Hallo,
Doping ist auch eine Art der Menschenrechtsverletzung und wir alle sind für seine brutalmöglichste Aufdenckung und Bekämpfung.
Unterschwellig denken viele Leute reflexartig an Doping wenn Erfolge chinesischer Sportler gemeldet werden; das ist unfair und man gewinnt damit keine Freunde im Olympia-Gastgebegerland (Freunde gewinnen, Freunde werden durch Spiele--das ist doch der olympische Geist, oder?).
Das chinesische Sportsystem ist immer noch ein medailienorientierter Leistungssport und es ist an vielen Stellen besserungswürdig; trotz allem sollte man nicht alles verteufeln bzw. immer Generalverdacht anstellen ohn genauer hinzugucken.
Anbei ein Leserbrief an "Focus", der einen Interview mit Hr. Vesper führte.
Mit besten Grüßen
Wei
Sehr geehrte Damen und Herrn (K.-H. Steinkühler/T. Zorn),
Ich beziehe mich auf Ihr Interview in der FOCUS-Ausgabe 43. (22.10.2007) mit dem Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Hr. Vesper.
Darin haben Sie wiederholt versucht, durch unqualifizierte Fragestellungen zur Dopingproblematik schiefes Licht auf China zu werfen, beim genaueren Hinsehen geben diese aber nur Zeugnis von ihrer erbärmlichen Unkenntnis des Sports und einer wohl als unanständig zu bezeichnenden Verleumdungslust.
Auf S. 224 fragten Sie „ Wie sollen sich denn deutsche Sportler auf der Tartanbahn oder im Schwimmbecken gegen Russen, Amerikaner oder Chinesen durchsetzen, denen der Einsatz von Doping immer wieder nachgewiesen wurde? " Sie machen sich auch zu viele Sorgen wegen Chinesen, meine Damen und Herrn, denn sie sind gar nicht stark auf der Tartanbahn oder im Schwimmbecken. In Athen hat China 32 Goldmedaillen gewonnen, die meisten davon in dopingunverdächtigten Disziplinen wie Tischtennis, Badminton, Schiessen, Kunstturnen oder Wasserspringen. Auf der Tartanbahn gewann China gerade zwei von den 46 Goldmedaillen (110 Meter Hürdenlauf Männer und 100,000 Meter Langlauf Frauen) und im Schwimmbecken, wo es 32 Goldmedaillen zu fischen gab, wurde nur einmal Gold geholt (100 Meter Brust Frauen). Woher also die Angst vor der „Gelben Gefahr"?
Schlichtes Unwissen wäre noch zu verzeihen, demonstrativ zur Schau getragenes Fingerzeigen auf sandiger Grundlage trägt aber eindeutig verleumderische Züge in sich. So legten Sie auf S. 226 nach: „ Im Trainingsdoping sollen Chinesen schon Weltmeister sein." und unterstellten suggestiv dass China´s sportlicher Erfolg einem Massendoping im Training zuzuschreiben sei. Hr. Vesper´s nachvollziehbare Erwiderung auf Ihre Frage, warum es aus chinesischer Hinsicht nur so vernünftig ist, massiv gegen Doping vorzugehen, will ich hier nicht wiederholen sondern Sie nur auf einen Fakt aufmerksam machen: bei allen Olympia-Teilnahmen China´s ist das Land noch nie in einen Doping-Skandal verwickelt gewesen, was Deutschland leider nicht von sich behaupten kann.
Das Mal die quantitative Seite der Entwarnung vor angeblicher „Gelber Gefahr“; aber auch in Hinblick auf Kreativität hinken die un-gefährlichen Chinesen Deutschland weiter hinterher! Einem Olympia—Laufsieger wurde Dopingmittel auf Zahnpasta aufgetragen und einem anderen (Gold in Straßenrennen) wurden in Disco Tabletten in die Hand gedrückt--die er bedenkenlos schluckte...
Wenn China als Feindbild nicht so gut taugt, ohne Sie wider besseres Wissen und Gewissen die Fakten unterschlagen oder verstellen, sollen Sie doch ein Stück von chinesischer Toleranz gegenüber sportlichen Wettbewerbern abschneiden: der deutsche Topspieler in Tischtennis, Timo Boll, der den Chinesen als der gefährlichste europäische Herausforderer in Peking 2008 gilt, wird in China als Wettbewerber hochgeschätzt und respektvoll behandelt, es gibt Boll-Fanclubs und die Chinesen verlieren nie ein schlechtes Wort über den Mann, der ihnen die wertvollste Goldmedaille im Nationalsport wegschnappen könnte. Dasselbe gilt auch für Fabian Hambüchen, der im Männerturnen, dem chinesischen Domäne, zur Weltspitze gelangt ist. Alle Berichte in China über ihn sind nur voll Lobs und ohne ein einziges Anzeichen von Neid oder sogar willkürlicher Unterstellung, die in Ihren Fragenstellungen leider nur so offensichtlich mitschwingt.
Ein Blick nach Osten lohnt sich manchmal, wo die Menschen mit viel Optimismus an der Zukunft arbeiten-- auch haben sie dort ohne Ignoranz und Besserwisserei noch einen gewissen Sinn für sportliche Fairness bewahrt. Es wäre zu wünschen, wenn Sie sich fortan eher der Förderung des Sportgeistes und Völkerverständigung widmen als populistische Stimmungsmacherei zu betreiben, die der Seriosität Ihres Magazins nicht gut bekommen kann.
Mit freundlichen Grüßen
Wang Wei
Düsseldorf, 12.11.2007