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Thema 'Doping ganz allgemein'

Betreff:  Doping ganz allgemein
Autor: Frank L.
Datum:13.08.07 22:38

Hi,

Natalie schrieb's im letzten Satz Ihres Beitrags zum Thema "Doping im Radsport" und es ist wohl unter Sportlern auch ein gemeinsamer Gedanke - Gedopt wird in jeder Sportart. Vielleicht hat der eine oder andere von Euch vergangene Woche das Sportstudio gesehen, in der eine anonyme Umfrage präsentiert wurde, nach der ca. 63% der Kaderathleten (über alle Sportarten hinweg) in Deutschland angaben, zumindest unregelmäßig verbotene Substanzen eingeworfen zu haben. Mit anderen Worten, suche Dir wahllos drei deutsche Kaderathleten und Du wirst zwei Doper darunter haben. Nicht schön, aber das ist wohl die Realität.

Das Thema ist viel zu komplex, um einfach "dagegen" zu sein. Ich glaube, dagegen ist beinahe jeder, auch diejenigen, die regelmäßig zu den Medikamenten greifen. Doch manche sehen sich beinahe gezwungen, auf diese Weise ihre "Erfolge" zu sichern - spätestens, wenn man als Profi seinen Lebensunterhalt durch den Sport bestreitet, ist Erfolg ein Muss. Genau deswegen ist auch der Profi-Radsport so erheblich betroffen.

Als Nominierungskriterium für internationale Meisterschaften gilt in der Regel eine reelle Endkampf-Chance (etwa Platz 12-15). Wenn aber weltweit gedopt wird, dann gibt es nahezu sicher 12-15 Athleten, die unsauber so gut sind, dass auch die Qualifikation praktisch nur noch unsauber zu erreichen ist.

Das Dilemma ist nun aber, dass man nicht einfach in Deutschland sagen kann, "OK, wir setzen die Kriterien auf ein humanes, mit normalen Mitteln erreichbares Maß herab". Wer will denn international nicht konkurrenzfähige Deutsche Sportler sehen? Und wie sollen die Verbände die Partner aus der Wirtschaft gewinnen, die notwendig sind, um die Bedingungen für das dann immer noch sehr hohe Trainings- und Leistungsniveau zu schaffen?

Wenn es überhaupt eine Chance gibt, Herr über den Medikamentenmissbrauch zu werden, dann doch nur, wenn es weltweit einheitliche, sehr hohe Standards für Trainings- und Wettkampfkontrollen sowie für drakonische Strafen gibt. Ein Sportler muss einfach wissen, dass "erwischt" zu werden dem Karriereende gleich kommt und dass das Risiko, erwischt zu werden, außerordentlich hoch ist.

Leider wird das aus mehreren Gründen schwer zu realisieren sein. Ein Grund ist wie immer das liebe Geld, das für diese Kontrollen notwendig wäre. Ein anderer, dass es wohl schwierig sein wird, manche Staaten von der Notwendigkeit solcher Maßnahmen zu überzeugen. Und schließlich ist da leider auch immer wieder die Gefahr, dass ein Sportler fälschlicherweise des Dopings bezichtigt wird und sei es nur, weil er tatsächlich versehentlich an ein "verunreinigtes" Nahrungsergänzungsmittel geraten ist. Er ist dann zwar gedopt im sportrechtlichen Sinne, aber in diesem Falle wäre eine Strafe der oben geforderten Art dann doch nicht angemessen.

Wer sich diesen Problemen nicht stellt, wird keinen Erfolg im Kampf gegen Doping haben. Die ehrlichen Sportler nehmen bereits jetzt Dinge in Kauf, die kaum als menschenwürdig angesehen werden können. Grundrechte wie Datenschutz und Privatsphäre werden bei Hochleistungssportlern in einer Form beschnitten, die Privatleute in der Form wohl nicht akzeptieren würden.

Aus diesen Gründen befürworte ich auch die aktuellen Gesetzesentwürfe, die vor allem Ärzte, Betreuer und Funktionäre dem Strafgesetz "zugänglich" machen, den Sportler aber der Gerichtsbarkeit der Sportverbände selbst unterstellen. Diese Personengruppen wissen, was sie tun und sie tun dies auf Kosten der Gesundheit anderer. Im schlimmsten Falle tun sie dies sogar ohne das Wissen ihrer Schützlinge. Das ist meiner Meinung nach im eigentlichen Sinne Körperverletzung und somit kriminell - und das ist etwas, was man dem Sportler selbst nur bedingt unterstellen kann.

Frank

 
Betreff:  Aw:Doping ganz allgemein
Autor: Bernd H. S.
Datum:26.05.08 23:08

Ich kann das, was Du schreibst, zu 95% unterstützen. Bei den restlichen 5% stimme ich tendentiell überein, würde aber andere Formulierungen benutzen, z.B. sehe ich nicht, dass jemand beinahe gezwungen sei, zu dopen, weil er zur Sicherung seiner Existenz zum Erfolg verurteilt sei.

Was mich allerdings am meisten verblüfft ist, dass über Deinen Beitrag nicht mehr diskutiert wird!

Die "Verlogenheit" des Systems (ich formuliere absichtlich so hart) zeigt sich für mich darin, dass Sponsoren erst den Sportler "unter Vertrag nehmen" und sich anschließend moralisierend zurückziehen, wenn der "Imageschaden" zu groß geworden ist. Natürlich nicht ohne den -in meinen Augen scheinheiligen- Hinweis, dass man mit betrügerischen Sportlern nicht mehr zusammen arbeiten wolle. Ich halte weder Marketingabteilungen von Konzernen, noch Führungskräfte in Sportverbänden nicht für so "uninformiert", dass sie nicht wissen, welche Leistungen ggf. nur durch Doping unterstützt erreicht werden können. In der "Schusslinie" steht letztlich aber nur der Sportler. Da stellt sich für mich die Frage, ob nicht das gesamte System Sport längst durch wirtschaftliche Interessen "deformiert" wurde.

Gruß
Bernd

 
Betreff:  Aw:Doping ganz allgemein
Autor:
Datum:27.05.08 13:49

Ich denke, dass zum Teil auch unbewusst gedopt wird. Z.B. kann man irgeneine Substanz in Getänke mischen. Ich persönlich finde es besser, wenn Sporler, die gedopt haben dies auch zugeben und dann nach ihrer Sperre zurückkehren dürfen. Allerdings muss eine Sperre für alle Sportarten gelten. Nach Ablauf der Sperre sollte man die Athleten unter besondere Beobachtung stellen, damit sie nicht wieder anfangen zu dopen. Wenn ein Athlet eindeutig positiv getestet wird und er es nicht zugibt, sollte er nie mehr Leistungssport betreiben dürfen.

 
Betreff:  Aw:Doping ganz allgemein
Autor:
Datum:24.07.08 18:11

Ich finde Doping einfach Scheiße! Das ist einfach nur unfair den anderen sauberen Sportlern gegenüber und es schadet der gesundheit! Außerdem würde ich mich echt nicht mehr freuen, wenn ich oben auf'm Treppchen stehe und gewonnen hab, aber eigentlich hab ich ja gedopt, da werd ich leiber 2. und bin sauber als 1. und hab gedopt, ich hätte so ein dermaßen schlechtes Gewissen...

paula

 
Betreff:  Aw:Doping ganz allgemein
Autor:
Datum:27.07.08 22:22

Genauso ist es. Wie fühlt man sich eigentlich wenn man gedopt hat und Sieger geworden ist? Scheiße oder gut?

 
Betreff:  Aw:Doping ganz allgemein
Autor: Silvio W.
Datum:28.07.08 15:18

^^ ich würde mich scheiße fühlen (kann das aber aufgrund mangelnder erfahrung zum glück nicht bestätigen, dass es auch so ist)

bin eh rigeros dagegen. (außer das doping besteht aus ner banane, die kann man sich auch während einem anstrengenden, 1stündigen Tamburello-Match genehmigne ;p )

 
Betreff:  Aw:Doping ganz allgemein
Autor:
Datum:17.08.08 22:02

Ja, dass stimmt. Ich würde mich auch irgendwie bekloppt vorkommen.

Heute hat ja ein eigentlich noch bis Dezember gesperrter Sportler die 1500 Meter beim Schwimmen gewonnen. Ich wette, dass er wieder gedopt hat, sonst hätte er sicherlich keine Chance gehabt.