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(Marathon)
Zeitungsartikel erschienen am 14.11.2008 in Lokalteil der Nordbayrischen Nachrichten; Text und Bild: Peter Ehler
Kerstin Ehler aus Hainbronn war bei der Premiere des Marathons Nizza–Cannes an der Côte D’Azur am Start
PEGNITZ - Das war eine Laufsaison: Zum Saisonauftakt im Frühjahr der Marathon in Antalya, Nürnbergs Partnerstadt in der Türkei, und zum Saisonausklang nun der Start beim Premierenlauf Nizza–Cannes, bei dem für 10 000 Läufer der Startschuss in Nürnbergs französischer Partnerstadt an der Côte d‘Azur fiel. Mit dabei Kerstin Ehler aus dem Pegnitzer Ortsteil Hainbronn.
Die langjährige Pegnitzer Handballerin und inzwischen begeisterte Ausdauersportlerin hatte das Glück, mit weiteren 40 Läufern aus der Metropolregion Nürnberg eine Startnummer für den seit Monaten ausverkauften Lauf zu erhalten.
Los ging es an der weltberühmten «Promenade des Anglais», die sich neun Kilometer die Küste entlangzieht. Sommer wie Winter ist sie der bevorzugte Treffpunkt der Sportler. Jeden ersten Sonntag im Monat wird die für den Verkehr gesperrte Straße zum Reich der Radfahrer und Spaziergänger. Diesmal gehörte der Boulevard zwischen Meer und Gebirge erstmals Läufern aus aller Welt.
Es ging vorbei am weltberühmten Hotel Negresco hinüber nach Cagnes-sur-Mer, das einen weiten Blick auf die verschneiten Seealpen erlaubte, durch den Jachthafen Antibes über Juan-les Pins und Golfe-Juan Vallauris, wo einst Napoleon nach seiner Rückkehr aus Elba landete. Ziel war dann nach 42,195 Kilometern die Promenade in Cannes, heute der Treffpunkt der Reichen und Schönen mit seinem mondänen Charakter.
Tolle Stimmung
«Bei strahlendem Wetter und fast frühlingshaften Temperaturen von 17 Grad ließen sich Einheimische und Gäste in den Straßencafés Wein und Meeresfrüchte schmecken», sagt die 41-jährige Läuferin, noch immer begeistert von der Stimmung am Streckenrand. Auch auf den Jachten und am Strand verfolgten die Franzosen aufmerksam den kaum enden wollenden Wurm der Läufer in ihren bunten Sport-Trikots. Schließlich schob sich der Marathon von Nizza nach Cannes schon vor dem Start als zweitgrößte Laufveranstaltung Frankreichs hinter den Klassiker «Marathon de Paris».
Auch die vielen Begleiter mussten sich nicht langweilen. Für die richtige Stimmung sorgten zahlreiche Musiker, die den Läufern zusätzlich einheizen. Wer mochte, konnte seinem Partner mit der Bahn nachfahren. Der Fahrplan war auf die Marathonzeit abgestimmt, so dass ein Ein- und Aussteigen entlang der Strecke problemlos möglich war. Kerstin Ehler: «Toll, wie einem auch aus dem Zug Hunderte von Fans zugewunken und zugerufen haben.»
Nizza war für alle sportlich ambitionierten Hobbyläufer ein prima Saisonausklang. Freilich musste die Pegnitzer Läuferin bis zuletzt um einen Start im Süden bangen. Der Nürnberger Ultraläufer Bernhard Nuss hatte im Vorfeld zwar eifrig die Werbetrommel gerührt, doch die Einladung des Organisationsteams in Frankreich für seine Laufgruppe war erst vor einigen Wochen amtlich. Diese stand nun vor dem Problem: «Für eine Sightseeing-Tour zu den Schönheiten der Côte d’Azur reicht die knappe Zeit zwar allemal. Die sportliche Vorbereitung eines Marathons nimmt jedoch einige Monate in Kauf.»
Kein Wunder, wenn daher zur Premiere nahezu ausschließlich erfahrene Langstreckenläuferinnen und Läufer und Triathleten kurzentschlossen das Trikot überzogen und nochmals die Schuhe schnürten. Dennoch lautete die einzige Bedingung für den Start: «Jeder Teilnehmer muss sportlich fit sein und schon einmal mindestens einen Halbmarathon über 21 Kilometer gelaufen sein.»
Ein Kriterium, das Kerstin Ehler bei einem Blick in ihr Lauftagebuch problemlos erfüllen konnte: Mehr als 2000 Traningskilometer allein in diesem Jahr auf den Straßen und Wanderwegen rund um Pegnitz und ein halbes Dutzend verschlissene Laufschuhpaare zur Vorbereitung. Außerdem liegen neben dem Finisher-Shirt des Antalya-Laufes auch die Erinnerungsmedaillen für den Gletschermarathon im österreichischen Imst und den Sechs-Stunden-Ultralauf in Nürnberg im Trophäenschrank.
So konnten auch kleinere organisatorische Pannen die Hainbronnerin nicht aus der Ruhe bringen. Denn ein Teil der Läufer aus Franken hatte die Startunterlagen mit der Post zugeschickt bekommen, Kerstin Ehler musste sich mit dem Rest der Gruppe im Gewusel der Läufer aus vielen Nationen ihre Unterlagen am Samstag in der Marathonmesse «erkämpfen». Deutlich schneller und unkompliziert organisiert war derweil am Sonntag die Abgabe der Kleidersäcke. «Sie purzelten kurzerhand in nummerierte, Kleiderschrank große Kartons und waren nach dem Startschuss zwei Stunden später noch vor dem Einlaufen des Siegers Jakob Kitur aus Kenia mit Lastwagen nach Cannes gebracht worden.»
Eine Tonne Nudeln
«Klasse gelöst war die Versorgung am Streckenrand. Immerhin verbraucht selbst ein durchtrainierter Hobbyläufer für einen Marathon über 4000 Kalorien, rund das Vierfache des normalen Tagesbedarfs.» Alle fünf Kilometer bot eine Verpflegungsstation Cola, Bananen, Apfelsinen und Kuchen zur Stärkung. Im Ziel kochten sieben Köche aus einer Tonne Nudeln, 1000 Litern Tomatensoße und viel Basilikum eine herzhafte Pasta.
Hier gab es dann einiges zu feiern - schließlich wurden die persönlich gesteckten Ziele mehr als erreicht. «Mit meiner Zeit von vier Stunden und 19 Minuten habe ich erstmals kontinuierlich für jeden Kilometer nur sechs Minuten gebraucht.» Und das bei einer schweren Strecke. Obendrauf gab es zur Erinnerung ein «Partnerstadt Nürnberg»-Shirt und einen Laufrucksack, auf dem der Streckenverlauf abgebildet ist.
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