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Der FC Barcelona räumt bei der Wahl zum „Weltfußballer des Jahres“ alles ab: Lionel Messi, Andrés Iniesta und Xavi Hernandez belegen die Plätze eins, zwei und drei.
Der FC Barcelona ist einmal mehr „mehr als ein Verein“.
„Gold für Messi, Ehre für Barça!“ So (oder so ähnlich) fassten heute die katalanischen Tageszeitungen die gestrige Wahl zum „Weltfußballer des Jahres“ (genauer: „FIFA Ballon d’Or“-Preisträgers) zusammen. In der Tat: Hinter Lionel Messi (22 Prozent der Stimmen), der mit seinen 23 Lenzen bereits zweimal Zweiter (2007, 2008) und einmal Erster (2009) war, belegten seine Club-Kameraden Iniesta (17 Prozent) und Xavi (16 Prozent) die Plätze zwei und drei. Das gab es noch nie: Drei Spieler aus einem Verein an der Spitze.
Zudem sind sechs aktuelle Barça-Spieler in die FIFA-Elf 2010 berufen worden, neben Messi, Iniesta und Xavi die Abwehrrecken Puyol und Piquet sowie Stürmer David Villa. Auch das gab es noch nie. Der FC Barcelona erweist sich einmal mehr als der Stolz der Region, als Ausdruck des katalanischen Selbstbewusstsein und wird – wieder einmal, diesmal rein sportlich – seinem ambitionierten Motto gerecht: „més que un Club“ („mehr als ein Verein“).
Sportlich bietet Barcelona mehr als jeder andere Verein. Doch damit ist das „Phänomen Barça“ nur beschrieben, nicht erklärt. Um sich einer Erklärung zu nähern, bedarf es der Kenntnis eines weiteren Details: Alle Barça-Spieler der FIFA-Elf (außer Neuzugang Villa) kommen aus der eigenen Jugend. Die hervorragende Arbeit an der Basis zahlt sich aus: Nach nur sporadischen Erfolgen in den 1990er Jahren, in denen eine zusammengewürfelte Truppe voller Holland-Importe das bau-violette Leibchen trug, kehrte man zur intensiven Aufbauarbeit und damit zum systematischen Erfolg zurück. Barça hatte verstanden: Wer ernten will, muss säen. Der Lohn: Zahlreiche Titel, unter anderem die Champions-League-Siege 2006 und 2009. Die FIFA zeichnete den FC Barcelona als besten Verein des ersten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert aus. Und: Mit seinen jungen Stars und dem scheinbar nicht versiegenden Zustrom an guten Nachwuchsspielern gehört Barça die Zukunft – in Spanien und in Europa.
Dauerrivale und Liga-Konkurrent Real Madrid bleibt unterdessen nur die Erinnerung an die Vergangenheit. Der „beste Club des 20. Jahrhunderts“ (FIFA), der neunmal die Champions League gewann (zuletzt 2002), setzt auf ein anderes Pferd: Investition in „fertige“ Spieler. Über 1 Milliarde Euro hat man seit dem Jahr 2000 für neue Arbeitskräfte ausgegeben. Die meisten von ihnen zogen nach maximal zwei, drei Spielzeiten mehr oder weniger enttäuscht von dannen. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit rechnet man in Barcelona den Hauptstädtern hämisch vor, wie teuer ihr Team ist, während das eigene kaum mehr gekostet hat als ein Regionalligaclub. Besonders dann, wenn man die Kosten in ein für die Madrider wenig schmeichelhaftes Verhältnis zum tatsächlichen Erfolg setzen kann, wie nach dem 5:0 im letzten Derby (29.11.2010). Es muss Spaß machen, auszurechnen, wie viel Real mal wieder hinblättern musste, um am Ende doch mit leeren Händen da zu stehen. Zweihundert Millionen Euro für null Tore – keine gute Bilanz. Immerhin: Die Königlichen haben in Jose Mourinho den „Trainer des Jahres“.
Doch eines scheint klar zu sein: Das Modell Barça hat sich durchgesetzt. Es ist ein Modell für eine Gesellschaft, die dem Wachsen und Lernen Raum gibt und statt des schnellen Erfolgs auf Nachhaltigkeit setzt. Das ist vorbildlich, weit über den Fußball hinaus. Auch in dieser Hinsicht ist der FC Barcelona „mehr als ein Verein“: Er ist Lehrmeister der Leistungsgesellschaft.
(Josef Bordat)
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