Hi,
Natalie schrieb's im letzten Satz Ihres Beitrags zum Thema "Doping im Radsport" und es ist wohl unter Sportlern auch ein gemeinsamer Gedanke - Gedopt wird in jeder Sportart. Vielleicht hat der eine oder andere von Euch vergangene Woche das Sportstudio gesehen, in der eine anonyme Umfrage präsentiert wurde, nach der ca. 63% der Kaderathleten (über alle Sportarten hinweg) in Deutschland angaben, zumindest unregelmäßig verbotene Substanzen eingeworfen zu haben. Mit anderen Worten, suche Dir wahllos drei deutsche Kaderathleten und Du wirst zwei Doper darunter haben. Nicht schön, aber das ist wohl die Realität.
Das Thema ist viel zu komplex, um einfach "dagegen" zu sein. Ich glaube, dagegen ist beinahe jeder, auch diejenigen, die regelmäßig zu den Medikamenten greifen. Doch manche sehen sich beinahe gezwungen, auf diese Weise ihre "Erfolge" zu sichern - spätestens, wenn man als Profi seinen Lebensunterhalt durch den Sport bestreitet, ist Erfolg ein Muss. Genau deswegen ist auch der Profi-Radsport so erheblich betroffen.
Als Nominierungskriterium für internationale Meisterschaften gilt in der Regel eine reelle Endkampf-Chance (etwa Platz 12-15). Wenn aber weltweit gedopt wird, dann gibt es nahezu sicher 12-15 Athleten, die unsauber so gut sind, dass auch die Qualifikation praktisch nur noch unsauber zu erreichen ist.
Das Dilemma ist nun aber, dass man nicht einfach in Deutschland sagen kann, "OK, wir setzen die Kriterien auf ein humanes, mit normalen Mitteln erreichbares Maß herab". Wer will denn international nicht konkurrenzfähige Deutsche Sportler sehen? Und wie sollen die Verbände die Partner aus der Wirtschaft gewinnen, die notwendig sind, um die Bedingungen für das dann immer noch sehr hohe Trainings- und Leistungsniveau zu schaffen?
Wenn es überhaupt eine Chance gibt, Herr über den Medikamentenmissbrauch zu werden, dann doch nur, wenn es weltweit einheitliche, sehr hohe Standards für Trainings- und Wettkampfkontrollen sowie für drakonische Strafen gibt. Ein Sportler muss einfach wissen, dass "erwischt" zu werden dem Karriereende gleich kommt und dass das Risiko, erwischt zu werden, außerordentlich hoch ist.
Leider wird das aus mehreren Gründen schwer zu realisieren sein. Ein Grund ist wie immer das liebe Geld, das für diese Kontrollen notwendig wäre. Ein anderer, dass es wohl schwierig sein wird, manche Staaten von der Notwendigkeit solcher Maßnahmen zu überzeugen. Und schließlich ist da leider auch immer wieder die Gefahr, dass ein Sportler fälschlicherweise des Dopings bezichtigt wird und sei es nur, weil er tatsächlich versehentlich an ein "verunreinigtes" Nahrungsergänzungsmittel geraten ist. Er ist dann zwar gedopt im sportrechtlichen Sinne, aber in diesem Falle wäre eine Strafe der oben geforderten Art dann doch nicht angemessen.
Wer sich diesen Problemen nicht stellt, wird keinen Erfolg im Kampf gegen Doping haben. Die ehrlichen Sportler nehmen bereits jetzt Dinge in Kauf, die kaum als menschenwürdig angesehen werden können. Grundrechte wie Datenschutz und Privatsphäre werden bei Hochleistungssportlern in einer Form beschnitten, die Privatleute in der Form wohl nicht akzeptieren würden.
Aus diesen Gründen befürworte ich auch die aktuellen Gesetzesentwürfe, die vor allem Ärzte, Betreuer und Funktionäre dem Strafgesetz "zugänglich" machen, den Sportler aber der Gerichtsbarkeit der Sportverbände selbst unterstellen. Diese Personengruppen wissen, was sie tun und sie tun dies auf Kosten der Gesundheit anderer. Im schlimmsten Falle tun sie dies sogar ohne das Wissen ihrer Schützlinge. Das ist meiner Meinung nach im eigentlichen Sinne Körperverletzung und somit kriminell - und das ist etwas, was man dem Sportler selbst nur bedingt unterstellen kann.
Frank