Gesundes Übergewicht – Leben Dicke länger?

Gesundes Übergewicht – Leben Dicke länger?

Eine aktuelle US-Studie hat bei einigen Übergewichtigen für Aufsehen gesorgt. Der Untersuchung zu Folge leben übergewichtige und leicht adipöse Menschen sogar länger als Normalgewichtige. Insofern stellen sich einige die Frage, ob Übergewicht nicht sogar gesund ist und das Leben verlängert.

Schlank sein ist wahrscheinlich das wichtigste Schönheitsideal unserer Zeit. Wo immer man hinschaut, wird Übergewicht verteufelt und Dünnsein gefordert. Abnehm-Präparate, Abnehm-Bücher, Diäten und Schönheits-OPs haben Hochkonjunktur, weil viele um jeden Preis dünn sein wollen. Andere treiben Sport, um abzunehmen. Schließlich ist Übergewicht nicht nur unschön, sondern auch ungesund. Vor allem das Herz leidet angeblich unter dem zu hohen Körpergewicht. Doch so ganz scheint das nicht zu stimmen.

Einspruch aus den USA

Dem möchte eine aktuelle US-Untersuchung nun widersprechen. Geht es nach Dr. Katherine Flegal von den Centers for Disease Control and Prevention in Hyattsville (Maryland) und ihren Kollegen, leben Übergewichtige sogar länger als Normalgewichtige (JAMA 2013; 309: 71) http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1555137. In ihrer Untersuchung analysierten die Forscher die Gesundheitsdaten aus 97 prospektiven Studien vorwiegend aus den USA und Europa mit den Gesundheitsdaten von mehr als 2,8 Millionen Menschen und den Daten von 270.000 Todesfällen. Als relevante Größe bezogen sich die Wissenschaftler auf den Body-Mass-Index (BMI), also das Verhältnis von Körpergewicht zur Körpergröße. Als Normalgewichtig spricht man von einem BMI zwischen 18,5 und 25. Übergewichtig ist man bis zu einem BMI von 30. Zwischen 30,1 und 35 spricht man von Adipositas Grad 1 und ab 35,1 von Adipositas Grad 2.

Den Forschern zu Folge haben Übergewichtige bis zu einer Adipositas Grad 1 dieselbe Lebenserwartung wie Normalgewichtige. Bei einem 30-jährigen und 1,80m großen Mann beispielsweise entspricht dies einem Körpergewicht von bis zu 113kg. Dabei berücksichtigten die Forscher auch das Rauchverhalten und das Alter. Erst ab einer Adipositas Grad 2 und 3 nahm die Sterblichkeit der Übergewichtigen um 29 Prozent zu, während Übergewichtige, also bei einem BMI zwischen 25 und 30, eine um 6 Prozent geringere Mortalität aufwiesen als Normalgewichtige.

Schützendes Fett

Wenn Übergewicht überall als ungesund dargestellt wird, kann man sich die berechtigte Frage stellen, wie die Forscher zu ihren etwas überraschenden Ergebnissen gekommen sind. Dazu gibt es verschiedene Erklärungsversuche. Zum einen denken übergewichtige Menschen, dass sie aufgrund des Gewichts leichter krank werden und gehen daher meistens früher zum Arzt. Dadurch sind die Heilungschancen auch grundsätzlich größer, da auch schwere Krankheiten früher erkannt werden. Das Fett selber kann aber auch einen Schutz bieten, da man bei katabolen Erkrankungen mehr Energiereserven hat, dadurch wird auch das Herz etwas geschützt bzw. das Fett dient als metabolische Reserve, so ein Erklärungsversuch der Forscher.

Taugt der BMI als Messgröße?

Dass der BMI als relevante Größe nicht immer geeignet ist, um Auskunft darüber zu geben, wie gesund ein Mensch wirklich ist, wurde schon oft angesprochen. Schließlich gibt der BMI keine Auskunft, wie fit ein Mensch ist und ob es sich beim Übergewicht um Fett oder Muskeln handelt. Auch Alter, Größe und Geschlecht können bei der Berechnung vom BMI nicht berücksichtigt werden. Insofern kann man die Studie auch kritisch sehen, da Menschen mit mehr Muskeln auch gesünder sind als Menschen, deren Übergewicht durch Körperfett hervorgerufen wird. Auch kleine und ältere Menschen haben oft einen höheren BMI als große und junge Menschen. Sinnvoller wäre also, den Körperfettanteil als Messgröße zu verwenden. Zudem machten die Befragten in der Untersuchung keine Angaben zu ihrer Lebensqualität.



Doch wenn man sich auf der Straße einmal umschaut, wird schnell klar, dass es mehr Menschen mit mehr Körperfett als Muskeln gibt. Insofern kann man davon ausgehen, dass die höhere Lebenserwartung auch tatsächlich mit dem Körpergewicht zusammenhängt. Gegenüber der Ärztezeitung gehen die Forscher auch davon aus, dass „Übergewicht und geringgradige Adipositas bei chronischen Erkrankungen wie KHK und Diabetes sowie in höherem Alter offenbar schützend wirken.“ Nur warum das so konkret ist, muss noch herausgefunden werden.

Bis hier noch weitere Forschungen angestellt wurden, wird es noch etwas dauern. Bis dahin muss man Übergewicht aber nicht unbedingt nur negativ sehen. Gerade bei chronisch Kranken macht eine Gewichtsreduktion um jeden Preis nicht unbedingt Sinn.

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Es gibt 3 Kommentare

FHK schrieb am 10.02.13 um 19:14
Eine Studie, die heute noch den BMI zugrunde legt, ist unwissenschaftlich und damit unseriös. Sich darauf beziehende Artikel sind Zeitverschwendung. Bitte schleunigst vergessen. Der BMI taugt nachweislich nichts.
Christian R. schrieb am 04.02.13 um 12:46
Christian R.
Sehr gut aufgepasst, Jens. Der BMI wird natürlich unabhängig dieser Faktoren ausgerechnet und ist einfach nur das Verhältnis aus Körpergewicht zur Körpergröße. Allerdings spielen die Faktoren wie Alter, Geschlecht oder "Körbchengröße" bei der Aussage über die Relevanz des Body-Mass-Index bzw. über die Gesundheit eines Menschen eine entscheidende Rolle, da nicht jeder mit einem BMI über 25 auch als ungesund aufgrund möglichen Übergewichts angesehen werden darf. Inwieweit die Penislänge eine Aussage über den Gesundheitszustand eines Menschen geben kann, ist mir allerdings leider auch nicht bekannt.
Max Jandl schrieb am 04.02.13 um 10:43
Max Jandl
is klar dass solche ergebnisse aus amerika kommen =))

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