Kleiner Muskel, großes Problem
Funktionell hat das Lösen der Spannung des Piriformis auch Auswirkungen auf die Biomechanik der Hüfte, da der Piriformis ein recht kurzer Außenrotator und schwacher Abduktor ist. Wie kann es daher sein, dass ein solcher Winzling von Muskel solche starken Schmerzen im Gesäß verursacht? Der Verlauf des Piriformis-Syndroms wird sowohl von internen als auch von externen Faktoren beeinflusst. Interne Faktoren sind z. B. die anatomische Stellung des Piriformis in Beziehung zum Ischiasnerv, Haltungsschäden wie z. B. infolge einer unterschiedlichen Beinlänge, eine Infektion im Muskel, Myositis ossificans, und ein Tumor.(4)
Bei Läufern kommt es zu Überbeanspruchungen aufgrund von externen Faktoren, z. B. einem zu großen Laufpensum, einer zu schnellen Verlängerung des Laufpensums oder einer schlechten Lauftechnik. Auch Geländeunterschiede, abgenutzte Schuhe oder Laufen auf geneigten Flächen überlasten schwache Muskeln. Wenn die primären Muskeln der Hüfte ermüden, müssen die kleineren akzessorischen Muskeln wie der Piriformis härter arbeiten, um die Form zu erhalten. Durch diese Kompensationsarbeit für die stärkere Muskulatur wird der Piriformis belastet. Auch eine Gewalteinwirkung auf das Gesäß, wie ein Sturz oder ein Schlag, kann zu einer Verletzung des Piriformis führen und eine Entzündungsreaktion auslösen.
Eine gute Faustregel ist die, das Laufpensum nicht mehr als um 10 % pro Woche zu verlängern. Sie sollten unbedingt daran denken, dass Sie die Laufrichtung auf der Bahn oder auf geneigten Straßen immer wieder verändern. Die funktionelle Längendifferenz der Beine, die entsteht, wenn Sie auf einer geneigten Fläche laufen, schafft eine zusätzliche Belastung der Beckenmuskulatur. Ab einem Beinlängenunterschied von 1 cm wird die Ausrichtung des Beckens beeinträchtigt. In solchen Fällen sollten Sie sich von einem Physiotherapeuten darüber beraten lassen, ob eine Schuherhöhung ratsam sei. Wenn Sie sicherstellen wollen, dass Ihre Muskeln alle eventuell auftretenden externen Faktoren mühelos bewältigen können, sollten Sie unbedingt für mehr Core-Kraft der Beckengürtelmuskulatur sorgen.
