(Volleyball)
European League Ankara (M): DVV-Team bezwingt Türkei 3:2
Im dritten Spiel der zweiten Runde der European League feierte die deutsche Nationalmannschaft ein sensationelles Comeback: nach dem „Trauerspiel“ gegen Österreich (0:3) am Vortage präsentierte sich das deutsche Team gegen die türkische Nationalmannschaft wie der „Phönix aus der Asche“ und gewann sensationell, verdient nach guter Leistung mit 3:2-Sätzen (24-26, 25-23, 25-20, 21-25, 15-10). Verständlich, dass sich Spieler und Trainer nach dem Match überglücklich in den Armen lagen.
Startformationen
Deutschland: Zuspiel: Patrick Steuerwald, Diagonal: Alexander Mayer, A/A: Eugen Bakumovski, Jan Umlauft, MB: Lukas Bauer, Max Günthör, Libero: Ferdinand Tille, Trainer: Bernd Werscheck
Türkei: Zuspiel: Arslan Eksi, Diagonal: Ersin Durgut, A/A: Fatih Baris, Emre Batur, MB: Ahmet Tocoglu, Cüneyt Dagci, Libero: Nuri Sahin, Trainer: Fausto Polidori
Spielverlauf:
1. Satz: Die deutsche Mannschaft geht nach zwei Bakumovski-Aufschlägen mit 3-0 in Führung und veranlasst Polidori zur 1. Auszeit. Bei 5-5 allerdings schon Gleichstand und bei 7-7 eine minutenlange Diskussion mit Beteiligung des 2. Schiedsrichters, der einen Aufstellungsfehler der türkischen Mannschaft übersehen hatte. Keine Korrektur des Spielstandes, dafür hämmert Mayer zum 7-8 in den Block. Nach Aufschlag- und Annahmefehler fällt das deutsche Team auf 8-12 zurück – Auszeit von Trainer Werscheck. Bakumovski und Mayer (zweimal) sorgen im weiteren Verlauf für Punkte, können aber den 13-16 Rückstand zu 2. techn. Auszeit nicht verhindern. Bei 17-17 (nach direkt gelegtem Ball von Steuerwald, einem Knaller und einem Lob von Bakumovski sowie einem türkischen Ausball Einstand bei 17-17, aber 2. Auszeit für Deutschland bei 17-20. Bei 18-21 kommt Schwarz für Bakumovski, bei 20-22 rückt Kampa für Steuerwald ins Feld. Das deutsche Team egalisiert bei 24-24. Nach einer türkischen Auszeit muss das Team nach zwei Angriffsfehlern von Mayer klein beigeben.
2. Satz: Westphal rückt für Mayer auf die Diagonale und sorgt gleich für Furore: bis zur 1. Auszeit ist der Berliner an 5 Punkten (Block und Angriff) beteiligt und sorgt mit Bakumovski und Bauer für eine 8-3 Führung. Im zweiten Drittel kann das Team den 5-Punkte-Vorsprung bis 14-9 halten, dann sorgen u.a. zwei Bakumovski_Fehler hintereinander für einen türkischen Zwischenspurt. Bei 15-11 kommt erneut Kampa für Steuerwald, Bakumovski markiert zum 16-13. Erneut deutsche Fehler, bei 17-16 Auszeit von Werscheck. Dann sorgt ein türkischer Aufschlagfehler für einen Zweipunkteabstand, der bis 21-19 erhalten bleibt. Dann führen ein Günthör- und ein Westphal Block zu einer 23-19 Führung und für eine türkische Auszeit. Bei 23-22 wieder eng, Westphal lässt mit Punkt 24 den Satzgewinn näher rücken und ein türkischer Fehler besegelt diesen Durchgang.
3. Satz: Werscheck lässt Kampa und Westphal auf dem Feld. Ausgeglichene Partie bis 6-6, dann plötzlich nach Bakumovski-Fehler 6-8, nach der Auszeit 7-10 und 8-11 Rückstand. Nach einer weiteren spektakulären Rallye sorgt ein Günthör-Solo-Block sowie erfolgreiche Attacken von Umlauft und Westphal für den Gleichstand bei 13. Weitere Punkte von Bakumovski und Westphal führen schließlich zur knappen 16-15 Führung bei der 2. techn. Auszeit. Das deutsche Team baut auf 19-17 aus (Auszeit Türkei) und erweitert auf 20-17 und 22-18. Erneute Auszeit Türkei. Günthör blockt geistesgegenwärtig einen Abpraller aus dem türkischen Feld und sorgt mit einem Westphal-Punkt schließlich für das Satzende.
4. Satz: Über 3-3, 5-5 und 7-7 knappe deutsche Führung bei der 1. techn. Auszeit. Stark umkämpfter Mittelteil im 4. Durchgang – immer nur Ein-Punkt-Abstände. Bei 14-14 verbaggert Tille – wieder mit einer guten Leistung während der gesamten Partie – eine Annahme und Bakumovski schlägt ins Aus. 14-16 Rückstand. Nach 17-17 nimmt Trainer Werscheck bei 17-19 eine Auszeit, muss aber einen 18-21 Rückstand hinnehmen. Bakumovski startet ein Stör-Manöver durch Frage und Diskussion mit dem 2. Schiri, der folgende türkische Aufschlag geht ins Netz. 19-21. Bei 21-23 noch eine türkische Auszeit – nach zwei Bakumovski-Fehlern Satzende.
5. Satz: Bis 2-2 unentschieden – dann führen ein Günthör-Block, ein türk. Angriffsfehler und eine Umlauft-Attacke zur 5-2 Führung. Auszeit Türkei. Ein Bauer/Bakumovski-Block sichert eine 8-6 Führung zum Seitenwechsel. Ein Westphal/Bauer-Block sowie ein Bakumovski „Not-Lob“ bringen die 10-6 Führung. Auszeit Türkei. Umlauft erhöht auf 11-7. Punkt 12 kommt durch einen türkischen Angriffsfehler, Bauer macht Punkt 13, Günthör markiert das 14-10. Dann liegen sich die Spieler jubelnd in den Armen.
Fazit: Nach dem Trauerspiel gegen Österreich vom Vortage war mit dem deutschen Team offensichtlich das passiert, was deutsche Bundespräsidenten vom deutschen Volk erwarten: es war ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. Nach ausführlichen Gesprächen, einem geänderten Tagesablauf und dem festen Vorsatz, sich nicht noch einmal vorführen zu lassen, stand ein ganz anderes Team auf dem Feld. Bemerkenswert die Moral des Teams, das nach dem unglücklich verlorenen 1. Satz ungerührt (Körpersprache!) weiterspielte. Die Spielerwechsel funktionierten, die Aufschlagstrategie (rechtzeitige Umstellung von „hart“ auf Float) passte, die Ausstrahlung blieb positiv. Kennzeichnend die vielen langen Rallies in der Partie – von den deutschen Spielern nach starker Abwehr überwiegend positiv abgeschlossen. Die Türken spielten engagiert und forderten das deutsche Team immer wieder, das schließlich knapp, aber verdient gewann und von den Zuschauern fairen Applaus erhielt. Verständlich die Freude auch bei Trainer Werscheck, der Komplimente aber abwehrte: „Ich freu mich vor allem für die Jungs!“
Stimmen
Trainer Bernd Werscheck: „Es freut mich wirklich für die Jungs, die jetzt 14 Tage unter nicht immer positiven Umständen hart gearbeitet haben. Ich habe gestern gemerkt, wie groß die Enttäuschung war – nicht nur bei mir. Aber sie haben ihre Chance heute genutzt – das war vor großem Publikum so eine Art Auferstehung. Man kann fallen – aber man muss wieder aufstehen – das haben die Jungs in großartiger Manier gezeigt. Das waren 5 Sätze auf hohem Niveau, ein offener Fight von beiden Seiten. Wir haben die Nerven behalten. Jetzt können wir in Ruhe das Fußballspiel genießen.“
Mannschaftsführer Eugen Bakumovski: „Wir sind heute über Kampf zur Leistung gekommen. Wichtig war, dass vorher das Gehirn angefangen hat zu arbeiten – heute wollten und konnten alle. Wir haben rechtzeitig unsere Aufschlagstrategie gewechselt, da wurde das Spiel der Türken doch durchsichtiger und wir haben einiges im Block abfangen können. Über die Mitte kam nicht mehr viel – das war gut für unsere Abwehr. Alle haben ein Lob verdient, aber ich muss heute mal ein Kompliment an Lukas loswerden.“
Sebastian Schwarz: „Heute war wesentlich mehr Spannung bei jedem einzelnen – und auch im Spiel. Gestern ging es einfach nicht. Gut war dass wir rechtzeitig von „hart“ auf „Flatter“ umgestellt haben. Das hat den Türken Probleme bereitet und wir konnten besser abwehren. So was wie gestern sollte uns nicht noch mal passieren – da waren wir uns alle einig. Wir wollten anders auftreten und wir haben es geschafft.“
Dirk Westphal: „Ich bin nach meiner Einwechslung schnell ins Spiel gekommen. Wichtig war, dass wir als Team agiert haben, gekämpft haben und viel aus der Abwehr gekommen ist. Das von gestern hat doch jedem auf der Seele gebrannt – wir wollten zeigen, dass wir vernünftig Volleyball spielen können. Meinen Rollenwechsel (von A/A auf Diagonal) sehe ich ganz locker Keiner erwartet was besonderes, es ist eigentlich einfach.“
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