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(Behindertensport)
Das war der erste Bericht aus Peking
Die Paralympischen Spiele 2008 in Peking oder wie man wohl besser sagt Beijing, haben für mich schon weit im Vorfeld der Spiele begonnen. Eigentlich habe ich die ersten Gedanken an die Spiele im fernen Asien bereits im Stadion bei der Abschlussfeier der Spiele von Athen gehabt. Folkloristisch wurden wir auf China eingestimmt, obwohl noch niemand daran denken durfte dabei zu sein. Auch beim Deutschen Behindertensportverband ist man als Trainer immer wieder im Schussfeuer der Begierlichkeiten, also erst mal kleine Brötchen backen.
Nach und nach hat sich aber immer mehr herauskristallisiert, dass das Trainerteam zusammen bleiben würde. Der Physiotherapeut wollte weiter mit mir zusammenarbeiten und einen neuen Pfleger haben wir auch gefunden. Dies war mir sehr wichtig, da eine Verjüngung der Mannschaft anstand. Verjüngung heißt gleichzeitig Veränderung, aber auch Nichtakzeptieren und Unverständnis bei einigen Sportlern. Nicht alle Entscheidungen wurden kommentarlos hingenommen, so musste auch der Rechtsausschuss über den Verbleib im Kader entscheiden.
Während einer meiner Reisen in die Mongolei, wo ich Trainer für den Schießsport ausgebildet habe, durfte ich gleichzeitig auch China besuchen. Als erster Westeuropäer durfte ich mir einige Wettkampfstätten ansehen. Wichtig war mir natürlich der Schießstand. Was ich gesehen habe, obwohl noch im Rohzustand, war eine gigantischen Schießsportanlage. In diesem Augenblick ist bei mir das Feuer für die Paralympischen Spiele 2008 in Beijing entfacht worden.
Über die großen anstehenden Wettkämpfe in den Jahren 2005 und 2006, wie Europa- und Weltmeisterschaften, haben wir versucht ein neues Team zu bilden. Es gab neue Gesichter, aber der große Durchbruch ist ausgeblieben. Leider gab es innerhalb der Mannschaft Strömungen, die alles andere als Harmonie zuließen. Wieder wurde der Kader verändert, ruhiger wurde es aber erst zur Saison 2007. Leider haben wir durch den Kampf auf Nebenschauplätzen und Vergeudung unserer Ressourcen sehr viel Kraft und Leidenschaft verloren. Dies hat sich auf den Kader niedergeschlagen. Die Leidenschaft am sportlichen Tun für die Mannschaft und den Verband ist aber schnell wieder zurückgekehrt. Die Offenen Europameisterschaften 2007 im eigenen Land, im thüringischen Suhl, waren das vorausgesagte sportliche Highlight. Nur blieben die sportlichen Erfolge für uns aus. Man konnte es gerade noch als Standortbestimmung verkaufen, mehr aber nicht. Trotz allem ging ein Ruck durch die gesamte Mannschaft, so dass man am Ende des Jahres gestärkt und vereint an die Aufgabe Beijing 2008 herangehen konnte.
Im Olympischen Jahr ging es dann von Länderkampf zu Länderkampf, von Ausscheidung zu Ausscheidung. Eine Qual die sich jeder Athlet stellen musste, will man doch die Farben Deutschlands beim größten Sportereignis für Menschen mit Behinderungen vertreten. Erst nach dem letzten Nominierungsschießen standen die zehn Namen für mich fest. Diese Namen erhielten nun Gesichter und wurden der Nominierungskommission des DBS zur Entscheidung vorgeschlagen. Die Nominierung erfolgte in Hamburg an einem ehrwürdigen Platz. Allen meinen Vorschlägen wurde gefolgt. Ein tolles und schlagkräftiges Team für die Spiele war gefunden. Zunächst blieb es auch ruhig, aber dann war auf einmal die Nominierung keine Nominierung mehr. Eine Sportlerin musste weichen, eine andere kam ins Team. Was heißt hier Team? Wir sind doch eine Einzelsportart, aber nur auf dem Papier. Gerade bei uns Sportschützen ist es enorm wichtig eine geschlossen homogene Einheit hinter sich zu haben. Diese wurde in diesem Augenblick gesprengt. Was ich nicht für möglich gehalten habe, es hat nur kurze Zeit gedauert bis fast alle wieder auf Kurs waren. Die Wunden scheinen nach Außen hin geheilt. Das Team hat dann schnell in den Alltag zurückgefunden und hat sich auf das Wesentliche konzentriert.
In den letzten Wochen vor den Spielen war noch sehr viel zu erledigen. Neben Lehrgängen, einer ganz tollen Verabschiedung meiner Sportler im Waffenmuseum und im Ringberg Hotel in Suhl, der Einkleidung in Mainz haben die administrativen Belange einen großen Platz im täglichen Tun für die Spiele in Beijing eingenommen. Vor lauter Schreibereien hätten wir fast das Aufeinandertreffen mit der Russischen Nationalmannschaft vergessen. Im niedersächsischen Barchel, einem kleinen Ort in der Nähe von Bremervörde, haben die Pistolenschützen Manuel Krüger und Frank Heitmeyer gezeigt was in ihnen steckt. Die Generalprobe war geglückt und der Trainer Vladislav Liaschenko beeindruckt. Die Sportler mit der Sichel auf der Brust konterten, lieferten Topergebnisse von 586 und 585 Ringen mit der Sportpistole ab.
Aber jetzt wo die Koffer gepackt sind, ein großer Teil der Ausrüstung bereits China erreicht hat, wird man doch etwas ruhiger. Eine gewisse Anspannung ist zu spüren, bei allen, obwohl jeder Sportler, Trainer oder Betreuer das Ticket in Richtung fernen Osten in der Hand hält. Am kommenden Freitag startet das Team der Sportschützen des Deutschen Behindertensportverbandes über Frankfurt zu den Paralympischen Spielen 2008 in Beijing. Am Nachmittag nehmen alle Mannschaftsmitglieder noch an der offiziellen Verabschiedung auf dem Frankfurter Flughafen teil, bevor die Lufthansa Maschine um 17:20 Uhr in Richtung Peking starten wird.
Uwe Knapp
Stichwörter:
Behindertensport,
Sportschiessen