Verletzungen des Syndesmosebandes am Sprunggelenk

Verletzungen des Syndesmosebandes am Sprunggelenk

Verletzungen im Sprunggelenk gehören zu den häufigsten im Sport. Wenn der Fuß umknickt, wird das Gelenk und der gesamte Bandapperat extrem belastet. Kommt es zu einer Verletzung, wird häufig eine Verletzung des Syndesmosebandes am Sprunggelenk vermutet. Eine Operation kann drohen. Warum man bei der Diagnose „Riss der Syndesmose“ nicht aus Angst vor einer Operation in Panik verfallen sollte, hat uns Orthopäde und Sportmediziner Dr. Bernd Mayer verraten.

netzathleten: Herr Dr. Mayer würden Sie uns zuerst den Aufbau des Syndesmose und dessen Aufgabe im Sprunggelenk beschreiben?
Das Syndesmoseband setzt sich aus drei Anteilen zusammen: Einem vorderen, mittleren und einem hinteren Teil. Der mittlere Abschnitt ist nur wenige Millimeter lang und auch der vordere und hintere Teil sind nicht länger als 0,5 Zentimeter. Es verbindet das untere Schienbein mit dem Wadenbein. Dabei ist es kein Band im eigentlichen Sinne, denn es muss sich nicht bewegen. Es handelt sich vielmehr um eine straffe kurze Bandverbindung. Das Syndesmoseband ist für das Sprunggelenk ebenso wichtig, wie das Kreuzband für das Kniegelenk. Es ist daher eines der wichtigsten Bandkomplexe im Sprunggelenk. Unter Belastung werden Schien- und Wadenbein auseinandergedrückt und die Sprunggelenksgabel, die das Sprungbein umfasst, droht auseinanderzuweichen. Dem entgegenzuwirken und das gesamte Gebilde zu stabilisieren, ist die Funktion des Syndesmosebandes.

netzathleten: Wie genau arbeitet das Sprunggelenk und was hat ein kaputtes Syndesmoseband für Folgen?
Das Sprunggelenk ist ein Scharniergelenk. In Absprung- oder Standphasen schiebt sich der vordere Teil des Sprungbeins, welcher dicker und breiter ist als der hintere Teil, in die Gelenkgabel und drückt sie dabei auseinander. Der breite Teil des Sprungbeins wirkt hier gelenktragend und sorgt für die nötige Stabilität. Wenn das Syndesmoseband kaputt ist, findet dieser Mechanismus nicht statt, weil das Sprungbein nicht mehr vernünftig in der Sprunggelenksgabel geführt wird. Das wiederum führt zu hohen punktuellen Belastungen, die einen frühzeitigen Gelenkverschleiß, sprich Arthrose im Sprunggelenk, auslösen können.



netzathleten: Welche Sportarten und was für ein Unfallhergang können eine Verletzung der Syndesmose hervorrufen?
Generell werden das Syndesmoseband und der ganze Komplex des Sprunggelenkes bei allen Sprungsportarten und Kontaktsportarten unter Stress gesetzt. Einer der häufigsten Unfallmechanismen ist ein Sturz aus einer gewissen Höhe oder ein besonders harter Aufprall auf das Fußgelenk. Dabei wird die Gelenkgabel förmlich gesprengt, wodurch auch das Syndesmoseband reißt. Meistens geht ein Riss der Syndesmose mit weiteren Frakturen und Knochenbrüchen im oberen Sprunggelenk einher. Nur sehr selten kommt es zu einer isolierten Verletzung des Syndesmosebandes. Das Band kann auch verletzt werden, wenn der Fuß nach innen umknickt und dabei noch einen kräftigen Schlag abbekommt. So können die Knochen ebenfalls zu stark auseinandergedrückt und das Syndesmoseband gesprengt. in Mitleidenschaft ziehen.

netzathleten: Wie äußert sich eine Verletzung des Syndesmosebandes und welche Behandlungsmöglichkeiten sind die Folge?
Syndesmoseverletzungen gehen immer mit Belastungsschmerzen einher. Sobald man auf den Fuß tritt, spürt man einen starken Schmerz. Außerdem kommt es zu örtlichen Schwellungen und Druckschmerzen rund um das Sprunggelenk. Wenn das Syndesmoseband wirklich reißt, ist eine Operation nötig. Dann wird eine Stellschraube eingesetzt, welche für sechs bis acht Wochen das Waden- und Schienbein verbindet. Anschließend muss der Fuß ruhiggestellt werden. Alternativ kann die Verletzung mit einem sogenannten „TightRope“ fixiert werden.

netzathleten: Zur Diagnosestellung wird häufig ausschließlich eine Kernspintomographie durchgeführt. Sie kritisieren das. Warum?
Es ist tatsächlich so, dass viele Patienten nachdem sie umgeknickt sind die Diagnose Syndesmoseriss gestellt bekommen. Das liegt daran, dass bei einer Kernspintomographie häufig Veränderungen am vorderen Syndesmose festgestellt werden. Für gewöhnlich resultiert eine behandlungswürdige Syndemoseverletzung aber nicht aus einer typischen Umknickverletzung. Durch eine Kernspintomographie werden häufig Veränderungen beschrieben, die mechanisch keine Relevanz haben. Das vordere Syndesmose beispielsweise ist, mechanisch betrachtet, der unwichtigste Anteil des Bandes und bedarf im Normalfall keiner Behandlung oder gar einer Operation. Kernspinaufnahmen täuschen daher oft über wirkliche Verletzung hinweg.

netzathleten: Wie kann man als Patient sichergehen, dass das Verletzungsbild ausreichend betrachtet wurde?
Eine Kernspintomographie alleine reicht oft nicht aus. Für eine optimale Einschätzung der Verletzung benötigt man auch Röntgenaufnahmen. Am besten unter Belastung und vergleichend von beiden Sprunggelenken. Außerdem kann eine Stressaufnahme helfen. Dabei wird der Fuß während der Röntgenaufnahme verdreht, um mögliche Instabilitäten zu erkennen.

Dr. Bernd Mayer ist Orthopäde, Sportmediziner und Diplomsportlehrer im Zentrum für Orthopädie und Sportmedizin (ZFOS) in München. Dort befasst er sich vor allem operativ mit Problemen an Sprunggelenk und Fuß.

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