(Leichtathletik)
Welch ein Auftakt für unsere Athleten. Nachdem Antje Möldner schon am Morgen mit einem neuen Deutschen Rekord im 3000 Meter Hindernislauf für Aufsehen sorgte, rundete Ralf Bartels den ersten WM-Tag mit Edelmetall ab.
Ich wusste zwar, dass Ralf nervenstark ist und hinten raus immer noch mal kontern kann, mit einer Medaille hatte ich aber eigentlich nicht gerechnet. Der ehemalige Europameister ist schwer in die Saison gekommen nach seinen Verletzungen im Jahr zuvor. Umso größer ist natürlich die Freude über das erste Edelmetall, das er auch noch mit persönlicher Bestleistung holte. Besser geht es eigentlich nicht. Auch für die anderen Athleten kann das eine befreiende Wirkung haben, den Druck von ihren Schultern nehmen und für den eigenen Wettkampf motivieren.
Gerade unsere beiden Kugelstoßerinnen Nadine Kleinert und Denise Hinrichs lassen sich hoffentlich von Ralfs Erfolg mitreißen. Ihr Wettbewerb steht heute Abend an und ich bin schon sehr gespannt, vor allem auf meine Teamkollegin Denise Hinrichs. Aber auch Nadine ist derzeit in einer Bombenform. Einer weiteren Teamkollegin aus Wattenscheid, Sabine Kranz, wünsche ich, dass sie im 20 Kilometer Gehen den Heimvorteil umsetzen kann und ihr Ziel erreicht, unter die Top Ten zu kommen. Die Chancen dafür stehen gut auf der schönen Strecke Unter den Linden, mitten in Berlin.
Auch die Siebenkämpferinnen haben sich heute prima verkauft. Jennifer Oeser glänzte mit einer persönlichen Bestleistung nach der anderen. Bisher hat ihr der erste Tag von den Disziplinen aber auch immer mehr gelegen. Es wird schwer heute, wenn sie aber auf der Welle des Erfolges weiterschwimmt, erleben wir in diesem Wettbewerb vielleicht schon die nächste Überraschung. Das Publikum wird sicher auch seinen Anteil daran haben, denn im Sieben- oder Zehnkampf wird der Athlet eben auch sieben- oder zehnmal von der Woge der Begeisterung getragen.
Unser Teamgeist scheint im Übrigen zu stimmen. Ich habe den Eindruck, die Athleten haben die Tage im gemeinsamen Trainingslager in Kienbaum genutzt, um sich gut auf die Wettbewerbe einzustellen. Und unsere Sportler waren ja auch alle vor Ort, nicht so wie die jamaikanische Mannschaft, die ja schon im Vorfeld ihre Querelen hatte.
Die Vorläufe über 100 Meter lieferten gestern schon einen Vorgeschmack auf das große Finale heute Abend. Die Dominanz der drei großen Sprinter, Usain Bolt, Tyson Gay und Asafa Powell wurde deutlich. Es wird ja viel diskutiert, ob das Verhalten eines Usain Bolts arrogant sei, so spielerisch wie er über die Ziellinie läuft. Dazu ist zu sagen, dass die Jungs natürlich auch unter Anspannung stehen. Der Druck der auf ihnen lastet ist immens, die ganze Welt schaut zu. Wenn sie merken es läuft alles rund, freuen sie sich natürlich auch dementsprechend. Ich würde in diesem Falle nicht von Arroganz ausgehen. Für das Finale will ich keine Prognosen abgeben, es treffen die besten der Welt aufeinander, da kann alles passieren.
Die WM hat stimmungsvoll und erfolgreich begonnen. Nach diesem Muster kann es gerne weitergehen, dann werden wir noch viel Spaß haben.
Euer Jan Fitschen
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