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Differenzerfahrung. Der deutsche Vereinsfußball ist zweitklassig

09.04.2009
Fussball Männer: Differenzerfahrung. Der deutsche Vereinsfußball ist zweitklassig
Foto: keine Quelle wurde angegeben
 

(Fussball Männer) Der deutsche Vereinsfußball ist im europäischen Maßstab nur noch zweitklassig. Ein Wiederaufstieg in die Königklasse der Allerbesten kann nur langfristig erfolgen.

Barcelona bleibt für die Bayern ein Ort des Grauens. Nach dem Last-minute-loose im Chanpions-League-Finale 1999, als die Mannschaft um Stefan Effenberg bis in die Nachspielzeit hinein mit 1:0 führte und in eben jener noch zwei Blitz-Tore kassierte, so dass es bei Abpfiff 2:1 für Manchester United stand, folgte gestern Abend, ziemlich genau zehn Jahre danach, eine Demonstration des Unterschieds zwischen Weltklasse und gehobenem Bundesliganiveau.

Dabei ist nicht einmal die 4:0-Niederlage selbst schockierend, sondern die Art und Weise, wie sie herausgespielt wurde. Solch eine Überlegenheit gibt es sonst allenfalls in der ersten DFB-Pokalrunde, wenn Verbandsligisten die Profis aus Bremen, Dortmund oder Hamburg empfangen. „Klassenunterschied“ ist denn wohl auch das Schlüsselkonzept des gestrigen Fußballabends.

Stellt sich die Frage, wie dieser in so relativ kurzer Zeit derart manifest werden konnte, dass man den Eindruck hat, eine deutsche Vereinsmannschaft wird nie wieder ein Chanpions-League-Finale erreichen.

Das liebe Geld alleine ist es nicht. Klar: Wer Milliardäre im Rücken hat, kann relativ befreit aufspielen. Doch wer sich die Mannschaft des FC Barcelona anschaut, entdeckt gerade kein aus zwanzig Stars gegossenes Kunstprodukt, wie diese in England gerade in Mode sind, wo sich gelangweilte Rohstoffmagnaten aus aller Welt ihr Spielzeug gönnen, als Alternative zur Zweit-Jacht.

Es sind gestandene Barça-Recken wie Valdés, Puyol, Xavi und Iniesta, die gar nicht zu wissen scheinen, dass es auch woanders Fußballvereine gibt. Die wichtigen Einkäufe der letzten Jahre wie Márquez, Eto’o, Henry, Hleb und Alves erweisen sich als echte Mannschaftsspieler und fügen sich ins Kollektiv ein. Es ist dieses Kollektiv, das von der F-Jugend an taktisch hervorragend geschult wurde. Selbstverständlich verfügt jeder einzelne Spieler über die konditionellen und technischen Voraussetzungen, die enorme Geschwindigkeit des Angriffsspiels über 90 Minuten durchzuhalten und selbstverständlich sind es immer wieder die genialen Ideen der Kreativen, die mit ihren Pässen eine noch so dicht gestaffelte Abwehr ausspielen. Aber Barcelona ist eine Mannschaft, die zusammen gewachsen ist – fern der neubergerischen Elf-Freunde-Romantik, aber ebenso fern der Legionärskultur, in der die Spieler aufpassen müssen, morgens nicht das falsche Trikot einzupacken, weil sie gerade mal für drei Tage an die Konkurrenz verliehen wurden.

Einen muss man aber doch hervorheben aus diesem Kollektiv: den Argentinier Lionel Messi, immerhin auch schon seit neun Jahren im Verein. Als er 13 war, zog es die Familie nach Spanien, um seine Hormonstörung wirkungsvoller behandeln zu lassen. Nach einem Probetraining beim großen FC Barcelona unterschrieb das Jahrhunderttalent einen Vertrag – auf einer Serviette, die der verantwortliche Jugendtrainer in der Tasche hatte. Jemanden wie Messi lässt man nicht mehr ziehen. Ich hätte nicht gedacht, dass es einmal soweit kommen wird, aber in der Einschätzung des 21jährigen als „bester Spieler der Welt“ muss ich Günther Netzer vorbehaltlos zustimmen. Für die einen ist Messi ein Fußballspieler, für die anderen der sechste Gottesbeweis. Einer wie der – und ich zahle gerne die fünf Euro ins Phrasenschwein – kann ein Spiel allein entscheiden, weil er sich gegen die fünf Spieler, die er bindet, auch noch durchsetzt und zum Abschluss kommt. Solche Spieler muss man noch im Mutterleib eindeutschen, dann klappt’s auch mal wieder mit dem Weltmeistertitel.

Das Fazit des Abends ist bitter, aber kaum zu leugnen: Der deutsche Vereinsfußball ist im europäischen Maßstab nur noch zweitklassig. Ein Wiederaufstieg in die Königklasse der Allerbesten kann nur langfristig erfolgen, und zwar von unten, d. h. aus dem Jugend- und Amateurbereich, denn dort werden die Profis in spe ausgebildet. Dass die DFL diesen Teil des deutschen Fußballs mit ihrer rein profitorientierten Medienpolitik (Sonntagsspiele in der Bundesliga) systematisch schwächt, ist demzufolge kein gutes Zeichen.



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