(Behindertensport)
Nun freuen sich alle auf zu Hause - Deutschland
Bleibende Erinnerung - Beijing
Nun gehen die Spiele des IPC in Beijing zu Ende. Wir haben noch einen Tag vor uns und die Freude auf die Abschlussfeier ist riesengroß. Vor allen die Freude auf unsere Lieben wächst und das wird dann wohl ein weiteres Highlight der Paralympischen Spiele 2008 werden. Die Wiedersehensfreude und das zu Hause locken doch sehr.
Die sportliche Seite der Spiele möchte ich hier nicht betrachten, es gäbe sehr positive Dinge zu berichten, natürlich auch Nachdenkliches bis hin zu Lügen und Intrigen.
Die Sportschützen im Deutschen Behindertensportverband haben ein neues Kapitel aufgeschlagen, aufgeschlagen wurde vor allen ein neues Kapitel im Hinblick auf die Paralympischen Spiele 2012 in London.
Spaß hat es gemacht mit dieser Truppe zu arbeiten, für sie da zu sein und manchmal auch die entscheidende Hilfestellung zu leisten. Wir haben uns gut verkauft, wenn Verkaufen der richtige Ausdruck ist. Nicht unsere Seele, aber einen Teil von uns, den man gern mal leihweise hergibt. Uns ist sehr viel Aufmerksamkeit zu Teil geworden, wir haben gezeigt und bewiesen, dass wir eben unserer sportlichen Tätigkeit auch auf anderen Feldern zu Hause sind. Großes Lob kam von den Medien bekommen, Redakteure, Kamerafrauen und Männer, Tontechniker und die Leute im Studio hatten leichtes Arbeiten mit uns. Viele Zeitungen haben über uns geschrieben und selbst im Rundfunk wurden meine Sportler erwähnt.
Natürlich sind die Medaillen das Wichtigste im Leben eines Sportlers. Zwei meiner Athleten haben sich diesen Traum von Beijing erfüllen können. Manuela Schmermund hat ihre Extraklasse mit Silber in der Disziplin Luftgewehr Frauen 40 Schuss Freihand unter Beweis gestellt. Ebenfall mit dem Luftgewehr war ein ganz besonderer Sportler unseres Kaders erfolgreich. Nach 60 Wertungsschüssen im stehenden Anschlag waren 592 Ringe der verdiente Lohn. Immer bescheiden und zurückhaltend gab es diesmal kein Halten für ihn. Norbert Gau aus Erdweg belegte Rang 2 nach dem Finale und durfte dafür die Silbermedaille in Empfang nehmen.
Es gab viele gute Leistungen, persönliche und so mancher ist über sich hinausgewachsen. Nicht immer wird man dafür mit Edelmetall belohnt, oft sind es dann die kleinen Dinge, ein Lächeln, aufmunternde Worte und die Selbstzufriedenheit etwas Großes geleistet zu haben.
Für Michael Brengmann, Sabine Brogle, Harald Hack, Frank Heitmyer, Manuel Krüger, Doris Kustner, Josef Neumaier und Simon Voit werden die Paralympischen Spiele von Beijing sicherlich in tiefer Erinnerung bleiben.
Als ganz besonderes Zeichen der Wertschätzung meiner Truppe empfinde ich das Hissen einer Flagge vor unseren Block im Olympischen Dorf: Uns Uwe und Team – Danke.
Bin ein bisschen gerührt, ehrlich!!!
Während der Tage im Olympic Green gab es viele Highlights, angefangen von der Begrüßung des Paralympischen Bürgermeisters, einer unvergesslichen Eröffnungsfeier und einem außerordentlichen Empfang in der Deutschen Botschaft. Selbst der Bundespräsident und Gattin waren vor Ort, so dass viele Unterhaltungen mit Sportlern zu Stande gekommen sind. Der Deutsche Club war Anlaufpunkt für Pressenkonferenzen und das Paralympische Dorf war mehr als nur eine Heimat für die Sportler und uns Trainer.
Die chinesische Hauptstadt hat sich uns in einer sehr schönen Art und Weise präsentiert. Erzählungen und Vorbericht waren eher negativ belegt. Ich wollte mir selbst ein Bild machen, war schon mal hier und habe die Stadt in 2006 als sehr positiv empfunden. Beijing ist noch Neuer geworden, groß, für mich fast zu groß. Die Stadt lebt und das in einem unglaublichen Tempo, Stillstand scheint es hier nicht zu geben. Alles das was wir von der mehr als 16 Millionen Metropole gesehen haben, war grün, mit Flüssen und Seen durchzogen. Viele Parks gibt es, Baumbestände aus der Neuzeit. Für Behinderte Menschen, vor allen für Rollstuhlfahrer, sehr geeignet. Ein Anlaufpunkt ist „Houhai“, viele kleine Kneipen an einem See ganz in der Nähe der „Verbotenen Stadt“. Es gibt unzählige Sehenswürdigkeiten in Beijing, natürlich auch alte, sehr alte Bauwerke. Zu der damaligen Zeit gab es noch kein Bewusstsein gegenüber behinderten Mitmenschen, also etwas Nachsicht bei den Äußerungen hinsichtlich der Begehbarkeit historischer Gebäude. Oder hat der Kölner Dom inzwischen einen Außenlift zur Kirchturmspitze?
Ein etwas mäßig vorbereiteter Empfang bei einem der großen Autohersteller, der Größte in Deutschland, auf jeden Fall tragen zwei Buchstaben das Symbol. Dort gab es eine Currywurst, klein, etwas zu Trinken und Aufmerksamkeiten für die Sportler. Die Wurst mag wohl im Umland von Braunschweig schmecken, die Getränke waren ok., nur die Ansprache auf fast holländisch war in meinen Augen voll daneben. Ein Deutscher Autobauer, mit holländischer Ansprache in der chinesischen Hauptstadt, das geht gar nicht. Die Automarke DAF war es übrigens nicht. Ich bin dann lieber wieder gegangen, will ehrlich sein, es hat mir nicht gefallen. Die Currywurst stößt mir immer noch auf.
Shoppen ist noch angesagt, die vielen kleinen Geschäfte im Silk Market sind inzwischen schon fast ein „Muss“ für einen Auswärtigen. Es gibt aber auch sehr teure Geschäfte in Beijing. Alle großen und berühmten Marken sind hier inzwischen zu finden. Die pompösen Auslagen zeigen die Kostbarkeiten der Hersteller und den Reichtum den sich die Chinesen inzwischen erarbeitet haben. Das Besondere an Beijing ist aber, dass sich die Moderne mit dem alten Peking vereinen lässt. Ich hoffe für diese Stadt, dass man einen Weg findet die Gegensätze „anzüglich“ zu machen. Das alte China muss seinen Platz in dieser Stadt behalten.
Jetzt ist es nur noch einen Tag bis zur Abschlussfeier, die ersten Sachen sind gepackt und die Vorfreude auf zu Hause wächst.
Gleich werden Peter, übrigens der weltbeste Physio, und ich in aller Stille mit einander anstoßen. Anstoßen auf wunderbare Spiele die uns wohl ein Leben lang begleiten werden.
Uwe Knapp
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