Mit einem am Ende deutlichen 31:19 (14:10) gewann heute nachmittag in der ordentlich besuchten „factum arena“ im Sportforum Neustadt Bärbel Wessels Team auch ihre dritte Punktspielbegnung in der neuen 3. Liga, Staffel Ost gegen Eintracht Hildesheim.
Damit rangiert der Sachsenmeister und Aufsteiger weiterhin punktgleich hinter der Bundsligareserve von Blomberg-Lippe auf dem zweiten Tabellenplatz. Der gelungene Saisoneinstieg ist umso höher zu bewerten, als die Damen des HC Sachsen nach unglücklich gescheiterten Transferbemühungen zur Verstärkung des Teams in der Sommerpause derzeit (noch) als eine „(Zwei-)Handvoll Verschworenengemeinschaft“ auflaufen.
Nicht nur der Gastgeber, die F1 des HC Sachsen, auch die Gäste der Eintracht aus Hildesheim mussten heute mit engem Kader antreten. Beim HCS fehlte Linksaußen Petra Janeckova wegen eines in Garbsen gebrochenen Fingers, Martina Wiele rückte auf dieser Position nach und Nicole Eckhardt aus der zweiten Mannschaft ergänzte die Wechselbank. Bei den Gästen fehlte es im Rückraum, neben Goalgetterin Anja Grüneberg (RL) sollte Anja Schmidt (RR) das Hildesheimer Spiel tragen. Das Spiel "10 gegen 11" verlief bis zur 6. Minute und einer 4:2 Führung der Heimmannschaft aus Sicht der HCS-Damen „planmäßig“. Dann begann sich beim Gastgeber aber Nervosität einzuschleichen, es unterliefen einige seit langem nicht mehr gesehene technische Fehler, der lockere Kombinationsfluß stockte, es wurde insgesamt zu kompliziert gespielt. Zum Glück konnte Hildesheim kein Kapital aus dieser Schwäche schlagen, in der 10.Minute erhöhte Alexandra Urbanova auf 5:2. Damit schien sich das Spiel der HCS-Damen, trotz eines verworfrenen 7-m, wieder zu fangen, mit Tipvorlage von Marta Adamkova baute die das ganze Spiel eng genommene Helena Binova in der 15. Minute den Vorsprung auf 4 Tore zum 8:4 aus.Eintracht-Coach Timo Liepelt unterbrach mit Time-Out, bevor hier weiter Fahrt aufgenommen werden konnte. Die taktische Maßnahme fruchtete. Zuerst war es die auffällige Anja Grünberger, dann Rechtsaußen Adriana Siegel, die die Eintracht im Spiel hielten. Mehr als vier Tore Vorsprung wurden es deshalb für die Gastgeber bis zur Halbzeit nicht, und es waren Viktorija Sidlovskyte und das Torgebälk, die verhinderten, dass Hildesheim sogar noch näher herankam.
„Man muß wohl noch warten, bis sie müde wird, so ein Pensum steht niemand 60 Minuten durch“, befand HCS-Präsident Jens Kade zur Halbzeit und meinte damit Eintracht-Aktivposten Anja Grüneberg, die sich enorm ins Zeug gelegt hatte, umsomehr, als ihre Rückraummitspielerin Anja Schmidt keinen guten Tag erwischt hatte und somit die Gestaltung des Eintrachtspiels wesentlich auf ihren Schultern lag. Eintracht-Coach Timo Liepelt hatte zur Anreise angekündigt, dass man den favorisierten Gastgeber so lange wie möglich fordern wolle und seine Damen schienen diese Marschroute verinnerlicht zu haben. Während die HCS-Damen den Einstieg regelrecht verschliefen, eröffneten die Hildesheimerinnen die zweite Halbzeit mit viel Schwung. Unterzahlspiel, zwei weitere verworfene 7-m, überhastet abgeschlossene Angriffe und mit Kontern bestrafte Abspielfehler ließen den Vorsprung der HCS-Damen abschmelzen und in der 38. Minute prangte ein Zwischenstand von 15:15 auf der Anzeigetafel.
„Nö,“ antwortete der von Bärbel Wessel "abkommandierte" HC Sachsen-Co-Trainer Stefan Große auf der Talkrunde nach dem Spiel lapidar auf die Frage, ob ihm angesichts dieser Schwächephase der HCS-Damen „bange“ geworden wäre, „dieses Team ist moralisch intakt und kann so was wegstecken. Außerdem haben wir Kondition für 60 Minuten.“ Tatsächlich trat das ein, was HCS-Präsident Jens Kade vorhergesehen hatte. Mit dem 16:15 in der 39. Minute durch einen von Slavka Ninkovic artistisch verwandelten 7-m wurde ein unwiderstehlicher 7:0 Lauf eingeleitet, mit dem die Gastgeberinnen binnen zehn Minuten auf 22:15 davonzogen und die Spielentscheidung herbeiführten. „Ab der 40. Minute waren wir platt,“ drückte Timo Liepelt seine Enttäuschung über den Spielverlauf aus, „dann wurden wir abgeschossen.“
Tatsächlich machten die HCS-Damen im souveränen Finish die teilweisen Schwächen in der ersten und zu Beginn der zweiten Halbzeit vergessen. Insb. Alexandra Urbanova und Slavka Ninkovic drehten noch mal richtig auf und lieferten großes Kino ab. Berücksichtigt man den Spielverlauf der ersten 40 Minuten und einiges Latten- und Pfostenpech, dann wurden die Eintracht-Damen vielleicht ein paar Tore zu hoch besiegt. Es zeichnet aber ein cleveres Team aus, dass es einen Gegner auszuspielen versteht, wenn dieser die Grenzen seiner Möglichkeiten erreicht hat. Bis zur Schlusssirene. „Dieser Kader hat Teamgeist und Kondition und spielt ökonomisch,“ befand Stefan Grosse, „das wiegt alle Positionen zwei- bis dreifach besetzt durchaus auf. Und eine Garantie, gleich auf Zweitliganiveau zu spielen ist eine prallvollbesetzte Bank ja auch nicht.“ Womit er, sieht man sich die Wocheendergebnisse in dieser oder jener Liga an, wohl recht hat.Beste beim HCS heute: Marta Adamkova, souveräne und umsichtige „Chefin im Ring“, weiß genau, wann zugelegt werden muß, 60 Minuten vorne, hinten, überall zu finden. Sogar am 7-m Punkt. Da sagt aber eine alte Fußballerweisheit: „Der Gefaulte soll nicht selbst antreten“; gilt offenbar auch im Handball...
Der HC Sachsen spielte mit:Viktorija Sidlovskyte (1-45.), Katarzyna Wiekiera (45.-60.) beide Tor, Helena Binova 1, Martina Wiele 4, Marta Adamkova 5, Alexandra Urbanova 7, Jenny Kolewa 5/1, Zlata Bradacova 2, Slavka Ninkovic 7/3, Nicole Eckhardt
Das Spiel im Zeitraffer: 0:1 (1.), 4:2 (6.), 5:2 (10.), 8:4 (15.), 11:7 (21.), 13:8 (25.), 14:10 – 14:11 (33.), 15:13 (35.), 17:15 (40.), 20:15 (45.), 24:16 (50.), 27:18 (55.), 31:19.
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