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Deutschlands zwanzig Chancen auf Olympiasiege

18.07.2008
Foto: keine Quelle wurde angegeben
 

(Olympia 2008) Deutsches Olympia-Team will in Peking endlich den Abwärtstrend stoppen! Kanuten, Reiter, Hambüchen: Die größten Gold-Hoffnungen des deutschen Olympia-Teams ruhen in Peking auf erfahrenen Leistungsträgern. Von Aussichten wie vor 16 Jahren, als Deutschland in Barcelona gleich 33 Mal Gold holte, kann nach langer «Durststrecke» auch diesmal kaum geträumt werden.

 

„Wir haben ein schlagkräftiges Team und sind guter Hoffnung, dass wir nun in China den seit 1992 anhaltenden Abwärtstrend endlich stoppen können“, sagte Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), der 1976 als Fechter selbst in den Genuss von Olympia-Gold kam. 

Auf hartnäckiges Nachfragen ließ sich der deutsche Sportchef unlängst auch zu einer kaum gewagten Prognose hinreißen. „Die Kanuten und die Fußball-Frauen haben aus meiner Sicht die besten Chancen, aber auch in anderen Sportarten hoffen wir auf positive Überraschungen.“
Seit 1992 bilden die Kanuten das erfolgreichste Segment der deutschen Olympia-Teams. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Cheftrainer Reiner Kießler auch diesmal mit den Erwartungen nicht hinter den Berg hält. „Wir streben sechs bis sieben Medaillen an, darunter sollten schon drei goldene sein“, sagte der Leipziger. Vor allem der seit 2000 ungeschlagene Kajak-Zweier mit Ronny Rauhe/Tim Wieskötter aus Potsdam gilt als sichere Bank, auch der Canadier-Zweier Christian Gille/Tomasz Wylenzek, beide waren ebenso wie Andreas Dittmer schon in Athen vorn, gehen als Top-Favoriten ins Rennen. 

Die von Meredith Michaels-Beerbaum und Ludger Beerbaum angeführten Springreiter hegen ebenso goldene Träume wie die Equipe der Dressur-Reiter. Mit großen Erwartungen fahren zudem die Handball-Weltmeister und die Fußball-Weltmeisterinnen nach China. Auch ihren Hockey-Kollegen wird viel zugetraut. Fünf Medaillen hat der Radsportverband für seine Akteure auf Bahn, Straße und Mountainbike als Ziel ausgegeben. 

Den größten Sprung nach vorn haben die Turner in den vergangenen vier Jahren vollzogen. Welt- und Europameister Fabian Hambüchen ist nicht nur der Favorit am Reck. „Wenn alles optimal läuft, müsste ich oben stehen. Denn keiner turnt momentan so schwer wie ich. Aber im Turnen weiß man nie“, geht der 20-Jährige sein Ziel trotz chinesischer Übermacht selbstbewusst an. Auch im Mehrkampf – dort war er schon Vizeweltmeister –, am Barren und in der Team-Konkurrenz gibt es weitere Medaillenchancen. Ob das Ausspielen bisheriger Stärken reicht, um den sechsten Platz in der Nationenwertung von Athen (13 Gold/16 Silber/20 Bronze) zu wiederholen, scheint fraglich. „Ich wäre mit dem Erreichen der Athen-Bilanz schon sehr zufrieden“, zeigte DOSB-Vize Eberhard Gienger eher gedämpften Optimismus. Unübersehbar, dass Ruderer, Judokas, Ringer, Boxer und Gewichtheber an die Top-Leistungen früherer Jahre nicht mehr herankommen. Wie sich das Schwimm-Team um die Berlinerin Britta Steffen präsentieren wird, scheint momentan ebenso offen wie die Bilanz der Sportschützen. Medaillenchancen gibt es allemal. 

Eher düster sieht es bei den Leichtathleten aus, obwohl der leitende Bundestrainer Jürgen Mallow immer noch davon spricht, die Bilanz der WM von Osaka mit sieben Medaillen (2/2/3) wiederholen zu wollen. Die Gold-Chancen des 63-köpfigen Teams sind dünn gesät, die bisherigen Saisonleistungen selbst von den Leistungsträgern im Wurfbereich geben kaum zu größeren Hoffnungen Anlass. 

Die goldenen Zeiten wie noch vor 16 Jahren in Barcelona, als das wiedervereinte deutsche Team 82 Medaillen, darunter 33 goldene, erkämpfte, scheinen vorbei. Nach Atlanta (65 Medaillen/20 Gold) ging der Abschwung in Sydney (56/13) und Athen (49/13) weiter. Nach Peking würde es wohl niemand mehr verwundern, wenn sich die deutsche Mannschaft auf dem Niveau des bundesdeutschen Teams 1988 in Seoul wiederfinden würde, als insgesamt 40 Medaillen (11/14/15) heraussprangen.

Fechten Peter Joppich (Koblenz) war mit dem Florett bereits dreimal Einzelweltmeister, mit dem Degen ist Weltmeisterin Britta Heidemann (Leverkusen) eine Kandidatin.

Fußball Die Weltmeisterinnen greifen natürlich nach dem Titel.

Gewichtheben Im Superschwergewicht hat Europameister Matthias Steiner (Chemnitz) Goldchancen. 

Handball 
Gelingt dem Männer-Nationalteam nach dem WM-Coup die nächste Sensation? 
Und auch die Damen, die bei der WM Bronze holten, haben Medaillen-Chancen.

Hockey Die Männer fahren als Weltmeister nach Peking. 

Kanu Im Einer-Canadier darf man wie immer auf den dreimaligen Olympiasieger Andreas Dittmer (Neubrandenburg) hoffen. Im Zweier sind Christian Gille/Tomas Wylenzek (Leipzig/Essen) Titelverteidiger, ebenso wie im Kajak-Zweier Ronald Rauhe und Tim Wieskötter (Potsdam). Auch ohne Birgit Fischer könnte das Vierer-Kajak der Frauen gewinnen. 

Rad Weltmeisterin Hanka Kupfernagel (Werder) hofft im Zeitfahren auf ihren Triumph. 

Reiten Die Dressurmannschaft sowie Isabell Werth (Rheinberg) im Einzel werden wieder eine Bank sein. Im Springen ist Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) die größte Hoffnungsträgerin, der Vielseitigkeitsmannschaft ist ebenfalls der Titel zuzutrauen. 

Schießen Pistolenschütze Ralf Schumann (Stockheim) könnte sein viertes Gold erkämpfen. Im Trap ist Karsten Bindrich (Eußenhausen) ebenso ein Kandidat wie mit dem Gewehr Sonja Pfeilschifter (Ismaning). 

Schwimmen Langstreckenschwimmer Thomas Lurz (Würzburg) ist hier die größte Hoffnung. 

Triathlon Weltmeister Daniel Unger (Mengen) war 2004 in Athen verletzt. 

Wasserspringen Turmspringer Sascha Klein (Aachen) gewann schon den Weltcup 2008 in Peking. 

Turnen Reck-Weltmeister Fabian Hambüchen (Niedergirmes) setzt auch bei Olympia auf Sieg.


Segeln Steffi Rothweiler und Vivien Kussatz

Taekwondo Daniel Manz

 

Quelle: Berliner Morgenpost

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Kommentare
Eintrag vom 05.09.08, 23:09
Gerd, ich denke dass du völlig recht hast, es ist an der zeit, auch den sport wieder intensiver und intelligenter zu fördern. Was dein fazit angeht, bin ich leider enttäuscht. Denn hier trifft das 'Früher war doch eh alles besser' einfach nicht zu. Zwar wurden weniger Meaillen erreicht als noch in Athen (von den anderen Austragungen ganz zu schweigen), doch denke ich dass unsere Sportler besonders durch die hohe Anzahl an 1. Plätzen ein Zeichen gesetzt haben. Denn anders als bei den meisten anderen Nationen sind deutsche sportler (meist) auch saubere Sportler.
Eintrag vom 19.08.08, 18:13
Ich bin zum einen entäuscht, dass der Abwärtstrend eigentlich völlig anhält. Aber wir können zum Glück davon reden, das einige über sich hinausgewachsen sind um die Pleiten der anderen zu deckeln.
Entäucht bin ich von den Schwimmern, bis auf Britta Steffen, von den Ruderen und den Radsportlern. Und die Leichtatlethen sind ja auch mehr oder weniger gut im Geschäft.
Wo sind unsere Boxer? Wo sind die Ringer oder Judokas? Fußball der Herren? Handball?
Deutschland war mal eine große Sportnation, leider sind wir das nicht mehr und man hat die große möglichkeit, nach der Wiedervereinigung noch stärker werden zu können völlig verpasst, weil man sich nur auf westdeutsche Funktionäre gestützt hat und den Ostdeutschen Sport nur immer mit Doping in verbindung gebracht hat. Aber war die Nachwuchsförderung nicht super? Hat man dem Nachwuchs nicht mit der Spardakiade-Bewegung einen Hauch von Olympia vermittelt? Und heute? Der Nachwuchs kann kaum gefördert werden, weil es solche Bewegungen einfach nicht mehr gibt und das ist schade. Und das viele Geld, was in den Sport investiert wird, wird leider nur für einige große genutzt.
Und wenn wir uns schon darüber freuen sollen, dass man zu Olympia darf aber dort kaum Finalchansen hat, dann ist das einfach ein trauriger Beweis unserer Sportfunktionäre. Es macht zur Zeit mehr im Wintersport Spaß zuzusehen, als in den Sommersportarten.
Eintrag vom 17.08.08, 23:14
Ich freue mich echt über das 2. Gold von Britta Steffen !!! Das hat ihr bestimmt nicht jeder zugetraut!
Eintrag vom 15.08.08, 14:56
Britta Steffen stand hier zwar nicht, hat aber beim Schwimmen Gold geholt!
Eintrag vom 13.08.08, 21:36
Ja Pauline.
Ich glaube die Mädels machen dort das echt bestens (bisher).
Eintrag vom 13.08.08, 09:43
bei hockey würd ich im moment eher den frauen den titel zutrauen... die sind auf jeden fall mit hin zuschreiben =)
Eintrag vom 30.07.08, 16:07
also bevor daniel manz gold holt oder ne andere medallie würde ich eher auf levent tuncat setzten der hat ne grössere chance auf ne medallie!!!!
Eintrag vom 29.07.08, 21:35
Danke Charlene.
Ich habe nun auch die Handsball-Damen aufgenommen.

Ich interessiere mich zwar für viele Sportarten, aber habe klar nicht alle soooo gut im Überblick.
Daher vielen Dank für Eure Hinweise.
Eintrag vom 28.07.08, 21:21
Na gegen ein paar mehr Medaillen haben wir hier doch sicher nichts Anita.

Werde die drei zumindest mal bei den Stichwörtern mit aufnehmen.
Und dann lasst mal die Spiele beginnen und sehen, was unser Daumendrücken bringt ;O)
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