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Die ersten beiden Partien der Handball-WM sind absolviert und wir stehen auf dem zweiten Platz. Doch noch läuft nicht alles rund...
Liebe Handballfreunde,
nach den ersten beiden Partien können unsere Jungs mit dem Turnierstart durchaus zufrieden sein. Ein – vermeidbares – Unentschieden gegen Russland, ein Sieg gegen Tunesien – wir sind absolut im Soll.
Vermeidbares Unentschieden zum Auftakt
Tja, so geht das manchmal. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass wir Russland in unserem Auftaktspiel schlagen. Aber die Russen haben ihren Job gut gemacht, die Chance des ersten Spiels genutzt und uns einen Punkt abgetrotzt. Das Ärgerliche ist jedoch weniger der Punktverlust, als vielmehr die Art und Weise wie das Unentschieden zu Stand gekommen ist. Wenn man neun Minuten vor Schluss mit fünf Toren vorne liegt, darf man das Spiel nicht mehr aus der Hand geben. Aber das war typisch für ein Auftaktspiel. Die Jungs waren nervös, aufgeregt, nicht abgeklärt genug. Hinzu kamen unnötige und leider entscheidende Fehler und der ein oder andere Pfiff der Schiedsrichter ist auch ausgeblieben.
Schiedsrichter sind nicht schuld am Unentschieden
Nach dem Spiel wurden die Schiedsrichter vor allem wegen des letzten, nicht gegebenen Freiwurfs an Pascal „Pommes“ Hens kritisiert, was im Gegenzug einen Siebenmeter und den Ausgleich bedeutete. Ich finde das nicht ganz richtig. Wer das Spiel von Pommes kennt, der weiß, dass er gerne versucht Freiwürfe zu schinden und auch viele bekommt. Aber so ein Spiel ist ein zweischneidiges Schwert. Man bekommt viele Freiwürfe, darf sich aber nicht beschweren, wenn die Schiedsrichter einmal nicht pfeifen. Unsere Mannschaft sollte sich nicht benachteiligt fühlen und durch den Sieg gegen Tunesien ist das Unentschieden sowieso von geringerer Bedeutung und sollte für das Weiterkommen reichen.
Kraus zurück, aber das Verletzungspech geht weiter
Das Pech der deutschen Mannschaft reißt nicht ab. Ausgerechnet Sprenger hat es jetzt erwischt! Der Spieler vom SC Magdeburg zog sich im Spiel gegen Russland einen Innenbandriss zu und ist bereits wieder nach Deutschland gereist. In der Bundesliga war er in absoluter Top-Form und auf dem Weg zum Stammspieler in der Nationalmannschaft. Das hätte seine WM werden können. Aber so ist das im Sport manchmal. Da muss er jetzt durch, auch wenn er im Moment natürlich untröstlich ist. Es war sein erstes großes Turnier und dann im ersten Spiel, nach wenig Einsatzzeit auszufallen ist sehr, sehr bitter. Für die Mannschaft ist dieser Ausfall erneut ein herber Schlag, weil ein sehr starker Spieler weg bricht und mit Stefan Schröder vom HSV nur noch ein Rechtsaußen zur Verfügung steht.
Dass Mimi Kraus nach seinem Muskelfaserriss so schnell zurückgekehrt ist, ist sehr gut. Auch wenn er noch nicht hundertprozentig fit ist, ist er eine Verstärkung, wie man gegen Tunesien gesehen hat. Das Team tröstet sein Comeback vielleicht über den Ausfall von Sprenger hinweg, Sprenger selbst aber wohl kaum.
Nachnominierung – warum nicht?
Heiner Brand kann nach dem Ausfall von Christian Sprenger noch Spieler nachnominieren. Eine Option, von der ich als Bundestrainer auf jeden Fall gebrauch machen würde. Ich denke dabei vor allem an Florian Kehrmann vom TBV Lemgo. Er ist ein erfahrener Spieler, der schon mehrere Turniere gespielt hat, er könnte die Mannschaft pushen, ihr nochmal neue Impulse geben. Schade wäre eine Nachnominierung allerdings für Stefan Schröder. Der Hamburger Rechtsaußen wäre dann wahrscheinlich wieder nur zweite Wahl.
Drei Hamburger überzeugen
Für mich waren bisher die Jungs vom Hamburger SV eindeutig die herausragenden Spieler der ersten Partien. Jogi Bitter, vor allem im Spiel gegen Russland, Pascal Hens und Torsten Jansen waren wirklich in Top-Form. Rückraumshooter Holger Glandorf von der HSG Nordhorn-Lingen hat bisher leider noch gar nicht zu seinem Spiel gefunden. Und auch das deutsche Angriffsspiel ist noch verbesserungswürdig. Es müssen mehr Chancen für die Außen herausgespielt werden, um unberechenbarer und variabler zu werden.
Die Favoriten gewinnen, aber wir sind auf dem besseren Weg
Die WM hat aber natürlich nicht nur für unsere Mannschaft begonnen. Auch die anderen Teams sind in die Vorrunde gestartet. Die Favoriten haben allesamt die Erwartungen erfüllt und ihre Auftaktspiele überzeugend gewonnen. Dabei hat mich vor allem die Höhe überrascht. Das war schon außergewöhnlich! Dänemark erzielte 41, Spanien sogar 47 Tore. Allerdings muss man bedenken gegen wen diese Teams gespielt haben. Kuba und Kuwait haben nicht das Niveau von Russland oder Tunesien. Selbst Algerien würde ich als besser einschätzen. Die richtig harten Brocken kommen für die Topfavoriten erst noch. Spiele gegen solche Underdogs können zwar das Selbstvertrauen steigern, zeigen einem aber nicht auf, wo man wirklich steht. Ich bin davon überzeugt, dass unser Weg über harte Vorrundengegner bei einer WM der bessere ist. Hoffentlich gehen wir ihn noch lange!
Bis demnächst!
Euer Kretzsche
Bildquelle: galerie.best4sports.de Lizenz einzusehen auf Wikipedia.de
Stichwörter:
Handball,
Handball-WM 2009,
Handball-WM 2009 Kolumne