Prozent der Athleten gaben diese als ein Motiv für Fehlverhalten an. Außerdem sind „Druck durch das Umfeld“ (79,8 Prozent) und „Erfolgsdruck“ (88,6 Prozent) die zentralen Motive. In einer Stellungnahme sagt der Vorsitzende der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes, Christian Breuer, zu diesen Zahlen:

„300 Euro pro Monat der Deutschen Sporthilfe nehmen unseren Athleten nicht die Ängste um ihre spätere berufliche Existenz. Die Athletenkommission fordert Rahmenbedingungen für eine Duale Karriere, Ausbildung/Beruf UND Spitzensport sowie ein neues Trainerkonzept; dies alles mit der Zielstellung, Weltspitzenleistungen erreichen zu können. Hierzu müssen die zuständigen Instanzen der deutschen Sportlandschaft – aus Politik, Sportorganisationen und Partnern (Bildung, Wirtschaft) – ein aufeinander abgestimmtes, flächendeckendes und schlüssig vom Nachwuchs bis zur Spitze strukturiertes Fördersystem entwickeln, um alle Ressourcen in Deutschland effektiv zu nutzen und damit unseren Athleten nicht nur die Hauptlast ihrer Sorgen zu nehmen, sondern verbindliche Lösungen für die Bewältigung der Doppelbelastung anzubieten.“

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Wahrnehmung in der Bevölkerung, die teilweise erheblich von der der Athleten abweicht. Hier sehen nur 12,4 Prozent Existenzangst als ein Motiv für Fehlverhalten. Zudem glaub die Bevölkerung, dass 29 Prozent der deutschen Spitzensportler regelmäßig dopen und knapp die Hälfte der Sportler (49 Prozent) regelmäßig Schmerzmittel nehme. Außerdem seien aus Sicht der Bevölkerung 14 Prozent an illegalen Absprachen beteiligt gewesen und würden 45,4 Prozent für den Sport gesundheitliche Risiken in Kauf nehmen.

Sehr deutlich machte die Studie, dass sowohl unter Athleten als auch in der Bevölkerung die Meinung vorherrscht, dass Doping gegen die Werte des Sports verstößt. 90 Prozent beider Gruppen, Athleten und Bevölkerung, gehen davon aus, dass Doping nicht mit dem Leistungsprinzip des Sports in Einklang zu bringen ist. Interessant ist jedoch, dass nur 94 Prozent der Bevölkerung Doping als Verstoß gegen Fairplay und Solidarität/Teamgeist betrachtet. Bei den Athleten lag diese Zahl bei 99 Prozent.

Ein weiteres Ergebnis der Studie fasst die Deutsche Sporthochschule in Köln wie folgt zusammen: "Statistisch signifikant konnte nachgewiesen werden, dass die Bereitschaft in der Bevölkerung zur finanziellen Unterstützung des Spitzensports mit der wahrgenommenen Verbreitung illegaler Spielabsprachen sinkt, und mit dem Ausmaß gesundheitlicher Risiken, die die Athleten in Kauf nehmen, steigt. Andere Dysfunktionen, wie z.B. die Einnahme verbotener Substanzen, haben aktuell noch keine signifikante Auswirkung auf die Förderbereitschaft."

Die komplette Studie ist hier zu finden:
http://www.bisp.de/cln_340/nn_15936/SharedDocs/Downloads/Publikationen/sonstige__Publikationen__Ratgeber/Breuer__Dysfunktionen,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Breuer_Dysfunktionen.pdf

Quellen: Pressemitteilung Deutsche Sporthochschule Köln, Pressemitteilung Deutscher Olympischer Sportbund

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