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Nach 10 Minuten auf der Überholspur

18.01.2011
Handball Bundesliga: Nach 10 Minuten auf der Überholspur
Foto: keine Quelle wurde angegeben
 

(Handball Bundesliga) HC Sachsen F1 vs. Wacker Osterwald 27:19 (14:7)

Ein Rumpelstilzchen ist sie nicht. Aber nach dem bedenklich schwachen Rückrundenauftakt in Leipzig sah sich wocheneingangs Bärbel Wessel zu einer zwar nicht lauten, aber dafür bestimmten Ansprache an ihr Team veranlasst und legte dann unmissverständlich erst einmal eine athletisch verschärfte Trainingseinheit ein. Das, und ein leistungssportlich angekratzter Ehrgeiz ihrer Damen, hat seine Wirkung nicht verfehlt. Zu dem am heutigen Nachmittag in der „factum arena“ souverän und ungefährdet herausgespielten 27:19 (14:7) Heimsieg gegen den Tabellennachbarn aus Osterwald konnte Bärbel Wessel daher auf der Trainertalkrunde nach dem Spiel zufrieden feststellen: „ Die Mannschaft hat das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Und die positiven Emotionen waren da.“ Wie die HCS-Damen heute zur Sache zu gehen gedachten, machte Jenny Kolewa gleich zu Beginn mit kämpferischem Einsatz deutlich, als sie nach dem Anwurf der Gäste nach 35 Sekunden heraustretend energisch in deren Positionsspiel ging und mit ihrer Balleroberung den ersten HCS-Gegenzug einleitete, mit dem Alexandra Urbanova noch an der Gästetorhüterin scheiterte. Diese konzentrierte Präsenz zeigte im weiteren das ganze Team, ob Stamm- oder durchgewechselte Formation. Zehn Minuten brauchte es, bis über den Kampfgeist auch der Spielfluss und die Kombinationssicherheit gefunden waren. Dann setzten sich die HCS-Damen mit 3 Toren in Folge vom 4:4 auf 7:4 ab, Wacker-Coach Dirk Pauling erkannte, dass Schlimmeres drohte und rief seine Damen per Timeout zur taktischen Ansprache zusammen. Es gelang ihm damit aber nicht, die HCS-Damen entscheidend im Konzept zu stören. Die herausragende Wacker-Aktrice Inga Trautmann, die die HCS-Abwehr in der Anfangsphase vor einige Probleme stellte und die über das ganze Spiel auch bei offensiverer Deckung nie ganz auszuschalten war, und Außen Jana Seegers allein waren zu wenig, um die immer sattelfester agierende HCS-Abwehr dauerhaft in Verlegenheit zu bringen. Und hinter der stand, im Fall der Fälle, auch noch eine, zumindest in der ersten Halbzeit, glänzend aufgelegte Viktorija Sidlovskyte, die sich zum Penalty-Killer entwickelte. Im Angriff gaben die spieltechnisch disziplinierten HCS-Damen den Gästen wenig Gelegenheit, mit Balleroberungen ihr bevorzugtes Konterspiel aufzuziehen. Und wenn doch einmal ein Ball verloren wurde, dann stimmte das Rückzugsverhalten. Ab der 20. Minute und mit der Einwechslung von Melanie Baier, die sogleich mit intelligentem Kreisanspiel das 10:6 durch Helena Binova einfädelte und im nächsten Angriff selbst das 11:6 markierte, sorgten die HCS-Damen dann für die vorzeitige Entscheidung und bauten ihren Vorsprung auf 7 Tore aus. Man hatte nicht den Eindruck, dass da noch was „anbrennen“ könnte. Zu entschlossen waren die HCS-Damen aufgetreten. Da Bärbel Wessel, für HCS-Verhältnisse ungewohnt, beinahe eine „volle Bank“ aufbieten konnte, nutzte sie angesichts des sicheren Vorsprungs die zweite Halbzeit, um munter durchzuwechseln und Formationsvarianten auszuprobieren. Die Einwechselungen waren dabei so „wohldosiert“, dass zu keiner Zeit der Spielfaden riß oder der Verlust der Spieldominanz drohte. So gelang es Osterwald auch nicht, den Rückstand auf weniger als 6 Tore zu verkürzen. Denn sofort zogen die HCS-Damen dann wieder an, so vom 16:10 in der 36. auf 20:12 in der 41. Minute, vom 20:14 in der 43. auf 22: 14 in der 44. und vom 23:17 in der 55. und 27:19 in der 59. Minute. Eine offensive Schwächephase, auch durch Unterzahlspiel bedingt, zog sich von der 48. bis zur 55. Minute, zwei Pfostenkracher von Alexandra Urbanova und Marta Adamkova, vier Angriffe wurden verworfen oder durch Regelwidrigkeiten abgepfiffen. Aber da die Wacker-Damen ebenso schwächelten, - Anne Naumann im Tor für Viktorija Sidlovskyte führte sich mit zweimaliger Mitarbeit des Torgebälks ein -, tat sich auf der Ergebnisanzeige nichts. Es war vielleicht die Ruhe vor dem Sturm. Denn die letzten fünf Minuten fielen dagegen noch mal richtig lebhaft aus. Mit einem eleganten Heber stellte schließlich Zlata Bradacova auf Anspiel von Marta Adamkova den 27:19 Endstand her . Sozusagen das Pünktchen auf das i. Sieht man so auf den Spielplan, sollten eigentlich nun noch zahlreiche weitere Pünktchen darauf folgen . Nicht nur Bärbel Wessel war mit Verlauf und Ausgang des Spiels zufrieden. Auch Gästecoach Dirk Pauling meinte etwas ironisch, dass sein Team, das das Hinspiel „mit voller Bank“ 22:31 verloren hatte, heute mit verletzungsbedingt nur 10 Spielerinnen sich vergleichsweise besser verkauft habe. Wahrscheinlich hatte man in Osterwald mit Ärgerem gerechnet. Und zufrieden war auch Melanie Baier bei ihrem Heimdebüt. Definitiv angekommen sei sie und es mache Spaß, befand die Bärbel Wessel auf der Talkrunde begleitende Rückraumspielerin, die in der Winterpause vom TV Grenzach zum HC Sachsen wechselte, zu ihrer neuen handballerischen „Wirkungsstätte“. So soll`s sein. Der HC Sachsen spielte mit: Viktorija Sidlovskyte, Katarzyna Wiekiera, Anne Naumann (alle Tor), Helena Binova 5, Martina Wiele 1, Marta Adamkova 2, Melanie Baier 4, Nicole Eckhardt, Alexandra Urbanova 3/1, Slavka Ninkovic 1, Jenny Kolewa 5, Petra Janeckova 4, Zlata Bradacova 2 Das Spiel im Zeitraffer: 1:0 (2.), 3:2 (6.), 4:4 (9.), 7:4 (15.), 10:6 (22.), 14:7 (29.) – 15:7 (31.), 16:9 (35.), 18:11 (40.), 22:14 (45.), 23:16 (48.), 24:17 (55.), 27:19 (59.)

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