Der Kampf gegen den Talentmarkt

Bereits im Jahr 2000 forderte die UEFA (Markus Studer, stellvertretender UEFA-Generaldirektor):
- Wir machen uns große Sorgen über die Art, wie junge Spieler transferiert werden.
- Die UEFA fordert, die Altersgrenze bei internationalen Transfers auf 18 Jahre anzuheben.
- Sollte dieser Antrag nicht durchzusetzen sein, müssten Transfers von Jugendlichen wenigstens an bestimmte Bedingungen geknüpft werden. Ein Verein muss sich vertraglich verpflichten, für die schulische Ausbildung des Spielers zu sorgen und auch im Falle einer Verletzung seinen Pflichten nachkommen.
- Gerade in Italien wurden viele junge Afrikaner mit großen Versprechungen ins Land gelockt (ca.5600). Setzen sie sich nicht durch, gibt es ein Desaster. Der italienische Senat hat deshalb kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das den Handel skrupelloser Agenten mit jungen Talenten verhindern soll.

"Wir werden den Menschenhandel unterbinden", versprach Karl-Heinz Rummenigge als G-14-Mitglied (Organisation der großen Clubs in Europa) damals der UEFA.
Im Mai 2009 kritisierte Rummenigge Arsene Wenger (Trainer Arsenal London) mit den Worten: "Ein Arsene Wenger holt offenbar jedes Jahr Heerscharen von Spielern aus Frankreich und sonst woher. Dieser Art von Kinderhandel gilt es Einhalt zu gebieten. Das hat inzwischen ja Ausmaße angenommen, da ist das Wort Kidnapping nicht mehr weit".

Die FIFA untersagt das Abwerben von "Rohdiamanten", aber die Clubs halten sich nicht wirklich daran. Das spanische Sportblatt As sieht in solchen Transfers eine "Art von fußballerischer Pädophilie". Die FIFA hat in ihren Schutzbestimmungen den Kinderhandel unterbunden. Ein minderjähriger Spieler darf nur in ein anderes Land wechseln, wenn der Umzug nichts mit Fußball zu tun hat. Die Vereine besorgen dann den Eltern Arbeitsplätze und umgehen so relativ leicht diese Bestimmung.
Aber meistens wird es nichts, mit der Entwicklung zum Fußballstar bei Kindern. Ohne Elternhaus und in einem fremden Land, ist der sportliche Werdegang zum Scheitern verurteilt. Viele schaffen es gar nicht soweit, weil das Talent nicht ausreicht. Sie verenden dann häufig auf europäischen Straßen, oder werden kriminell.

Es gibt unzählige Beispiele und auch in Deutschland bemüht man sich kräftig um junge Talente, oder einige Kinder gehen in jungen Jahren ins Ausland. Uns bleiben nur die Namen von den Kindern aus Deutschland, die es geschafft haben wie: Sebastian Kneißl, Thomas Hitzlsperger, Robert Huth und Moritz Volz, um nur eine kleine Auswahl zu nennen.
Mario Pokar ist ein weiteres Beispiel. Im Sommer 2006 verließ der 16-Jährige Eintracht Frankfurt und ging wegen der besseren Ausbildung zu den Blackburn Rovers nach England. Drei Monate später war er zurück in Hessen. Die Versprechen im Zusammenhang mit der schulischen Ausbildung wurden nicht eingehalten.

Schalke 04 griff im Sommer 2007 zu, als der Klub den 13-jährigen Nikon Jevtic im Paket mit dessen älteren, erziehungsberechtigten Bruder lockte. Der FC Barcelona etwa buhlte um Muhammed Demirci. Der Junge spielt bei Besiktas Istanbul, gilt in der Türkei als "das größte Talent aller Zeiten" - und war erst zwölf Jahre alt. Drei Millionen Euro sollte Demirci kosten.
Fast keine Saison vergeht, ohne dass ein Minderjähriger zum neuen Maradona ausgerufen wird, der für Millionen von einem Klub zum anderen, von einem Land ins nächste transferiert wird. Von den meisten allerdings ist irgendwann auf dem Fußballplatz nichts mehr zu sehn. Wer weiß schon sicher, welche Entwicklung ein Kind nimmt?

Und es könnte noch schlimmer sein, wie ein Norwegisches Sachbuch belegt. Wer sich das wirklich antun möchte, kann hier kurze Fakten aus dem Inhalt nachlesen: Sportswire.de

Folgende Zahlen wurden 2005 veröffentlicht (Quelle: sportpaedagogik.ch (PDF))
Fakten und Zahlen in Europa, ohne Berücksichtigung der Dunkelziffer und nur einige Länder wurden beispielhaft erfasst.

Anzahl minderjähriger afrikanischer Fußballer, die auf der Straße illegal und versteckt leben müssen:

Italien: ca. 3000 Jugendliche
Belgien: ca. 1000 Jugendliche
Türkei: ca. 200-300 Jugendliche
Deutschland, Holland, Frankreich, Portugal, Spanien: ca. 1500 Jugendliche


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