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(Gewichtheben)
Nach 72 Jahren könnte ein Österreicher wieder eine Olympia-Medaille im Gewichtheben holen. Einziger Haken an der Sache: Matthias Steiner tritt für Deutschland an.
Nach 72 Jahren könnte ein Österreicher wieder eine Olympia-Medaille im Gewichtheben holen. Einziger Haken an der Sache: Matthias Steiner tritt für Deutschland an.
Athen 2004: Matthias Steiner, Österreicher, Gewichtheber, Zukunftshoffnung, 105 kg schwer, 7. Platz bei Olympia. Peking 2008: Matthias Steiner, Deutscher, Gewichtheber, Weltklasseathlet, 145 kg schwer, Gold bei Olympia?
Es ist noch immer der gleiche Mann und noch immer ist er Gewichtheber, ansonsten hat sich in den letzten vier Jahren aber so ziemlich alles verändert im Leben des Matthias S.
Nach den olympischen Spielen überwarf sich der damals 22-jährige Steiner mit dem österreichischen Verband. Letzterer wollte ihm den Nationaltrainer vorschreiben, Steiner an seinem Vertrauenscoach festhalten. „Ich bin immer zwischen den Stühlen gestanden“, erklärt Steiner im Gespräch mit sportnet.at. Mit seiner Meinung habe er auch nicht hinter dem Berg gehalten. Die Folge: Fahnenflucht. Steiner packte seine Sachen und ging nach Deutschland. Dort wurde er von seiner sächsischen Freundin und dem hiesigen Verband mit offenen Armen empfangen. Der österreichische Verband sei „amateurhaft“ organisiert, so der gebürtige Niederösterreicher. „Ich wollte aber Vollprofi sein. In Deutschland kann ich das.“
"Fühle mich als Deutscher"
Seine Freundin, die er im Dezember 2005 geheiratet hatte, kam vor einem Jahr bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben. In Deutschland ist er trotzdem geblieben. Im Dezember 2007 erhielt er, nach einer dreijährigen internationalen Wettkampfsperre, die Staatsbürgerschaft. „Ich fühle mich als Deutscher“, sagt Steiner. Den österreichischen Pass hat er abgegeben. „Ich verleugne meine Herkunft nicht und bin stolz darauf. Zu viel Nationalstolz“, meint er, sei aber auch nicht gut. Überhaupt ist Steiner, was sein Geburtsland betrifft, völlig unemotional. „Wenn man seine Träume verwirklichen will, dann muss man den dafür nötigen Weg einschlagen.“
In seiner neuen Heimat kann er sich voll und ganz auf seinen Sport konzentrieren. „Essen, schlafen, trainieren.“ Um mehr muss sich der 25-Jährige nicht kümmern. Der Rest wird vom Verband erledigt. „Die haben hier sehr viel für mich getan. In Österreich musste ich mir alles selbst organisieren.“
Gold in Griffweite
Kontaktiert habe ihn seit seiner Fahnenflucht von österreichischer Verbands-Seite niemand. „Die waren froh, dass ich weg war.“ Ob man auch nach Peking noch froh sein wird, den Unbequemen los zu sein? Steiner, mittlerweile 145 kg schwer und ins Superschwergewicht gewechselt, gilt als Medaillenbank. Selbst der Olympiasieg scheint seit Gold (Reißen) und Silber (Zweikampf) bei der EM 2008 in Griffweite. Gerüstet ist Steiner dafür nicht nur leistungstechnisch. „Die deutsche Hymne habe ich geübt.“
Quelle: sportnet.at
Stichwörter:
Gewichtheben,
Matthias Steiner,
Olympische Spiele 2008,
Peking