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Verhelfen die „Wunderschuhe“ zu Gold? Radrennprofi Michael Teuber mit den brandneuen Beinorthesen bei den Paralympics in Peking.
Wenn am Sonntag die Paralympics in Peking beginnen, gehört Radrennprofi Michael Teuber zu den heißesten Gold-Kandidaten der deutschen Mannschaft. Bei den „Olympischen Spielen“ für Sportler mit Handicap geht der 40jährige Oberbayer in der Klasse LC4 (Sportler/Innen mit Behinderungen an beiden Beinen) gleich viermal an den Start. In den Disziplinen 3 km-Bahnverfolgung (9.9.) und im Straßenzeit-fahren über 24 km (12.9.) stand Teuber bereits vor vier Jahren in Athen ganz oben auf dem Podium und zählt auch in Peking wieder zu den Topfavoriten.
Der Mann ist ein Phänomen: Auf dem Ergometer schafft Michael Teuber eine Leistung von 320 Watt – Jan Ullrich kam einmal auf 500 Watt. Teuber freilich strampelt mit einem echten Handicap. Von der Oberschenkel-Muskulatur sind bei beiden Beinen nur noch die oberen zwei Drittel vorhanden, darunter ist Teuber gelähmt. Muskeln gibt es keine mehr. „Stramme Wadeln“, wie es sich für einen Radsportler gehört - Fehlanzeige.
Jede einzelne Faser zurückgeholt
Die schwere Behinderung ist die Folge eines Autounfalls des damals 19jährigen Abiturienten mit der niederschmetternden Diagnose „Querschnittlähmung“. „Ich hatte bereits ein Leben im Rollstuhl vor den Augen“, erzählt Teuber, „und den Rolli auch akzeptiert.“ Als sich in der Reha jedoch herausstellte, dass im rechten Oberschenkel ein Rest Sensibilität vorhanden war, ergriff Teuber diesen Strohhalm. Mit eisernem Willen holte er Muskelfaser für Muskelfaser zurück und konnte nach zwei Jahren erstmals auf den Rollstuhl verzichten. Mit Hilfe von Spezialschienen geht Teuber heute mit seiner Frau und der gemeinsamen fünfjährigen Tochter sogar auf ausgedehnte Einkaufsbummel. Wesentlich einfacher als das Laufen fällt Teuber freilich das Radfahren. Außerdem sei Fahrradfahren ein ideales Rehamittel „und die schonenste Möglichkeit, die verbliebene Muskulatur zu reaktivieren.“
Pro Jahr 15.000 Kilometer auf dem Rad
Über den Umweg Mountainbike entdeckte Teuber das Rennrad-fahren. Schon während seines Betriebswirtschaftsstudiums nahm er an Wettkämpfen teil. Seine ersten Paralympics erlebte Teuber 1996 (Atlanta) am Fernseher. Kurz darauf stellte er sich dem Bundestrainer vor und holte schon 1998 bei den Weltmeisterschaften im paralympischen Radsport die ersten beiden Gold-medaillen. Dank der Unterstützung von Sponsoren und der deutschen Sportförderung kann Teuber seit mehreren Jahren unter professionellen Bedingungen trainieren. Bei täglich fünf bis sieben Stunden kommt er auf ein Jahrespensum von rund 15.000 Kilometern. Auch bei der Auswahl des Materials setzt Teuber – wie die Kollegen ohne Handicap - auf erstklassiges Material. Auf der Straße ist Teuber mit einer Karbon-Alu-Maschine von Cannondale unterwegs, das Bahnrad ist eine Spezialanfertigung.
Wegweisend für die Medizintechnik
Für die Rennen in Peking hat Teuber noch ein weiteres As im Ärmel. Zum Einsatz kommen superleichte Orthesen für Unterschenkel und Fuß. Diese High Tech-Schienen sind mit dem Pedal festverbundene Schuhe und stabilisierendes Hilfsmittel zugleich. Entwickelt wurden die neuartigen Orthesen gemeinsam von drei innovativen deutschen Unternehmen. Federführend mit dabei: die Ortema GmbH an der Orthopädischen Klinik Mark-gröningen. Die Zusammenarbeit mit Teuber begann vor rund zwei Jahren mit dem Ziel, eine besonders stabile und dabei extrem leichte Orthese zu entwickeln. „Die Kraft aus meinen Ober-schenkeln sollte möglichst direkt auf die Pedale übertragen werden“, erläutert Teuber. Auf der Suche nach dem „Wunder-schuh“ stießen die Markgröninger Orthopädie-Techniker zunächst an ihre Grenzen. Durch die Zusammenarbeit mit zwei weiteren Unternehmen gelang schließlich der Durchbruch. Nach einem exakten Gipsabdruck von Teubers Beinen erstellte das Münchner Ingenieurbüro Junior&Tacke mit Hilfe der Spezialisten aus Markgröningen ein dreidimensionales Computer¬modell, woraus die ersten Prototypen mit Hilfe des sogenannten Laser-Sinter Verfahrens entstanden. Diesen Part übernahm die Firma EOS aus Krailling bei München, Weltmarktführer in dieser Laser-Technologie. Dabei brennt ein Laser aus einem Kunststoffblock Schicht für Schicht die exakte Schuhform heraus. Die Orthesen mit Spezialverschluss zieht Teuber ähnlich wie einen Skischuh-Heckeinsteiger an. „Dieses neu entwickelte Verfahren könnte für die gesamte Medizin-und Orthopädietechnik wegweisend sein“, betont Ortema-Chef Hartmut Semsch. „Prothesen und Orthesen könnten Menschen mit Behinderung helfen, ihr individuelles Handicap zukünftig noch besser zu kompensieren.“
Michael Teuber jedenfalls ist vom Ergebnis der monatelangen Entwicklungsarbeit begeistert. Die Schalen sind millimetergenau auf seine Anatomie zugeschnitten und sitzen wie eine zweite Haut. Die Tests auf dem Fahrrad verliefen vielversprechend. „In Sekunden oder Minuten lässt sich das nicht ausdrücken“, sagt Teuber augenzwinkernd. Zuviel soll die Konkurrenz vor den entscheidenden Rennen um Gold in China schließlich nicht wissen.
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Vorstellung der Paralympics-Teilnehmer