Zwuggel |
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8130 Aufrufe | 5 Kommentare | 22.07.2009 |
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(Fußball) Die zwei größten Thüringer Vereine, Carl Zeiss Jena und Rot-Weiß Erfurt. Sie verbindet viel, Tradition, Große Erfolge in der DDR-Oberliga und die hervorragende Nachwuchsarbeit. Das ist aber auch schon das einzige, denn wenn sie aufeinandertreffen, sind Krawalle vorprogrammiert.
Am 14.2.2009 war es mal wieder so weit. Die zwei größten Thüringer Fußballvereine standen sich gegenüber. Dass dieses Spiel kein normales und friedliches Fußballspiel werden würde, war allen von vornherein klar. Aber es sollte nicht nur das sonst so spektakuläre Derby mit viel Polizei, Schlägerei und Rauchbomben werden, worüber nach ein paar Tagen kein Mensch mehr redet. Es sollte ein Beispiel wie aus dem Bilderbuch werden. Ein Beispiel dafür, dass man mit Krawallen nicht dem Gegner schadet, sondern auch dem eigenen Verein.
Aber fangen wir von vorne an:
Vor dem Spiel
Bereits vor dem Spiel wurden einige Einschränkungen bekannt gegeben. Das lief vor allem auf die strikte Trennung der beiden Fangruppen hinaus. Die Fans sollten durch getrennte Eingänge in das Stadion kommen. So sollten Ausschreitungen schon vor dem Spiel vermieden werden. Außerdem wurden Teile der Tribüne gesperrt. Teile der Jenaer Südkurve, des Gästeblocks und der Zusatztribüne (die extra für das Spiel gegen Schalke gebaut wurde) wurden gesperrt um einen größeren Abstand zu wahren. Außerdem wurde der Block A der Haupttribüne gesperrt, da beim Spiel gegen Dynamo Dresden einige Gästefans von diesem Block aus in den Innenraum gelangt waren. Durch die ganzen Absperrungen kam man auf eine Kapazität von 13.500, obwohl man eigentlich Platz für 17.700 Zuschauer hätte.
Die Erfurter Fans wurden von der Polizei zum Stadion geführt. Die Jenaer wurden gebeten den Bereich zwischen dem Paradies-Bahnhof und dem Eingang „Saaleseite“, durch den die Erfurter das Stadion betraten, zu meiden. Personen, die nicht zu den Anhängern der Gäste gehörten, wurden von der Polizei abgewiesen.
Durch die sehr gute Organisation der Polizisten VOR dem Stadion kam es vor dem Spiel zu keinen nennenswerten Aktionen.
Während dem Spiel
Das Spiel an sich war nichts, was sich ein Fußballfan wünschen würde. Wie bei den Derbys üblich sahen die Zuschauer eine emotionsgeladene und mitunter hektische Begegnung, Aber diesmal kam noch hinzu, dass die spielerische Leistung auf beiden Seiten nicht wirklich überzeugte. In der 59. Minute dann der Führungstreffer für die Erfurter durch Massimo Cannizzaro. Es schien so, als ob es diesmal im Stadion Verhältnisweise ruhig bleiben sollte. Doch wer das dachte, der freute sich zu früh. Drei Minuten vor dem regulären Abpfiff begannen die Erfurter Fans Rauchbomben und Bengalische Fackeln zu zünden. Der Stadionsprecher versuchte im Freundlichen darauf hinzuweisen: “Ein Hinweis an unsere Gästefans: Unterlassen sie das abfeuern von Bengalischen Fackeln und Rauchbomben im Ernst-Abbe-Sportfeld! Sie Schaden damit nur ihrem Verein“. Doch anstatt auf die Ansage zu hören, kamen nun auch noch Feuerwerkskörper dazu. Die Feuerwehr musste vom Innenraum aus versuchen zu löschen.
Die Jenaer Fans waren natürlich wütend, ließen sich aber nicht zu gleichartigen Aktionen hinreißen. Stattdessen zeigten sie ihren Unmut mit ihren Gesängen wie „Erfurt Schweine“ oder „Schweine RWE“.
Während die Jenafans weiter sangen und die Erfurtfans weiter zündeten, unterbrach Schiedsrichter Tobias Welz die Partie. Während sich viele Spieler in die Kabine begaben, versuchten einige Erfurter Spieler, darunter auch der Torschütze Cannizzaro und der Trainer Karsten Baumann, die Lage zu beruhigen.
Nach etwa fünf Minuten wurde die Partie weitergeführt. Und nun geschah das, was was der Stadionsprecher kurz vorher angesprochen hatte:
Die Jenaer, die bis dahin keine Chance hatten und froh sein konnten, dass sie nur mit 0:1 hinten lagen, hatten auf einmal das Spiel in der Hand. Deshalb war es nicht sehr verwunderlich, dass Exauce Mayombo kurz vor dem Abpfiff noch den Ausgleich für Jena erzielte.
Nach dem Spiel
Die Jenaer hatten natürlich Grund zum Jubeln. Sie bedankten sich sogar bei den Erfurter Fans, die diesen Punktgewinn erst möglich gemacht hatten.
Auf Erfurter Seite war die Wut, über die „20 Volldeppen“, wie die Spieler die Schuldigen später bezeichneten, riesig. Der Trainer, Karsten Baumann, sagt auf die Frage, was er von dem Spiel halte nur:“ Ich möchte mich heute herzlich bei unseren Fans bedanken, die das Unentschieden erst möglich gemacht haben“
Sport-Geschäftsführer Carsten Linke von Carl Zeiss Jena über seine Fans:“ Wie sich die Jenaer Fans zum Derby verhalten haben, war absolut vorbildlich“
Katrin Sander, Leiterin der Polizeiinspektion Jena über die Jenaer Fans:“ Die Jenaer Fans haben sich absolut fair verhalten. Es gab keinerlei Vorkommnisse mit Jena-Fans - weder im noch außerhalb des Stadions. Mir ist vom Abbrennen von Feuerwerkskörpern auf Jenaer Seite nichts bekannt. Aus Jenaer Zuschauerbereichen wurde nach unserer Beobachtung definitiv nichts geworfen.“
Ein Polizist, auf die Frage, wie die Rauchbomben und Feuerwerkskörper in das Stadion gelangen konnten:„Es ist schwierig. Wir haben 1350 Gästefans heute dagehabt. Da wird natürlich nicht jeder Einzelne kontrolliert am Eingang und dass da auf der ein oder anderen Seite was mit durchrutsch, kann man nicht ganz verhindern."
Meine Meinung
Ich weiß, dass dieses Spiel schon etwas länger her ist, aber ich will mit dem Artikel einfach mal ein paar Dinge zeigen.
1. Es ist nicht immer so, dass die beiden Verein auf Teufel komm raus Krawalle provozieren. Es sind immer nur vereinzelte (Wie Cannizzaro so schön sagte:) Volldeppen, die sich nicht unter Kontrolle haben. Leider muss man auch sagen, dass die letzten Aktionen immer häufiger von Erfurter "Fans" begonnnen wurden.
2. Es ist aber auch ein Paradebeispiel dafür, wie man sich damit selber schaden kann. Das Stadionverbot wird den 20 Chaoten nichts ausmachen, wer weiß wie oft sie das schon bekommen haben. Aber dass ihre Mannschaft, auf die sie so stolz sind, mit ihrer Aktion um den Sieg gebracht haben, dass wird ihnen mehr zu denken geben, als all die Geldstrafen, die sie dem Verein schon eingebracht haben.
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