Als HCS-Präsident Jens Kade am gestrigen Frühabend die Saison 2010/2011 für den HC Sachsen offiziell als eröffnet erklärte, befand sich das Präsidium gegenüber dem Publikum eindeutig in der Unterzahl.
Etwa 50 Gäste nämlich bildeten das Auditorium aus Fans, Sponsoren und interessiertem Publikum, das der Einladung zur um 18:00 Uhr anberaumten traditionellen Pressekonkerenz in der „factum arena“ im Sportforum Neustadt gefolgt war. Neben dem Präsidium stellte sich auch das Trainergespann mit den beiden Frauenteams F1 und F2 den Pressevertretern und der Öffentlichkeit. Beide Teams – so wollte es die Auslosung – sollten im Anschluß ab 19:30 Uhr in der ersten Runde des Landespokals in einem „Trainingsspiel unter Wettbewerbsbedingungen“ aufeinandertreffen. Aus Sicht der Vereinsverantwortlichen könne man zufrieden auf die Saison 2009/2010 zurück- und optimistisch auf die Saison 2010/2011 vorausblicken, erklärte nach der Begrüßung Präsident Jens Kade. Mit der souveränen Oberligameisterschaft und dem Aufstieg der ersten Frauenmannschaft in die 3. Liga sei das Etappenziel, zum „vierblättrigen Kleeblatt“ des sächsischen Frauenhandballs zu gehören, erreicht worden.
Die Spitzenmannschaft des HC Sachsen sei, nach vordem sehr unruhigen und bewegten Jahren, unter der Regie von Bärbel Wessel zu einem geschlossenen Team zusammengewachsen und gehe, im Kern zusammengeblieben, nunmehr in die gemeinsame dritte Saison. Der gewachsene Teamgeist sei für die kommenden Aufgaben in der 3. Liga ein nicht gering zu schätzendes Aktivum. In welchem Ausmaß der Aufstieg in die neuformierte 3. Liga in der Region Beachtung und Anerkennung gefunden habe zeige sich nicht nur am bekräftigten und ausgeweiteten Engagement langjähriger Sponsoren wie an der Unterstützung der Städte Neustadt und Sebnitz. Der Sponsorenkreis konnte mit dem Wohnmobilhersteller Capron aus Neustadt und der Druck- und Werbeagentur Eastprint aus Dresden „hochkarätigen Zuwachs“ verzeichnen. Auch in der Saison 2010/2011 treffe man sich wieder in der „factum arena“.
Das Ziel, mit der F1 in der Abschlußtabelle mindestens Platz 8, den ersten Nicht-Abstiegsplatz, zu belegen, sei bei dem vorhandenen intakten Mannschaftsgefüge realistisch zu erreichen. Dennoch sei natürlich die aktuelle Kader-Stärke nicht befriedigend. Um deren Aufstockung mit Verstärkungen von Drittligaformat werden weiterhin intensive Anstrengungen unternommen.
Jens Kade sprach damit die Situation an, daß die Rückkehr von Susanne Gutsmuths nach Leipzig aus privaten Gründen den HCS unerwartet traf und daß bei folgenden Kaderakquisitionen der HCS schließlich nur „Zweiter“ geworden war. Vereine mit Ambition zum Zweitbundesligaaufstieg konnten „einfach mehr aufrufen als wir“, oder die Details zu Trainings- und Spielteilnahme paßten nicht. Statt der geplanten 3 Neuzugänge ist derzeit somit nur auf der Towartposition das Soll erfüllt.Frauenchefcoach Bärbel Wessel dankte, daß das Präsidium die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine weitere ruhige und kontinuierliche Mannschaftsarbeit gelegt hat.
Teamgeist und die Heimspielunterstützung von 500 engagiert mitgehenden Zuschauern für das HCS-Spitzenteam seien auch 2010/2011 eine Gewähr dafür, daß die Saison erfolgreich gestaltet werden kann. In den Chor der Bangemacher wegen der aktuell engen Kaderdecke will sie nicht einstimmen. Dem schloß sich Anne Naumann, derzeit noch Rekonvaleszentin, für das Team F1 an. Sie und Marta Admakova werden sich in der neuen Saison die Bürde des Mannschaftskapitäns teilen.
Natürlich zählen der Zweitbundesligaabsteiger Stemmer/Friedewalde wie mindestens die Zweitplatzierten der vormaligen Regionalligen Nord und West erst einmal zu den klaren Ligafavoriten, dann aber komme ein Feld aus Mannschaften, vor denen man sich nicht verstecken müsse, befanden Vereinsmanager Torsten Prenzel und F1 Kaderbeauftragter Uli Sturm zu den Aussichten der HCS-Damen in der 3. Liga Ost, deren Punktspielbetieb nächste Woche beginnt. Über 10.000 KM oder 120 Stunden auf der Fahrt zu Auswärtsspielen seien im Vergleich zu Ligakonkurrenten, die die Hälfte oder weniger zu absolvieren hätten, zwar alles andere als ein Vergnügen, aber von der ehemaligen Regionalliga Süd sei die Mannschaft ja schon „abgehärtet“, machte Tosten Prenzel dabei etwas in Galgenhumor. Natürlich war die Ligastruktur mit ihren Ballungen und der extremen Randlage des HCS rund um die Veranstaltung ein heißes Diskussionsthema. F1 Kaderbeauftragter Uli Sturm drückte seine ungebrochene Zuversicht aus, in nicht unabsehbarer Ferne für die Positionen, in denen der Kader verstärkt werden soll, „auch mal als Bestbietender“ doch noch zum Zug zu kommen. Bevor die Landespokalbegegnung zwischen F1 und F2, zu der sich das Publikum nochmals erweitert hatte, angeworfen wurde, erhielt die F1 ihren nunmehr letzten Titel für die Saison 2009/2010 verliehen. Sie wurde von HVS-Schiri-Obmann Bernd Thomas als fairstes Team der zurückliegenden Oberligasaison ausgezeichnet. „Wenn wir abwehrbetont spielen, dann spielen wir ja so, daß wir den Ball bekommen wollen und nicht den Gegenspieler, „erklärte Bärbel Wessel dazu ihre Philosophie solider Abwehrarbeit.
Und die führte die zunächst in der Stammformation locker und kombinationssicher aufspielende F1 gegen die F2, die wegen Verhinderungen durch Urlaub und Arbeit von Stammspielerinnen mit bewährten „Stand-By-Kräften“ antreten mußte, in ersten zehn Minuten vor und zog auf 6:0 davon. Aber man merkte, daß sich die F2 nicht degradieren lassen und sich im Rahmen des Möglichen wehren wollte. Die das ganze Spiel sehr engagierten Wiebke Prenzel (Kreismitte) und Außenflitzer Maren Emmrich verkürzten im Doppelschlag auf 2:6. Dem antwortete die F1 binnen 3 Minuten mit dem 10:2. Bärbel Wessel machte dann wahr, was sie angekündigt hatte: die F1 sollte nicht einen gemütlichen Abend, sondern Gelegenheit zum Üben haben und die ersatzgeschwächte F2 sollte fairerweise nicht „zum Mond“ geschossen werden. An diesem Abend hieß die Trainingseinheit für die F1: Unterzahlspiel. Ab der 13. Minute spielten somit nur mehr 5 gegen 6, was aber bis zur Halbzeit dem Lauf der F1 keinen wesentlichen Abbruch bereitete. Mit schönen Konterläufen und gut ausgespielten Kombinationen machten 5 dort weiter, wo 6 aufgehört hatten und bauten den Vorsprung bis zur Pausensirene auf 22:7 aus.
Die tapfere Franziska Höhne im F2-Tor hatte dabei noch einiges weggefangen.Nach dem Wechsel durfte die F1 bis zur 40. Minute wieder mit 6 Feldspielerinnen, wobei Alexandra Urbanova auf der Bank blieb, agieren und legte in einem flüssigen Spielrhythmus auf 32:8 vor. Dann nahm Bärbel Wessel Slavka Ninkovic auf die Bank und verordnete wieder Unterzahlspiel 5 gegen 6. Und die F2 bewies über 37:13 in der 45. Minute und 41:15 in der 52. Minute Standing. Schließlich verschärfte Bärbel Wessel die Übungseinheit für die F1 nochmals und ließ den Rest der Spielzeit 4:6 spielen. Die vier Damen der F1 waren dabei so engagiert bei der Sache, daß Petra Janeckova und Slavka Ninkovic im Bemühen, den Ball zu sichern, empfindlich mit den Köpfen zusammenstießen und sich in der letzten Minute noch selbst aus dem Spiel nahmen. Das hinderte den 46:18 Endstand aber nicht.
Salomonisch haben Bärbel Wessel und Stefan Grosse die pikante Situation also gelöst: die F1 hatte keinen bloßen Spaziergang zu absolvieren und dieses oder jenes Gegentor könnte man sich in der Entstehung im Nachgang schon nochmal zu Lernzwecken vornehmen. Die F2 dagegen konnte erhobenen Hauptes vom Feld gehen - inklusive einer Lisa Heyde, die, gerade erst mit Erwachsenen-Spielrecht ausgestattet, schon erstaunlich gut mit ihren Mitspielerinnen mithalten konnte. Fürs Publikum war`s eine gute Unterhaltung. Wann nämlich gibt es das schon, daß in einem Spiel jedes Tor mit Beifall bedacht wird, gleichgültig, wer es erzielt?
Die F2 des HC Sachsen spielte mit: Franziska Höhne (Tor), Anja Sauer 3, Christina Wuttke 2, Wiebke Prenzel 7/2, Maren Emmrich 3, Lisa Heyde 3, Veronika Richter, Ute Großmann
Die F1 des HC Sachsen spielte mit: Viktorija Sidlovkyte (Tor), Helena Binova 12, Marta Adamkova 2, Jenny Kolewa 5/2, Zlata Bradacova 5, Martina Wiele 5, Alexandra Urbanova 3/1, Slavka Ninkovic 8, Petra Janeckova 6
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