(Skateboard)
Geschafft!!! Am vergangenen Wochenende habe ich die Olympia-Bobbahn von Sarajevo mit meinem Skateboard erstbefahren!
Mann, das ist vielleicht ein Abenteuer hier!
Nach 930 Kilometern und 12 Stunden Autofahrt sind Jean Yves Blondeau (ist auch hier bei den Netzathleten) und ich in Sarajevo angekommen. Beim "Red Bull Hot Run" sind wir schliesslich auf 25 internationale Inline Skater gestossen, die sich in der ehemaligen Olympia-Bobbahn bei einem Downhill-Rennen duelliert haben. Jean Yves und ich waren als Show Acts dabei.
Dies war nun der erste hoch-offizielle Sport-Event seit dem Krieg, bei dem Sportler aus ganz Europa gegeneinander angetreten sind. Toll ist, dass die Veranstalter darauf Wert gelegt haben, dass auch lokale Skater an dem Rennen teilnehmen koennen. Serben, Kroaten, Moslems, Slowenen... sie alle haben hier friedlich bei einer Sportveranstaltung gegeneinander gekaempft (eigentlich muesste man sagen miteinander gekaempft). Das ist toll und gibt Hoffnung fuer diese Region, in der noch immer Spannung in der Luft liegt!
Die Bobbahn ist in einem erbaermlichen Zustand. Durch den Krieg, der von 1991-94 in Bosnien-Herzigowina gewuetet hat, ist die Bahn leider weitgehend zerstoert. Unzaehlige Einschussloecher zeugen von den Gefechten, und in vielen Steilkurven hat die serbische Armee rund 20 cm grosse Loecher gesprengt, um dort hindurch schiessen zu koennen (die Bobbahn diente als direkte Kriegs-Front!). Leider liegen diese Loecher genau in meiner Fahrlinie. Einmal bin ich mit einer Rolle genau durch solch ein Loch gefahren, habe mich aber gerade noch auf dem Brett halten koennen. Als ich das erste Mal vom rund 3 Meter erhoehten Rodel-Start gefahren bin war ich super schnell und bin genau wieder in diese Schiessscharten gefahren. Naja, eine 22 Meter lange Schleifspur an der Wand und ein schmerzhaft ueberdehntes Schulterband sind nun die Folge.
Immerhin habe ich aber 17 Abfahrten in der 1300 Meter langen Bahn geschafft. Mit einer Zeit von 1:17 min. lag ich im vorderen Mittelfeld unter den Inline-Skatern (Bestzeit: 1:11 min.). Die Bosnische Polizei war auch da und hat per Radar gemessen: 77 km/h sollen es bei mir gewesen sein. Den Bahnrekord hat Jean Yves mit einer Bestzeit von genau einer Minute aufgestellt.
Jean Jves und ich sind jetzt immer noch in Sarajevo, um Filmaufnahmen in der Bobbahn zu machen. Das ist gar nicht so einfach, denn 1. spielt das sehr durchwachsene Wetter nicht so mit wie es soll und 2. ist die Befahrung der Bahn ziemlich gefaehrlich: Permanent muessen wir die Bahn begehen, weil darin staendig Leute unterwegs sind. Am Sonntag die ganzen Ausfluegler, die sich auch gerne mal zum Sonnen in die Bobbahn legen, oder auch Graffity-Sprayer. Mit zwei sonnenhungrigen Maedels haben wir eine super Aufnahme gemacht: Jean Yves ist ueber sie drueber gefahren waehrend sie in der Bobbahn Karten spielen und Musik hoeren.
Noch schlimmer sind aber die "Bobbahn-Piraten", die staendig in der Bahn umherlaufen und mit einem riesigen Hammer alles wegschlagen, was sie mitnehmen koennen. Sogar die Stahltraeger des Hochstarts wurden dieses Jahr geklaut, sodass dieser jetzt als ein 5 Meter langes Betonstueck 3 Meter hoch frei in der Luft haengt. Wenn man sich da oben bewegt schwankt das Teil gefaehrlich. Alle Holzverblendungen wie auch die Abweiser oben auf den Kurven wurden demontiert, sodass Jean Yves einmal fast aus der Bahn geflogen waere! Auch die direkte Umgebung der Bahn ist brandgefaehrlich: Noch immer sind nicht alle Minen zuverlaessig beseitigt sodass ein Spaziergang in den Wald lebensgefaehrlich ist!
Auch wenn das Bild hier manchmal etwas deprimierend ist (schliesslich ist Der Krieg noch sehr praesent) ist es toll, mit den Menschen hier ins Gespraech zu kommen. Wir haben viele Menschen getroffen, die den vier Jahre dauernden Krieg hier hautnah miterlebt haben und dabei auch teilweise ihre ganze Familie verloren haben. Trotzdem, oder gerade weil dieses Land Hoffnung braucht, werden wir naechstes Jahr wieder zum "Red Bull Hot Run 2009" zurueckkehren.
Herzliche Gruesse aus Sarajevo, Danny
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