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Verletzte Matadore und fehlende Frauenpower

20.12.2010
Gewichtheben: Verletzte Matadore und fehlende Frauenpower
Foto: keine Quelle wurde angegeben
 

(Gewichtheben) Benjamin Uhl und Thomas Stöhr geben im KSV-Team gute Vorstellungen ab

"Dafür, dass Armin Uhl seit Februar keinen Wettkampf mehr bestritten hatte, war die Mannschaftsleistung heute gut", meinte Erwin Gilch, Gewichtheber-Trainer beim Kraftsportverein (KSV) Kitzingen am Samstagabend, obwohl sein Team zum Auftakt der 2. Bundesliga Süd dem 1. AC Weiden klar mit 381,2 zu 409 Relativpunkten unterlegen war. Die Begegnung bestätigte die Vermutung von Gilch und seinem Trainerkollegen Michael Fischer, dass es der KSV heuer schwer haben wird, im vierten Zweitliga-Jahr erneut die Klasse erhalten zu können.

Dass die Gäste den Sieg davon tragen würden, deutete sich von der Tendenz her schon in der ersten Teildisziplin Reißen an. Denn während auf Kitzinger Seite Armin Uhl und Stefan Aßmann zwei ungültige Versuche produzierten, legten die Weidener eine prima Vorstellung hin. "Für jeden, der zwei Ungültige hat, fehlen dir im Ergebnis jeweils zehn Kilogramm", rechnete KSV-Heber Thomas Stöhr vor. Derweil hoben die Oberpfälzer durchwegs nahe oder über ihrem Limit. Mit dem gebürtigen Russen Sergej Stabel hatten die Gästen eine amtierenden Europameister der Masters (Alte Herren) in ihren Reihen, der mit 96 Relativpunkten zweitbester Punktesammler seines Teams war. Er heimste sich ein Lob seiner Teamkollegen ein sowie zusätzlich noch Glückwünsche und Geschenke, da das keine 56 Kilogramm leichte Fliegengewicht auch an seinem 40. Geburtstag seine Mannschaft nicht im Stich ließ. Die größte Trumpfkarte der Gäste, Alexander Narr, stach noch erfolgreicher als Stabel, denn der 17-jährige avancierte mit seiner persönlichen Zweikampfbestleistung von 280 Kilogramm und stolzen 109,4 Relativpunkten in jeder Hinsicht zum "Star" des Abends. Der amtierende Deutsche A-Jugend-.Meister - und damit Nachfolger von Kitzingens Heber-Aushängeschild Armin Uhl - steigerte seine Zweikampfleistung jetzt binnen drei Wochen um neun Kilogramm und zielt darauf ab, bei der kommenden Deutschen Meisterschaft - in einer Gewichtsklasse höher - erneut eine Medaille zu erringen. Die Weidener Riege von Abteilungsleiter Lothar Schemmel hatte mit 414 Relativpunkten zum Abschluss der Vorjahressaison einen Vereinsrekord geschafft. Nach dem Reißen lag Weiden mit 139,5 zu 123,2 Relativpunkten in Front und lag dabei über dem Soll, hatte Schemmel im Reißen doch mit höchstens 125 Relativpunkten kalkuliert. Der Vorsprung war nicht nur Stabel und Alexander Narr zu verdanken, sondern auch Johannes Popel, der mit 81 Kilogramm ebenso eine persönliche Reißen-Bestleistung aufstellte wie Alexander Narr mit 125 Kilogramm, die am Samstag um Längen unerreicht blieben. KSV-Mannschaftsführer Thomas Stöhr zeigte Biss und stellte mit 92 Kilogramm seine Bestleistung ein und ballte die Faust um seine Kollegen emotional mitzunehmen. Stöhr scheiterte folgend an 94 Kilogramm, dafür lieferte aber Benjamin Uhl eine persönliche Bestmarke von 101 Kilogramm ab. Wegen der 16 Punkte Rückstand nach dem Reißen wollte Erwin Gilch die Flinte noch nicht ins Korn werfen - doch die Gäste ließen sich nicht mehr aus der Siegerspur abdrängen. Das fachkundige und sehr faire Publikum in der gut gefüllten Walter-Schneider-Sporthalle

In der Riege der KSV-Kraftmeier fehlen heuer gegenüber dem Vorjahr die fleißigen Relativpunkte-Sammler Nicole Aßmann und Elijah Watson - damit auch die Frauenpower. Mit Alexander Heib konnten die Kitzinger zwar einen namhaften Neuzugang an Land ziehen, doch ist der 38-Jährige wegen Europa- und Weltmeisterschafts-Teilnahmen etwas platt und handelte sich am Samstag beim Aufwärmen auch noch eine Armblessur ein. Der Bundeswehr-Offizier mit 27 Jahren Wettkampferfahrung deutete sein Potenzial an, muss aber erst noch etwas regenerieren und will vom Trainingspensum zulegen um im weiteren Saisonverlauf die erhoffte Verstärkung darzustellen. Neben den Verlusten von Watson und Nicole Aßmann müssen die Kitzinger derzeit noch das weitere Handicap verkraften, dass ihr bester Mann Armin Uhl seit Februar wegen einer langwierigen Knieverletzung keinen Wettkampf mehr bestreiten konnte. Deswegen musste er sich mit seiner Eingangslast von 110 Kilogramm im Reißen zufrieden geben. Aber im Stoßen lief es besser für die 19-Jährigen, der in einigen Monat vor dem Abitur steht, im Stoßen schaffte er 140 Kilogramm und damit die wichtige Norm für die Deutsche Meisterschaft. Alexander Heib hob mit 143 Kilogramm die größte Stoßen-Last der KSV-Riege und blieb aber mit 65,8 Relativpunkten ebenfalls unter seinen Möglichkeiten. Johannes Dworschak war im Sommer zum Volkslaufen "fremdgegangen", was kontraproduktiv für die Schnellkraft in den Beinen war, deshalb trat absprachegemäß im Stoßen als sechster KSV-Heber Torsten Zehner für Dworschak an. Mit 30 Relativpunkten mischte Zehner ordentlich mit und Benjamin Uhl stellte seine Bestmarke von 124 Kilogramm ein. Am klaren Auswärtssieg der Weidener vermochte er freilich nichts zu ändern.

Für den Wettkampf am 20. November gegen Waldkirchen haben die Kitzinger getauscht und Heimrecht bekommen, dann wollen es Erwin Gilch und seine Schützlinge richtig krachen lassen. "Der Armin peilt dann die 290 Kilo im Zweikampf als Norm für den deutschen C-Kader an und als Mannschaft streben wir 450 Relativpunkte an", kündigte der Coach an. Er wertete die Vorstellungen vom Samstag als ausbaufähig, ist sich aber bewusst, dass seine Pappenheimer ordentlich zulegen müssen weil ja jeder binnen eines Jahres etwas schwerer wurde und das nur mit Laststeigerungen zu den Relativpunkten kompensiert werden kann. Sollte es für den KSV nach vier Jahren in der 2. Bundesliga nicht mehr für den Klassenerhalt reichen, wären die Mannen von der Glauberstraße kein Weltuntergang. Denn die Süd-Staffel gilt als schwächste unter den 2. Bundesligen und bei der anstehenden Reform der 1. und 2. Bundesligen müssten die bayerischen Vereinen künftig weitere Fahrten in kauf nehmen um dann gegen merklich stärkere Konkurrenz antreten zu müssen. Aus dieser Sicht heraus fände es der Coach nicht uninteressant, in der kommenden Saison in der Bayernliga an die Hanteln zu gehen, "da passen wir besser hin und erleben auch spannendere Wettkämpfe. so der gebürtige Oberpfälzer Gilch.

Quelle: DIE KITZINGER - 20. Oktober 2010
geschrieben Hartmut Heß



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