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Gestern fand im Berliner Olympiastadion das 69. Internationale Stadionfest (ISTAF) statt. Höhepunkt: David Rudisha (Kenia) läuft Weltrekord über die 800 Meter.
Gestern fand im Berliner Olympiastadion das 69. Internationale Stadionfest (ISTAF) statt. Es ist das traditionsreichste deutsche Leichtathletik-Meeting. Die Teilnehmerfelder waren attraktiv, die Ränge gut gefüllt – fast 50.000 Zuschauer fanden den Weg an die blaue Bahn, die vor genau einem Jahr Schauplatz der IAAF-WM war.
Leider gab es auch einige Absagen. Auf Jamaikas Nr. 2 über die 100 Meter, Asafa Powell, warteten die Leichtathletik-Freunde ebenso vergeblich wie auf Diskus-Altmeister Virgilius Alekna. Das kann unterschiedliche Gründe haben, zumeist sind Verletzungen die Ursache für ein kurzfristiges Fernbleiben.
Doch vielleicht spielt auch das reduzierte Budget eine Rolle. Das einstige „Golden League“-Meeting hat erheblich abgespeckt: Der Etat sank von 2,5 auf 1,6 Mio. Euro. Die WM-Stadt Berlin spielt auch in der Leichtathletik nur noch in der Zweiten Liga, die hier „World Challenge“ heißt, während die Elite-Serie seit dieser Saison von 6 auf 14 Stationen erweitert ist und als „Diamond League“ vermarktet wird – ohne ISTAF, ohne Berlin.
Das heißt aber nicht, dass es beim ISTAF nichts zu erleben gibt. Im Gegenteil: der erste Weltrekord auf der Bahn wurde nicht in Oslo, London oder Zürich erzielt, sondern im Berliner Olympiastadion. David Rudisha aus Kenia lief gestern die 800 Meter so schnell, wie niemand zuvor. Mit 1:41,09 Minuten verbesserte er die 13 Jahre alte Bestmarke von Wilson Kipketer um 2 Hundertstel Sekunden. Man muss auch bei den Propheten nicht unbedingt über die Zweite Liga hinauskommen, um zu sagen, dass diese Leistung nicht das letzte Wort des ehemaligen Junioren-Weltmeisters gewesen sein wird. Mit seinen 21 Jahren hat er die beste Mittelstreckler-Zeit noch vor sich – und die besten Zeiten wohl auch. Er könnte der erste Mensch werden, der die zwei Stadionrunden unter 1:40 läuft.
Und sonst? Für die Medaillengewinner der Europameisterschaften von Barcelona in den Laufdisziplinen sind die Meetings eine gute Möglichkeit, auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen. Da es in der Leichtathletik genaue Ergebnisse gibt, die die Athleten über Zeit und Raum hinweg vergleichbar machen, ist das zwar auch mit einem kurzen Blick in die Weltjahresbestenliste möglich, aber das ist immer noch was anderes, als im direkten Vergleich hinterherzulaufen, wie Lokalmatador Carsten Schlangen als Neunter über die 1500 Meter. Er wird es als EM-Zweiter bei den kommenden Weltmeisterschaften schwer haben, in den Endlauf zu kommen, ebenso wie Sprint-Europameisterin Verena Sailer, die in ihrem Lauf über 100 Meter immerhin Dritte wurde.
Deutschlands erfolgreiche Techniker – Hochspringerin Friedrich, Weitspringer Reif, Diskuswerfer Harting, Hammerwerferin Heidler und Speerwerferin Obergföll – siegten mehr oder weniger souverän. Sie zählen auch bei der WM 2011 zu den Titelanwärtern.
Die 69. Auflage des ISTAF kann als rundum gelungen bezeichnet werden, nicht zuletzt aufgrund des tollen Wetters. Der ganzen Familie wird was geboten: Bei den Eltern ziehen die Stars, bei den Kindern WM-Held „Berlino“, der – wie sich die Bilder glichen – von Kumpel Harting mal wieder zünftig auf den Arm genommen wurde. Die Staffeleinlagen der Berliner Grundschüler motivieren zudem die Jüngsten zum Mitmachen.
Es ist wichtig, den Nachwuchs rechtzeitig an die Leichtathletik zu binden. Nicht immer geht das so elegant wie in der Familie des neuen 800-Meter-Weltrekordlers: Davids Vater Daniel war ebenfalls ein Weltklasseläufer, größter Erfolg: Silber mit der 4×400-Meter-Staffel Kenias bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt. Dennoch hat das ISTAF als gelungenes Fest für die ganze Familie ein wertvolles Zeichen gesetzt. Am Ende auch für die Hertha-Fans: So schön kann Zweite Liga sein!
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